Eine Million Euro Abgang im Seniorenheim
Von Helmut Mittermayr
Reutte – Lange Gesichter gab es bei den Erstellern des Budgets der Marktgemeinde Reutte für das Jahr 2012, als sie vom Millionenabgang im Seniorenzentrum „Zum guten Hirten“ erfahren haben. 1,030.000 Euro muss die Kommune dort zusätzlich aufbringen. Die jährlichen Annuitäten von 380.000 Euro für den Aus- und Neubau des Heimes waren natürlich bekannt, nicht aber ein weiterer Abgang von 650.000 Euro durch Unterbelegung.
Vizebürgermeister Dietmar Koler bestätigt auf TT-Anfrage die enorme Summe. „Ich bin erst Ende November, Anfang Dezember über den ganzen Umfang der Problematik informiert worden. Ich frage mich wirklich, wer da so lange einfach zugesehen hat.“ Durch den Ausbau des Seniorenzentrums um 20 Betten stehen seit April des letzten Jahres 64 Einzelzimmer zur Verfügung. Eine Vollbelegung wurde seither nie mehr erreicht. „Mitte Oktober waren sogar bis zu 20 Zimmer frei“, sagt Vize Koler. Die Verantwortung in dieser Frage liegt für ihn klar beim Bürgermeister – „auch wenn der auch keine Fachkräfte herbeizaubern kann“.
Wegen Mangels an diplomiertem Pflegepersonal waren Zimmer einfach zugesperrt geblieben. Mehrere Reuttener, die im „Guten Hirten“ untergebracht werden wollten, mussten daraufhin ins Bezirkspflegeheim ausweichen, wo sie seither auch wohnen. Der riesige Fehlbetrag habe größte Auswirkungen auf die Budgeterstellung gehabt. „Wir mussten deshalb an allen Ecken und Enden einsparen“, erklärt Koler.
Bürgermeister Alois Oberer wollte gegenüber der Tiroler Tageszeitung nichts sagen. Er werde sich erst in der nächsten Gemeinderatssitzung dazu äußern.





