Italien begrenzt Barzahlung auf 1000 €, Hoteliers in Rage
Von Max Strozzi
Bozen – Italiens Regierungschef Mario Monti kämpft gegen Steuerhinterziehung und Schwarzgeld mit harten Bandagen. Im Rahmen des Sparpakets wurden daher Barzahlungen von mehr als 1000 Euro verboten. Rechnungen über 1000 Euro dürfen nur noch mit Kreditkarte oder Banküberweisung bezahlt werden. „Für uns ist diese Maßnahme katastrophal“, kritisiert Walter Meister, Präsident des Südtiroler Hoteliers- und Gastwirteverbands, das neue Bargeldgesetz. Italiens Hotellerie zählt zu jenen Branchen, die von der begrenzten Barzahlung im Kampf gegen Schwarzgeld stark getroffen wird. „Aber nicht jeder Euro, der bar bezahlt wird, ist schwarz“, sagt Meister. Es gebe viele Gäste, die schlichtweg lieber bar bezahlen. „Es kommen beispielsweise arabische Gäste, die 30.000 Euro bar auf den Tisch legen, um ihre Rechnung zu bezahlen“, schildert Meister. Auch der italienische Urlaubermarkt würde den Südtiroler Hotels nun wegbrechen. „Jeder zweite Betrieb hat bereits Umsatzeinbußen von mehr als 10 Prozent“, sagt Meister: „Nicht alles ist auf die neue Cash-Regelung zurückzuführen. Doch in Österreich und der Schweiz läuft der Winter gut. Nur wir sind erstmals nicht ausgebucht“, beklagt Meister. Wirten, die trotzdem mehr als 1000 Euro bar kassieren, drohen 3000 Euro Strafe.
Neben der eingeschränkten Barzahlung müssten Betriebe zudem laut Meister bei allen Rechnungen über 3600 Euro den Kunden namentlich registrieren und die Daten Ende des Jahres an die Finanz abführen. Zudem würden die Razzien der Steuerfahnder wie zu Jahresbeginn im Nobel-Skiort Cortina d‘Ampezzo die Gäste abschrecken. Damals staunten Italiens Fahnder nicht schlecht. Von 251 Besitzern von Ferraris und anderen Luxusautos gaben 42 an, nur 30.000 Euro brutto jährlich oder noch weniger zu verdienen. „Die Polizei soll die Betriebe kontrollieren, doch sie marschiert mit Maschinengewehren in die Hotels. Die Touristen bekommen Angst“, kritisiert Meister. Er befürchtet nun eine massive Touristenflucht. „Der Tourismus in Nordtirol wird von diesen Maßnahmen profitieren“, glaubt Meister. Tatsächlich berichten Tiroler Hoteliers hinter vorgehaltener Hand von einem Zulauf italienischer Gäste, die bar zahlen.
Der Kampf gegen Steuersünder soll dem schuldengeplagten Italien viele Milliarden in die Kassen spülen. Schätzungsweise 115 Milliarden Euro verliert der Staat jährlich durch Steuerflucht. Jüngst hatte die New York Times Finanzbeamte zitiert, wonach die Hälfte der Yachten mit einer Länge von über 10 Metern offiziell Menschen mit einem Jahreseinkommen von unter 20.000 Euro gehören.



