Franchise: Business auf Augenhöhe schafft Motivation
Steckbrief
Von Christina Stieber
Innsbruck – Die Franchise-Branche in Österreich wächst: 6700 aktive Franchise-Unternehmer sind laut einer Studie der KMU-Forschung Austria derzeit als Selbstständige tätig. Trotzdem fällt rund 80 Prozent der Österreicher bei der Frage nach Franchise-Unternehmen nur die Fastfood-Kette McDonald‘s ein, weiß Dieter Duftner, Geschäftsführer der Innsbrucker FranchiseCurator GmbH. Der langjährige Personalberater startete 2010, bekannte Marken nach Tirol zu bringen. Zu diesem Zweck bietet FranchiseCurator die Online-Plattform „Netcurator“ an: „Als erstes Unternehmen in Österreich vernetzten wir auf diesem Marktplatz Franchise-Firmen und Franchise-Nehmer.“ Nach der kostenlosen Anmeldung würden Interessierte einen Überblick über die derzeitigen Angebote bekommen. Aktuell gibt es 420 Franchise-Systeme in Österreich.
Der Wechsel in die Selbstständigkeit ist für viele Unternehmer ein Sprung ins kalte Wasser. Eine Möglichkeit, das Risiko eines Misserfolgs bei der Existenzgründung zu minimieren, ist die Kooperation mit einem Franchise-Unternehmen wie McDonald‘s, aber auch Firmen wie Intimissimi oder Fressnapf-Tiernahrung. Das Konzept, das System eines bereits funktionierenden Unternehmens am eigenen Standort umzusetzen, birgt einige Vorteile: Eine starke Marke, kombiniert mit einem bereits erprobten, fertigen Geschäftsmodell, sind Annehmlichkeiten, die immer mehr Menschen ansprechen. 67 Prozent der Unternehmen befinden sich laut KMU-Studie aktuell in einer Wachstumsphase. Dabei kommen 46 Prozent der Franchise-Systeme aus Österreich – allen voran der Tiroler Global Player Swarovski.
Der Trend in Tirol kann in drei Sparten eingeordnet werden, weiß Duftner. Einerseits hätte die Systemgastronomie den Trend zur Cafeteria erkannt. Gleichzeitig sei im Handel die Nachfrage nach frischen Artikeln gestiegen: „Die Tiroler Bauernkiste ist zum Beispiel ein Franchise-System, das auch in Deutschland Erfolg hat“, sagt Duftner. Gesundes Essen würde immer wichtiger – auch andere Tiroler Kleinunternehmen könnten davon in Zukunft profitieren.
Ein weiterer Trend, der in Tirol in den letzten Jahren beobachtet werden kann, sei der gestiegene Bedarf in der Interieur/Design-Branche. „Die Menschen wollen sich ein schönes Zuhause schaffen“, erklärt der Franchise-Experte. Diesen Wunsch würden Franchise-Häuser großer Einrichtungsfirmen wie Interio oder Depot befriedigen. Den dritten großen Markt sieht Duftner im Bereich Bildung und Nachhilfe. Die deutsche Schülerhilfe, die auch in Österreich tätig ist, rangiert aktuell auf Platz 69 der weltweit erfolgreichsten Franchise-Unternehmen.
Auch wenn der Bedarf nach großen und kleineren Franchisern in Tirol noch lange nicht gedeckt sei, empfiehlt Dieter Duftner nicht jedem, als Unternehmer in der Branche zu beginnen. „Man darf nicht glauben, dass dieser Start in die Selbstständigkeit zwingend leichter ist“, betont er. Gesucht seien Unternehmer, die selbstständiges Arbeiten gewöhnt seien und mit Strukturen gut umgehen könnten. Das Franchise-Konzept spreche vor allem Personen an, die sich gerne auf die Themen Vertrieb und Kommunikation konzentrieren. „Menschen, die kreativ arbeiten und sich selbst verwirklichen wollen, sind im Franchise weniger gut aufgehoben“, warnt Duftner.
Für potenzielle Unternehmer sei es wichtig, die persönlichen Stärken und Schwächen gut einschätzen zu können. Habe man diese analysiert, könne man passende Franchiser suchen. Auch bei bereits erprobten Strukturen sollte man als angehender Selbstständiger über finanzielle Reserven verfügen. Ein vorab aufgestellter Businessplan wäre deshalb von Vorteil – allerdings würde man als Franchise-Unternehmer schneller mehr Geld verdienen, sagt Duftner.
Ein weiterer Punkt sei die Arbeitsbelastung. „Als angehender Franchise-Partner sollte man sich fragen, wer einen unterstützt“, sagt Duftner. Neben motivierten Mitarbeitern brauche man auch ein passendes familiäres Umfeld. Nicht umsonst, lacht Duftner, setze sich der Begriff selbstständig aus „selbst“ und ständig“ zusammen, das wäre mit großer Familie schwerer zu organisieren.



