02.02.2012
Osttirol

Kaufhaus Lienz will 2013 eröffnen

Der Lienzer Gemeinderat beschloss Widmung und Bebauung mit 16 zu fünf Stimmen. Die Südtiroler Hobag AG investiert 50 Millionen Euro und plant auch ein „Haus des Sports und der Gesundheit“.
Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SP) vor einem Modellbild des Kaufhauses. Das Projekt hat sich seit 2008 optisch stark verändert.Foto: Brunner
Foto: Brunner

Von Catharina Oblasser

Lienz – Eine bahnbrechende Entscheidung traf der Lienzer Gemeinderat in seiner Sondersitzung am 31. Jänner: Er segnete Widmung und Bebauung für das umstrittene Einkaufszentrum der Südtiroler Hobag AG mehrheitlich ab. Nach fünf Jahren kann Projektbetreiber Günther Bachmann nun sein Kaufhaus Lienz mit 8800 Quadratmetern Fläche, 15 Metern Firsthöhe, 420 Tiefgaragenplätzen und 25 bis 30 Shops errichten.

„Diese Genehmigung ist ein Meilenstein. Wir wollen Mitte 2012 mit dem Bau beginnen und Ende 2013 eröffnen“, ist Bachmann erleichtert. Nun könne man die Verträge mit den Mietern fixieren. Welche Firmen letztlich in das Kaufhaus einziehen, will Bachmann noch nicht preisgeben. Es sei aber kein Geheimnis, dass ein Elektro- und ein Lebensmittelmarkt große Flächen mieten würden. „Bei den kleineren Shops haben wir einige Anfragen von Lienzer Unternehmern, die sich im Zentrum ein zweites Standbein schaffen wollen“, schildert Bachmann.

Neu sind die Pläne der Hobag, den kleineren Teil des Projekts zu einem „Haus des Sports und der Gesundheit“ mit Fitnesscenter, Ordinationen und eventuell dem Bezirksbüro der Gebietskrankenkasse zu machen. Das Haus soll oberhalb der Tiefgarage auf dem derzeitigen Greiderer-Platz entstehen und vier Stockwerke haben.

Einhellig war die Zustimmung im Gemeinderat nicht: Die VP-Mandatare Verena Remler, Reinhard Tiefenbacher, Robert Zabernig, Christian Steininger und Susanna Tasch sagten „Nein“ zum Kaufhaus, nachdem Vizebürgermeister Meinhard Pargger (VP) den Klubzwang aufgehoben hatte. „Das Projekt ist viel zu groß“, begründete Remler und führt die Volksbefragung 2009 ins Treffen. Damals hätte sich in einer „basisdemokratischen Entscheidung“ eine Mehrheit gegen den Bau ausgesprochen. Die anderen sechs VP-Mitglieder stimmten für das Kaufhaus: „Die Kubatur ist reduziert und die Optik angepasst worden“, meint Pargger. Christian Zanon schätzt am geänderten Projekt, dass mehr als 70 Prozent von großen so genannten Ankermietern genützt würden. „Damit ergibt sich ein Zusatzangebot für die Stadt“, meint er. Dennoch hätte er lieber zwei kleinere Zentren statt des einen großen gehabt.

Für Hannes Schwarzer (Liste Stadt Lienz) ist das Kaufhaus positiv. „Wir brauchen ein Lebensmittelgeschäft in der Stadt. Was ist, wenn die zwei kleinen Händler in der Rosengasse und Defereggerstraße zusperren?“ Ein Vorteil eines städtischen Einkaufszentrums sei auch, dass laut Studien die Hälfte der Kunden mit dem Rad oder zu Fuß käme. Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SP), eine Kaufhaus-Befürworterin der ersten Stunde, will die Innenstadt stärken. „Lienz muss die wichtigste Einkaufsstadt im Bezirk bleiben. Es darf nicht sein, dass andere uns den Rang ablaufen.“ Damit spricht Blanik das Fachmarktzentrum in Nußdorf-Debant an, das bereits im Bau ist. Für viele Gemeinderäte dürfte die wachsende Konkurrenz von außerhalb wohl ein Grund für das „Ja“ zum Kaufhaus Lienz gewesen sein.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 02.02.2012
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