04.02.2012
Innsbruck

Der Kollege mit der kalten Schnauze

Ist das Herrchen in der Arbeit, müssen die Vierbeiner oft alleine zu Hause bleiben. Beim Snowboardkonzern Burton ist das anders. Hunde wirken sich gut auf das Betriebsklima aus, erklärt Expertin Renate Simon.
Der Snowboardkonzern Burton hat keine Probleme damit, wenn sich Hunde durch die Büroräume schnüffeln. Experten bestätigen, dass die Vierbeiner eine stresslindernde Wirkung auf Mitarbeiter haben. Foto: Shutterstock
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Von Julian Bathelt

Innsbruck – So manche Wolldecke lässt sich unter den Bürotischen der Firma Burton in Innsbruck finden. Dabei handelt es sich aber keineswegs um Kuscheldecken für die Mittagspause oder gar um Fußabstreifer. Es sind die Arbeitsplätze der vierbeinigen, kaltschnäuzigen Kollegen. Bei Burton dürfen Mitarbeiter nämlich ihren Hund zur Arbeit mitbringen.

„Für mich war es eigentlich der Hauptgrund dafür, dass ich bei Burton in Innsbruck angefangen habe“, erklärt Marketingmitarbeiter Patrick Allegritti. Der aus Rom stammende Italiener hat gemeinsam mit seiner Hündin Margo vor fünf Jahren bei Burton zu arbeiten begonnen und schätzt das tierische Arbeitsklima sehr: „Mein Hund gehört mittlerweile zum gesamten Team. Er schafft ein lockeres Büroumfeld.“ Auf Mitarbeiter, die sich mit Hunden nicht so richtig anfreunden können, müsse aber trotzdem Rücksicht genommen werden. Bei Burton ist das jedoch kaum notwendig, der neunjährige Mischling ist im ganzen Haus beliebt und bekommt von jedem Kekse.

Warum Bürohunde für das Betriebsklima gut sein können, weiß Renate Simon, Geschäftsführerin des Institutes für Interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung: „Hunde wirken sich nicht nur stresslindernd auf den Besitzer, sondern auch auf alle anderen Kollegen im Büro aus.“ Sie besitzt selbst zwei Königspudel und nimmt sie regelmäßig ins Institut mit: „Alle Kollegen haben große Freude damit und streicheln sie“, verrät Simon. Das Streicheln eines Hundes senke nicht nur Blutdruck und Puls, sondern bringe den gesamten menschlichen Organismus zur Ruhe. Auch dem Hund, der von Natur aus ein Rudeltier ist, könne man mit einem Platz im Büro viel Einsamkeit ersparen.

Damit die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund am Arbeitsplatz gut funktionieren kann, müssen allerdings einige Vorkehrungen getroffen werden. Grundvoraussetzungen sind, dass der Chef seine Zustimmung erteilt, keiner der Arbeitskollegen eine Allergie oder Abneigung hat und der Hund auf die ungewohnte Situation trainiert wird: „Der Hund muss ruhig sein und darf nicht das gesamte Büro aufmischen“, erklärt Simon. Jede Hundeschule biete Tipps und Kurse zum Training am Arbeitsplatz an. Wie schnell sich der Vierbeiner dann an die Spielregeln gewöhnt, hänge hauptsächlich von der Hunderasse und dem Charakter des Tieres ab.

Trotz aller positiven Möglichkeiten gibt es aber auch Branchen, die eine Haltung des Hundes am Arbeitsplatz nicht zulassen: „In Produktionsbetrieben, Lebensmittelbetrieben oder im Gesundheitsbereich ist es natürlich kaum möglich, den Hund in die Arbeit mitzubringen. Hier müssen andere Lösungen gefunden werden“, sagt Expertin Renate Simon.

Burton-Mitarbeiterin Veronika Niederwieser muss sich um keine andere Lösung bemühen, sie kann ihren Hund täglich in die Arbeit mitbringen. Ihr fünfjähriger Labradorrüde Sammy hat es aber faustdick hinter den Ohren: „Es kommt schon manchmal vor, dass er dem Kollegen die Wurstsemmel aus der Tasche frisst“, erzählt Niederwieser. Die Logistikmitarbeiterin nimmt ihren Hund mit in die Firma, seit er neun Wochen alt ist. Die meiste Zeit verbringt er still und leise auf seiner Decke und wartet, bis ihn ab und zu jemand streichelt. Für sie selbst biete der Hund am Arbeitsplatz einen wichtigen Ausgleich zur Arbeit: „In den Arbeitspausen gehe ich mit ihm immer spazieren, das ist eine super Erholung für mich.“ Danach fühle sie sich wieder frisch und voller Energie für die Arbeit.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 04.02.2012
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