07.02.2012
Innsbruck

Nicht zuverlässig: Südtirol stellt Air Alps erneut in Frage

Südtirol verweigert Air Alps ein „Zeugnis“. Das könnte der Airline die Flug-lizenz kosten. Österreichs Flugbehörden ist ein solches Zeugnis unbekannt.
Die Air Alps entschuldigt sich, Neo-Geschäftsführer Ladurner will in Südtirol Vertrauen zurückgewinnen.Foto: Böhm
Foto: Thomas Boehm / TT

Von Max Strozzi

Bozen, Wien – Der Wirbel rund um die Fluglinie Air Alps wird immer bizarrer. Gestern sagte Südtirols Landeshauptmann Luis Durnwalder vor Journalisten in Bozen, dass die Landesregierung der Air Alps eine Zuverlässigkeitsbescheinigung verweigere. Diese Bescheinigung sei Teil verschiedener Unterlagen, die Air Alps bei der österreichischen Luftfahrtbehörde in Wien vorlegen muss. Ohne diese Bescheinigung könnte die Fluglizenz entzogen werden, sagte Durnwalder laut APA.

Worte, die bei der Obersten Zivilluftfahrtbehörde in Wien, die im Verkehrsministerium angesiedelt ist, für Verwunderung sorgt. „Der Obersten Zivilluftfahrtbehörde ist ein solches Dokument nicht bekannt. Wir wissen nicht, was damit gemeint sein soll“, erklärt Ministeriumssprecher Walter Fleissner gegenüber der TT. In Österreich läuft ein Widerrufsverfahren gegen die Betriebsgenehmigung der Air Alps. Die Oberste Zivilluftfahrtbehörde hatte der Regionalfluglinie eine Frist bis 13. Februar eingeräumt, um ihre finanzielle Leistungsfähigkeit für die nächsten 12 Monate nachzuweisen. Fleissner: „Es gibt in dem Verfahren kein Dokument einer Zuverlässigkeitsbescheinigung oder Ähnliches, das gebraucht wird. Die Behörde kann sich nicht erklären, was die Landesregierung in Südtirol da bescheinigt.“

Mobilitätslandesrat Thomas Widmann bemühte sich spätabends dann um Aufklärung. Diese Zuverlässigkeitsbescheinigung sei kein offizielles Dokument. Es handle sich um eine Art „Leumundszeugnis“, das Italiens Fluggesellschaft Alitalia von Südtirol angefordert habe. Dabei geht es um die so genannten Codesharing-Verträge: also Abkommen zwischen Fluggesellschaften, um etwa gemeinsame Buchungen zu koordinieren. „Dass die Air Alps ein zuverlässiger Partner ist, kann ich aber nach den jüngsten Ereignissen nicht behaupten“, so Widmann. Wie berichtet, hatte die Air Alps am 13. Jänner überraschend den Flugbetrieb eingestellt und am 1. Februar den Flugbetrieb wieder aufgenommen. Ohne Codesharing-Verträge werde es in weiterer Folge nicht möglich sein, die Ausschreibungen für die Strecken Bozen–Rom und Bozen–Wien zu gewinnen, so Widmann.

Der neue Air-Alps-Geschäftsführer Oliver Ladurner will das Gespräch mit LH Durnwalder suchen. „Wir möchten wieder ein verlässlicher Partner in Südtirol sein und ich bemühe mich um dieses Vertauen. Wir hatten große Probleme und wir entschuldigen uns. Wir werden den Vertrag erfüllen und ich gehe davon aus, auch nach dem 13. Februar weiterzufliegen“, so Ladurner. „Wir sind der Region verpflichtet, es geht um Jobs.“ Laut Ladurner steigen die Passagierzahlen bei den wiederaufgenommenen Flügen Bozen–Rom, die Auslastung liege bei 35 bis 40 %. Üblich seien 68 bis 70 %. Das Thema Codesharing-Vereinbarungen sei lediglich eine Spätfolge der verübergehenden Flug-Stilllegung.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 07.02.2012
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