25.04.2012
Tirol

Geiger will sich aus Tief walken

Von Beate Troger

Vomp – Ausständige Löhne, permanente Jobangst. Dem Walkwarenhersteller Geiger in Vomp ist es in den vergangenen Jahren nicht gut gegangen. Laut der letzten verfügbaren Bilanz hat die Geiger GmbH im Geschäftsjahr 2009/10 bei einem Umsatz von 4,34 Mio. Euro einen operativen Verlust (EGT) von 1,8 Mio. Euro eingefahren.

Wie Geiger-Mitarbeiter der TT berichten, sei das Unternehmen regelmäßig mit Lohn- und Gehaltszahlungen im Rückstand. Auch die Gewerkschaft pro-GE bestätigt, dass die Löhne von Jänner, Februar und März dieses Jahres noch nicht an die Arbeiter ausbezahlt worden seien.

Gestern Mittag hat bei Geiger eine Mitarbeiterversammlung stattgefunden. „Nichts Außergewöhnliches“, sei das Treffen gewesen, sagt Geschäftsführer Peter Geiger gegenüber der TT. Zweimal im Jahr würden sich die Geschäftsleitung, die Gewerkschaft und die Belegschaft zu einem „Wirtschaftsgespräch“ treffen. Dass es Rückstände bei den Lohnzahlungen gibt, dementiert Geiger nicht. Es sei im Unternehmen „normal“, dass man mit den Zahlungen einen Monat im Rückstand sei, um die saisonalen Kollektionen vorfinanzieren zu können, erklärt er. Gerüchten von einer drohenden Betriebsschließung erteilt er eine klare Absage: „Im Gegenteil, wir investieren gerade in den Umbau am Stammsitz“, sagt Geiger. Am Produktionsstandort soll ein neuer Verkaufsshop entstehen.

Ende der 90er Jahre sind alle Tiroler Trachtenhersteller in die Krise gerutscht und mussten ihre Produktion ins Ausland verlagern. Mitbewerber wie Giesswein und Sportalm haben schnell reagiert und konnten sich rasch erholen. Der Vomper Walkhersteller Geiger aber hielt die Produktion in Tirol zu lange aufrecht und hat in den vergangenen Jahren eine bittere Rosskur durchgemacht. Die Mitarbeiterzahl ist seit dem Jahr 2000 von 240 auf 33 geschrumpft, die Näherei wurde 2006 in Lohnarbeit in die Slowakei ausgelagert. „Die Restrukturierung hat Verluste beschert“, sagt Peter Geiger. Um die „horrenden Abfertigungssummen“ stemmen zu können, musste der Familienbetrieb zweieinhalb Hektar Grund verkaufen.

Derzeit sei die Auftragslage gut, mit den Vorbestellungen ist er „sehr zufrieden“. Die Restrukturierung sei abgeschlossen, Geiger will wieder „durchstarten“. 2010/11 sei der Umsatz auf 5 Mio. Euro geklettert. „Auch der Cashflow war positiv, im heurigen Geschäftsjahr erwarten wir wieder Gewinne“, kündigt er an.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 25.04.2012
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