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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 05.02.2013

Spezialisierung wird für Hotels immer wichtiger

Die Chefs vom Planungsbüro Geisler & Trimmel sprechen über Finanzierungen von Hotel-Projekten und Bettenblase im Tourismus.

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Als Planungsbüro und Generalunternehmer ist Geisler & Trimmel auf Tourismusprojekte spezialisiert. Derzeit wird vor einer Bettenblase in der Hotellerie gewarnt. Wie groß ist die Gefahr?

Markus Rupprechter: Im qualitativ hochwertigen Bereich, den Hotels mit vier Sternen, vier Sternen Superior oder fünf Sternen, gibt es diese Blase nicht. Unsere Stammkunden nehmen unsere Dienste zum Teil schon seit 15 Jahren in Anspruch und bauen jedes Jahr aus. So erhöhen sie die Qualität und erreichen ihre Auslastung. Natürlich gibt es Häuser, die seit Jahren nicht investiert haben. Diese haben Probleme mit der Auslastung und müssen Preisdumping betreiben. Es gibt vielleicht gerade in diesem Bereich zu viele Betten.

Ist Qualität ein Mittel, um sich im Konkurrenzkampf durchsetzen zu können?

Arno Steinbacher: Ja, gute Häuser haben Erfolg.

Rupprechter: Die Spezialisierung ist ein wichtiges Thema. Der Trend zum klassischen Wellnesshotel ist abgeflaut. Jeder muss seine Nische finden, die ihn erfolgreich macht. Diese Spezialisierung wird in Zukunft noch wichtiger.

Andreas Heigl: Früher haben alle in einem Topf gerührt. Heutzutage sollte man in mehrere Töpfe schauen, was drinnen ist. Besonders bei uns im Alpenraum gibt es eine Vielzahl von Chancen. Wenn man das richtig angeht, erledigt sich das Thema Bettenblase von selbst. Denn es sind genug Gäste da.

Werden bestimmte Hotels trotzdem schließen müssen?

Rupprechter: Ich denke schon. Das ist eine natürliche Auslese. Wenn man 30 Jahre nichts in seinen Betrieb investiert, darf man sich nicht wundern, wenn die Gäste lieber bei der Konkurrenz wohnen. Wenn man dann renovieren will, sind die Investitionen meist so hoch, dass man kein Geld von den Banken bekommt.

Ist es generell schwieriger, für die Hotellerie Kredite zu bekommen, merken Sie das bei Ihren Kunden?

Steinbacher: Es sind nicht die Kunden, sondern die Banken, die bei bestimmten Projekten zurückhaltend sind. Speziell bei Renovierungen von Hotels mit sehr hohem Aufholbedarf.

Die Banken glauben, diese Häuser können das Geld nicht mehr zurückverdienen?

Heigl: Teilweise sind die Banken durch die Wirtschaftskrise selbst gebeutelt. Sie haben sich etwas aus der Realwirtschaft zurückgezogen, sie sind vorsichtiger geworden. Obwohl die Zinsen niedrig sind, sind Finanzierungen schwieriger als früher.

Ihre Kunden hingegen investieren viel Geld.

Steinbacher: Unsere Referenzliste ist lang. Derzeit planen und verwirklichen wir viele Projekte in der Berggastronomie. Beispiele dafür sind das Tuxer Fernerhaus, das Tirolerhaus in Ehrwald sowie das Restaurant Höllboden in Ischgl. Wir legen großen Wert auf die Funktionalität unserer Gastronomieprojekte. Sie sollen nicht nur dem Gast optisch gefallen, auch die Arbeitsabläufe müssen passen. Denn Fehlplanungen kann man häufig nur noch durch zusätzlichen Personalaufwand ausmerzen. Und wir wissen, wie schwierig es ist, für die Gastronomie Mitarbeiter zu finden.

Geisler & Trimmel legt Wert auf die Ausbildung der eigenen Mitarbeiter.

Rupprechter: Sie sind unser höchstes Gut. Ihre soziale und fachliche Kompetenz kommt letzten Endes auch dem Gast zugute.

Heigl: Daher haben wir auch die Geisler & Trimmel-Akademie gegründet.

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