Chef muss aussteigen, aber Mutterer Bahn fährt weiter
Von Peter Nindler
Mutters – Rund 35 Millionen Euro wurden seit 2005 auf der Mutterer Alm investiert. Dazu zählen u. a. die beiden Pendelbahnen von Mutters und Götzens hinauf ins Skigebiet. Der Götzner Finanzinvestor Helmuth Zach übernahm in der Errichtungsgesellschaft bisher Haftungen von 14,5 Millionen Euro gegenüber den Mitgesellschaftern Mutters, Götzens und dem Tourismusverband Innsbruck und seine Feriendörfer. Seine Haftung ist bei einer österreichischen Bank abgesichert.
Aus der Betriebsgesellschaft hat sich die öffentliche Hand zuletzt zugunsten von Zach zurückgezogen. Zach hatte sich auch die Möglichkeit eingeräumt, nach 20 Jahren die Seilbahn zu kaufen. Der Kaufpreis wird in der Bilanz der Betriebsgesellschaft bereits als Verbindlichkeit ausgewiesen. Doch zum Kauf wird es nicht kommen, vielmehr wollen heute die Gemeinden und der Tourismusverband den Betrieb der Mutterer Almbahn übernehmen. Deshalb sitzen auch die Banken am Verhandlungstisch. Denn es geht um Zachs Ausstieg sowohl aus der Betriebs- als auch aus der Errichtungsgesellschaft. Die Betriebsgesellschaft (Muttereralm Bergbahnen GmbH) soll nach Bedienung der offenen Forderungen von rund 900.000 Euro liquidiert, die Muttereralm Bergbahnen Errichtungsgesellschaft entschuldet werden.
Auch wenn die Bilanz für 2010/2011 noch nicht vorliegt: In den vorigen Saisonen lief es nicht besonders gut. Der Abgang betrug rund 500.000 Euro jährlich, für die Liquidität musste Zach seit Inbetriebnahme fünf Millionen Euro zuschießen. Die Forderung von 1,2 Millionen Euro der Errichtungsgesellschaft dürfte heute in einem zu beschließenden Paket aufgehen. Entscheidend dafür ist allerdings die Zustimmung jener Bank, die für die Haftung Zachs garantiert.
Die Gemeinden und der Tourismusverband können das Betriebsrisiko für die Almbahn nur übernehmen, wenn sich die Schuldenlast von derzeit rund 15 Millionen Euro in der Errichtergesellschaft verringert. Möglicherweise kann mit der Bank eine Halbierung ausverhandelt werden. Zachs Anteil in dieser Gesellschaft würde entweder ein neuer Investor oder auch die Stadt Innsbruck übernehmen. Sie will sich bekanntlich an der geplanten Verbindung von Mutters/Götzens in die Axamer Lizum beteiligen. Als neuer Betreiber sind u. a. die Seilbahner Peter Schröcksnadel, Heinrich Klier, Heinz Schultz und Franz Dengg im Gespräch.
Gegenüber der TT bestätigt der Innsbrucker Steuerberater Hubert Vogelsberger, der die Interessen von Helmuth Zach wahrnimmt, dass sich Zach zurückziehen möchte. Zach führt auch Hotelbetriebe in Mutters und Götzens. „Die wirtschaftliche Führung war von Anfang an schwierig, der Zusammenschluss war immer ein wesentlicher Eckpfeiler für eine positive Wirtschaftlichkeit.“ Dass Zach Haftungen für 14,5 Mio. Euro eingegangen sei und „fünf Millionen als Abgangsfinanzierung in die Bahn hineingesteckt hat“, dürfte wohl einzigartig in Tirol sein. „Jetzt übergibt er die Führung der Hotels an seinen Sohn, das Risiko von weiteren Zuschüssen für die Bahn möchte er und kann er nicht mehr eingehen.“ Vogelsberger geht davon aus, dass es heute für alle Beteiligten eine zufriedenstellende Lösung geben wird.




