Gute Ausbildung ist für AK reine Glückssache
Fakten
Lehrlinge: Im Vorjahr kümmerten sich 4479 Lehrbetriebe um 13.359 Lehrlinge, davon 8677 Burschen und 4682 Mädchen. Damit ging die Zahl der Betriebe im Vergleich zum Jahr 2007 um 152 zurück, jene der Lehrlinge um 680. Übrigens erhielten bisher 100 Betriebe die Ernennung zum ausgezeichneten Lehrbetrieb. Für die AK ist diese Zahl viel zu gering.
Forderungen der AK: Kostenloser Berufsschulinternatsbesuch, Ausdehnung der Freifahrt. Ausdehnung der Entgeltfortzahlung auf 6 Wochen. Während der Dauer der Lehrzeiten sollten die Überstunden nicht verfallen, eine verbindliche Anrechnung von Schulzeiten auf die Lehrzeiten erfolgen. Der Berufsschulunterricht im Handel und Tourismus gehöre ausgeweitet.
Von Miriam Sulaiman
Innsbruck – Erst am Dienstag wurde der Lehrling des Jahres gekürt. Und LH Günther Platter lobte die heutigen Lehrlinge als Facharbeiter von morgen. Doch die Politdiskussion dreht sich laufend um die Oberstufenreform. Für AK-Chef Erwin Zangerl geht dies in die falsche Richtung. Denn, dass Tirol ein Lehrlings- und Facharbeitermangel droht, ist kein Geheimnis. „Um die dramatische Entwicklung zu stoppen, muss die Lage der Lehrlinge verbessert werden“, fordert er dringend ein Umdenken ein.
So werde es als normal angesehen, die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeitgrenzen für Lehrlinge zu überschreiten. Minimalstandards würden in der Ausbildung fehlen, sodass diese „vielfach zur reinen Glücksache“ gerate. Die Kontrollen seien sehr schwierig, weil etwa eine verpflichtende Ausbildungsdokumentation fehle. So kommt bei Zangerl immer wieder das Gefühl auf, dass manche glauben, dass „gut ausgebildete Mitarbeiter auf dem Baum wachsen“.
Natürlich gebe es auch positive Beispiele, verwies er auf die Firma Thöni, die „sich unwahrscheinlich in der Ausbildung engagiere und Maßstäbe setze“. Wichtig wäre Zangerl etwa eine verpflichtende Weiterbildung für Lehrlingsausbilder. Kostenlose Lernhilfe und Coachingangebote für Lehrlinge hat er auch auf seine Liste gesetzt.
Insgesamt sieht er aber auch die Anforderungen an Lehrlinge als zu hoch angesetzt: „Ich habe das Gefühl, dass Lehrlinge alles Einser haben müssen. Am Ende verlangt man noch einen Akademiker. Das ist weltfremd“, meint er.
Erst recht sollte auch das Land Tirol hier selbst eine Vorbildrolle einnehmen, sagt Zangerl. Dieses hat nämlich keinen einzigen Verwaltungsassistenten als Lehrling angestellt. Österreichweit gibt es aber in Landesverwaltungen 377 solcher Lehrlinge. Das Land verweist jedoch darauf, dass es in diesem Bereich die Abgänger der Handelsschule bwz. der dreijährigen Bundesfachschule für wirtschaftliche Berufe einstelle. Zangerl hofft trotzdem auf ein Umdenken.
Das Bild, das Zangerl zeichnet, will WK-Bildungsabteilungschef Johannes Huber keinesfalls mittragen: „Er spricht von Verallgemeinerungen, dass Betriebe selbstverständlich Gesetze verletzen. Das sind unqualifizierte Aussagen. Die Betriebe bemühen sich auch sehr um diese.“ Von Verpflichtungen hinsichtlich Weiterbildung oder Dokumentationen hält Huber nichts: „Ich bin gegen Zwänge. Es wäre absurd, diese dann wohl auch noch zu strafen, weil sie es nicht tun.“ Bezüglich der Coachingangebote verweist er dafür auf ein Projekt, welches in Ausarbeitung sei, um den Lehrlingen künftig unter die Arme greifen zu können.




