Kurzarbeit rettete 700 Jobs
Von Angela Dähling
Schwaz – Es geht aufwärts am Arbeitsmarkt. Der Bezirk Schwaz verzeichnete im März mit 4,8 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote in ganz Tirol. AMS-Chef Josef Schlechter ist darüber angesichts der Entwicklungen in den letzten zwei Jahren mehr als erleichtert.
Es war im März 2008, als die Alarmglocken schon hätten schrillen sollen. In der Metallbranche wurden immer mehr Leasingarbeiter freigesetzt. „Daran hätte man schon abschätzen können, was sich in der Wirtschaft tut. Jetzt weiß ich, wie wichtig die Beobachtung des Leasingmarktes ist“, sagt Schlechter. Im Juni 2008 folgte ein rasanter Arbeitslosenanstieg durch Freisetzungen bei Swarovski. Denn 53 Prozent der entlassenen Mitarbeiter des Wattener Konzerns kamen aus dem Bezirk Schwaz.
Zu Beginn des Jahres 2009 hatte die Krise, die unter anderem Zulieferfirmen in der Autobranche hart traf, den Bezirk Schwaz dann erwischt. Immer mehr Firmen wollten vom AMS wissen, was sie tun können, um Entlassung zu vermeiden. Bei etlichen – wie GE Jenbacher – konnte durch Bildungskarenz, Altersteilzeit und Qualifizierungsberatungen mit finanzieller Hilfe des AMS die Krise durchtaucht werden. Bei sieben Unternehmen reichte das nicht mehr aus. Sie mussten insgesamt 1416 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, 1000 davon bei Tyrolit in Schwaz, 307 bei Al-Ko im Zillertal. Letzteres hatte zunächst noch Personal aus dem Zillertal ins Werk nach Obdach versetzt, um Entlassungen zu vermeiden.
Den Firmenchefs Christoph Gerin-Swarovski (Tyrolit) und Klaus Köhlertz (Al-Ko) streut Schlechter Rosen. „Beide sind Paradebeispiele für Unternehmer, die sich um den Erhalt jedes einzelnen Arbeitsplatzes bemüht haben und sich das auch was kosten ließen“, sagt der AMS-Chef. Das sei sonst eher bei kleineren Firmen der Fall. Die Bemühungen trugen Früchte. In beiden Konzernen konnte inzwischen wieder auf Normalbetrieb umgeschaltet werden, ebenso bei drei weiteren Firmen. Derzeit läuft die Kurzarbeit nur mehr bei zwei Firmen im Inntal weiter. Betroffen sind 53 Mitarbeiter.
„Durch die Kurzarbeit sind uns mindestens 700 Arbeitsplätze erhalten geblieben“, sagt Schlechter. Auch Maßnahmen wie Bildungskarenz, Altersteilzeit und Arbeitsstiftungen hätten zur Arbeitsplatzsicherung beigetragen. Dafür stellte man auch beim AMS Gelder bereit. 18 Millionen Euro Umsatz machte das AMS Schwaz im Vorjahr.
„Wir sind im Bezirk mit einem blauen Auge von der Weltwirtschaftskrise davon gekommen“, bilanziert Schlechter. Derzeit bestehe vor allem in der Automobilbranche eine hohe Nachfrage an Leasingkräften. Firmen tendierten zudem dazu, befristete Dienstverhältnisse anzubieten.
Rückgängig sei die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr im Industrie- und Gewerbebereich. Im Baubereich habe sie sich auf Vorjahresniveau eingependelt, im Tourismus kam es zu leichten Zuwächsen. Von den insgesamt 3093 Arbeitslosen im Bezirk können 2016 Personen eine Einstellzusage vorweisen.




