04.08.2010, 19:56  Aktualisiert: 17.02.2011, 09:49 
Gadgets

Auch deutsche Regierung untersagt Blackberry-Nutzung

Aufregung um Blackberry-Smartphones: Für manche Regierungen erscheinen die Handys als zu unsicher, andere verbieten sie, weil sie zu sicher zum Überwachen sind.

Berlin – Auch die Bundesregierung hat sich aus Sicherheitsgründen gegen die Nutzung von Blackberry-Geräten entschieden. Das Bundesinnenministerium Deutschlands hat den anderen Ressorts bereits am 19. November 2009 in einem Reuters vorliegenden Schreiben empfohlen, auf die Nutzung sowohl von Blackberrys als auch iPhones zu verzichten.

Hintergrund ist die zunehmende Zahl von Angriffen auf die elektronischen Informations- und Kommunikationsnetze. „Insbesondere mobile Geräte stellen dabei ein erhebliches Gefährdungspotential für IT-Infrastrukturen und Regierungsnetze dar“, heißt es in dem noch von dem damaligen Staatssekretär Hans Bernhard Beus verfassten Schreiben.

Das Netz der Bundesverwaltung sei zwar eines der sichersten Regierungsnetze weltweit, schreibt er. Damit dies so bleibe, sollten die Ministerien aber unbedingt den Empfehlungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) folgen.

Ein empfohlenes Gerät

Bei den sogenannten Smartphones (PDA), mit denen auch Daten verschickt werden können, werde vom BSI nur ein einziges Gerät empfohlen, nämlich das „Simko2“ der Telekom-Großkundensparte T-Systems. „Andere PDAs wie beispielsweise Blackberry oder iPhone erfüllen derzeit nicht die notwendigen Sicherheitsanforderungen und können nicht zum Einsatz kommen.“

Damit geht die Bundesregierung weiter als etwa die EU-Kommission. Diese hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass sie sich für ihre 32.000 Mitarbeiter zwar gegen die Nutzung von Blackberrys ausgesprochen habe, aber die Nutzung von iPhones der Firma Apple erlaubt. Das BSI bestätigte am Mittwoch, dass es weiter schwerwiegende Sicherheitsbedenken gegen den Sicherheitsstandard bei dem Apple-Produkt habe.

Neben Deutschland und der EU-Kommission gerät das Smartphone von RIM auch in anderen Ländern stark unter Druck. Im Streit um die Datenkontrolle des Blackberrys will Saudi-Arabien etwa den Messenger-Dienst des Smartphones stilllegen. Andere Dienste seien nicht betroffen, sagte ein Sprecher der Telekommunikationsaufsicht am Mittwoch. Die Sperre der Chat-Funktion trete am Freitag in Kraft, der Termin sei endgültig. In Saudi-Arabien nutzen 700.000 Menschen Blackberrys.

Zu viel Sicherheit

Grund für das rigide Vorgehen sind nicht Sicherheitsbedenken, sonder kurioser Weise die hohen Sicherheitsstandards beim Verschicken von Daten und Botschaften über den BlackBerry. Der Hersteller Research in Motion ist in mehreren Staaten wegen der umfangreichen Verschlüsselung beim Datenverkehr in Ungnade gefallen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten unlängst angekündigt, Blackberry-Nutzer ab Oktober von allen Internet-basierten Diensten abzuhängen. Auch Indien will Blackberrys verbieten. „Unsere Haltung ist klar: Blackberry-Dienste, die von unseren Behörden nicht voll überwacht werden können, müssen unterbrochen werden“, sagte ein nicht namentlich genannter Vertreter der Sicherheitsbehörden der „Economic Times“. „Den Zugang zu den Daten offen zu halten, ist Teil der Lizenzvorschriften und muss geleistet werden.“ (Reuters, APA, red)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 04.08.2010  19:56
aktualisiert: Do, 17.02.2011  09:49
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