Das Land der vielen Reptilien
Von Helmut Pechlaner
Australien, nur von der Landkarte aus betrachtet, erscheint wie ein trockener, lebensfeindlicher Kontinent. Tatsächlich sind die wirklich saftig grünen und bewaldeten Lebensräume nicht allzu großflächig vorhanden. Das mag vielleicht auch die Erklärung dafür sein, dass es zwar 748 verschiedene Arten von Reptilien in Australien gibt, aber nur 260 Arten von Säugetieren.
Vor rund 200 Jahren haben Europäer mit der Besiedlung dieses Kontinents begonnen und seither nicht nur den menschlichen Ureinwohnern, sondern auch der Natur großen Schaden zugefügt.
Die größten Städte Australiens sind genau dort angelegt worden, wo auch die Tierwelt ideale Lebensbedingungen vorgefunden hatte. Traurige Bilanz: 20 Säugetierarten und 16 Vogelarten haben wir Menschen dort bereits ausgerottet, Dutzende weitere sind akut vom Aussterben bedroht.
Beim Stichwort australische Wildtiere fällt einem allerlei ein, vom Känguru zum Koala, von der Beutelratte bis zum Pinguin und natürlich das Kaninchen, das als europäischer Fremdling im Land für große Probleme sorgt.
Aber wer weiß schon, dass es in Australien auch zwei echte Krokodil-Arten gibt? Die eine Besonderheit dieses Kontinents ist das lang- und schmalschnauzige Australien-Krokodil, das bis zu drei Meter lang werden kann. Es lebt im Norden Australiens ausschließlich im Süßwasser des Binnenlandes.
Die ganz große Rarität ist das zweite Krokodil dieses Kontinents, das Leisten-Krokodil. Dieses ist auf Salzwasser angewiesen und lebt in den Küstengebieten des australischen Nordens, erreicht aber auch die Inseln des Indischen Ozeans, die über 1000 Kilometer entfernt sind. Bei den Mündungen schwimmen diese Tiere nur so weit flussaufwärts, solange sich Meerwasser und Süßwasser mischen (Brackwasser). Wegen der salzhaltigen Nahrung wird sehr viel Salz über die Augendrüsen ausgeschieden. Bei den Einwohnern ist dieser Riese unter den Krokodilen mit seinen oft über sieben Metern Länge als gefürchteter Menschenfresser verrufen. Der Name Leisten-Krokodil kommt von den zweireihig angeordneten Höckern am Rücken dieser Tiere.
Krokodile sind imposante Reptilien, die von eineinhalb bis über sieben Meter groß werden. Ihre dicken, kantigen Hornschilder lassen sie unverletzlich erscheinen, die spitzen Zähne, die zum Festhalten lebender Beute, aber nicht zum Kauen gebraucht werden, wirken bedrohlich.
Wenn sie im Wasser liegend nahe dem Ufer auf Beute lauern, sind gerade noch Nasenlöcher und Augen zu sehen. Die Nasenlöcher können mit Hautklappen beim Tauchen verschlossen werden. Mit der Nickhaut, dem durchsichtigen, dritten Augenlid, können sie ihre Augen gegen das Vertrocknen schützen, ohne dass Beutetiere durch einen auffälligen Lidschlag gewarnt werden. Krokodile bauen Nester aus Gras, Laub und Zweigen und legen dort Eier ab. Regelmäßig spritzen sie Wasser auf den Haufen, so trocknen ihre Eier nicht aus, während die Sonne die Jungen erbrütet. Kleine Krokodile fressen Insekten, Würmer und kleinste Fische, später auch größere, sowie Schildkröten. Erst erwachsene Krokodile erbeuten Vögel und Säugetiere am Ufer.
Fast unübersehbar ist in Australien die Verwandtschaft der Kängurus – ein Extrembeispiel ist für uns Alpenbewohner besonders interessant: die Felsenkängurus. Diese sind gleichsam die Gämsen Aus-traliens und leben auch in gebirgigem Gelände. Als wahre Kletterkünstler können sie steile Felsen bestens nutzen.
Richtige Wildwechsel gibt es quer durch die Felswände, man erkennt diese von Weitem am blank getretenen Gestein. Die Nacht verbringen sie in Höhlen, dort sind sie sicher vor Feinden und Kälte. Mich hat bei den Felsenkängurus die Farbenvielfalt begeistert, wobei die leuchtenden Farben Gelb, Rot und Schwarz oft faszinierende Kontraste bieten.





