05.02.2012
Wohnen

Wellness-Design made in Tirol

Wer sind die Trendsetter im Design? Man denkt an Ideenschmieden in Italien oder Frankreich. Georg Juen aus Fiss beweist, dass erfolgreiche Wellness-Produkte auch die Handschrift eines Tiroler Designers tragen können.

Von Helmut Wenzel

Der Tiroler Infrarot- und Wärmespezialist Physiotherm braucht immer nur die besten Ideen, um sich gegenüber der Konkurrenz am Weltmarkt zu behaupten. Diesen Einblick in die Firmenphilosophie gibt Geschäftsführer Josef Gunsch: „Würden wir die zweitbeste Idee umsetzen, müsste das Unternehmen einen Rückschritt einstecken.“ Ein neueres Fallbeispiel für die Umsetzung einer ausgereiften Idee ist die Wärmeliege aus Holz, eine Ergänzung zu den bewährten Infrarotkabinen des Marktführers mit Stammhaus in Thaur. Die Liege trägt die Handschrift der medizinischen Abteilung, vor allem aber auch von Georg Juen, Designer aus Fiss, der Form und Funktion für das Wellness-Möbelstück in allen Details ausgetüftelt hat.

Der Nutzer darf nicht Liegekomfort allein genießen. Neben einer ultraleichten Bauweise steht ein Display für Heizung, Kippfunktion und Leselampe, das in die Armlehnen integriert ist, zur Verfügung. Physiotherm erklärt, die Wärmeliege habe positiven Einfluss auf Kreuzschmerzen und könne Verspannungen positiv beeinflussen. Darüber hinaus soll die Liege zur Stress-Prophylaxe dienen und Power-Napping unterstützen. Zwei unterschiedliche Temperaturbereiche, die auf den Körper abgestimmt sind, runden die Wellness-Funktion ab. Das Produkt ist in mehreren Holz- und Ledervariationen verfügbar.

„Es geht sicher nicht um Luxus, sondern um Gesundheitsvorsorge und psychische Vorsorge, auch gegen Depressionen“, erklärt der Ideenlieferant und Designer zur Wärmeliege. „Sie hat auch in einer 60 Quadratmeter großen Stadtwohnung Platz.“

Georg Juen (52) ist Mitbegründer des Vereins „Design in Tirol“ und Initiator der Präsentationsplattform „Designland Tirol“. Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf hat ihm bereits den „Design-Award Tirol“ verliehen. 1990 hat er sich als Designer selbstständig gemacht. Den Grundstein seiner beruflichen Laufbahn legte er mit dem Besuch der HTL für Tischlerei und Raumgestaltung in Innsbruck. Außerhalb seiner Werkstatt in Fiss ist Juen als Designtrainer tätig, leitet Kreativworkshops und bewertet Produktqualität als Designjuror.

Dass die Produktentwickler eines Nachts von der innovativen Liege geträumt und diese dann am nächsten Tag gebaut haben könnten, stimmt allerdings nicht ganz. „Wir sind gefordert, Zusammenhänge am Markt zu sehen und die Richtung für Entwicklungen vorzugeben“, erläutert der Oberländer Designer, „wobei die Marktrecherche oft aufwändig ist. Wir müssen erkunden, was es wo gibt.“ Der Prozess von der Idee zum neuen serienreifen Produkt bezeichnet er als vielschichtig, eine fixe Anleitung gebe es freilich nicht. „Oft sind es Kundenwünsche, die den Anstoß für eine Neuentwicklung geben. Wichtig ist, dass man gegenüber dem Mitbewerber immer um die berühmte Nasenlänge voraus ist.“ In der Branche gebe es allerdings auch viel Bluff. Mit Physiotherm habe er jedenfalls einen Partner gefunden, „den man sich als Designer nur wünschen kann“.

Die wesentliche Herausforderung liegt für den Fisser in der Verknüpfung von modernster Technik mit Design. „Der Benutzer soll allerdings keine Technik sehen. Design ist dann gut, wenn man es nicht sieht“, bemerkt der Ideenlieferant.

Auch so genanntes Redesign wird in seiner Kreativwerkstatt immer wichtiger. Da geht es zum Beispiel um einen gewöhnlichen CD-Player, dem ein völlig neues Design und Konzept verpasst werden soll. Das Gerät soll in aktualisierter Form in die Wärmeliege eingebaut werden. Kabel müssen komplett verschwinden bzw. in die Liege integriert werden.

„Dass Design heute immer auch mit Lifestyle gepaart sein muss, versteht sich fast von selbst“, bemerkt Juen. Trotz ständiger Beschäftigung mit Produktinnovation gilt für ihn aber auch der Grundsatz der Nachhaltigkeit: „Das heißt, ältere Kabinenmodelle von Physiotherm müssen nachrüstbar sein. Zum Beispiel soll neue Belüftungstechnologie eingebaut werden können.“

Bei der neuen Generation der Infrarot- und Wärmekabinen sei der Trend zu Glasflächen klar im Vormarsch. Glas bedeute bessere Integrierbarkeit der Wellnessmöbel in Wohnräume – vom Bad bis ins Schlafzimmer.

In Tirol spiele Design „leider noch immer“ eine Mauerblümchenrolle. Juen sieht noch viel Entwicklungspotenzial: „Global gesehen hat Design einen enormen Stellenwert als Wirtschaftsfaktor.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 05.02.2012
Vorteilszone
Partyfotos
Gewinnspiele
Parship
radio.at
Panoramabilder
Panoramabilder
Unterkunftssuche
"HEISZE TASTEN"
Panoramablick
AGB Kontakt Impressum