Zusammen ist man stärker
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Ausnahmezustand: Eine Krankheit wie Krebs kann Paare aus der Bahn werfen, aber auch näher zusammenbringen.Foto: Shutterstock
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Welt-Krebstag – Sinkende Erkrankungs- und Todesraten
Pro Jahr werden in Österreich rund 20.000 Männer und 18.000 Frauen mit einer Krebsdiagnose konfrontiert. Bei jährlich rund 9000 Frauen und 10.000 Männern führt eine Krebserkrankung zum Tod. Damit ist Krebs für etwa ein Viertel der Todesfälle verantwortlich. Allerdings sinken sowohl die Rate an Neuerkrankungen (bei Männern 13 Prozent, bei Frauen sechs Prozent) als auch jene der Sterbefälle (bei Männern 15 Prozent, bei Frauen zwölf Prozent) laut Statistik Austria langfristig.
Brustkrebs ist mit einem Anteil von rund 28 Prozent (bzw. 4955 Fällen) bei den Frauen die häufigste Krebserkrankung. Prostatakrebs machte im Jahr 2009 bei den Männern mit knapp 4900 Fällen ein Viertel aller bösartigen Tumorerkrankungen aus. Lungenkrebs war mit rund 2400 Sterbefällen die häufigste Krebstodesursache bei Männern. Bei den Frauen stieg die Neuerkrankungsrate seit 1999 um 26 Prozent an.
Der Welt-Krebstag steht unter dem Motto „Together it is possible!“ – „Gemeinsam ist es möglich“. Ziel ist es, Vorbeugung, Forschung und Behandlung von Krebs ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Von Nicole Unger
Innsbruck – Schock, Wut, Verzweiflung. Die Diagnose Krebs zieht Betroffenen den Boden unter den Füßen weg. Doch nicht nur die Patienten selbst werden von heute auf morgen in ein völlig neues Leben geworfen. Auch die Angehörigen haben mit enormen Ängsten und Sorgen zu kämpfen. Dabei wollen sie stark sein, um ihren geliebten Partner, ihre Eltern oder ihr Kind aufzufangen. Eine schwere Aufgabe, steht man doch selbst unter enormer Anspannung.
„Bei einer Krebsdiagnose ist heutzutage fast immer das gesamte familiäre Feld betroffen“, sagt Barbara Sperner-Unterweger vom psychoonkologischen Dienst an der Klinik Innsbruck am heutigen Welt-Krebstag. Krebs sei zu einer chronischen Krankheit geworden, die stationären Aufenthalte haben sich reduziert, der Großteil der Therapie spielt sich an der Tagesklinik ab. Sehr viele Aufgaben kommen daher auf die Angehörigen zuhause zu. Umso bedeutender ist es, die Familienmitglieder in die Kommunikation miteinzubeziehen.
Das fängt bereits bei der Diagnose an. „Nicht für alle, aber für viele ist es wichtig, wenn ein Angehöriger bei der Befundbesprechung dabei ist“, sagt die Psychotherapeutin und Psychiaterin. Man wisse, dass aufgrund der Schockstarre beim Betroffenen selbst nur ein Bruchteil des Gesagten hängen bleibt. Familienmitglieder dürfen sich nicht scheuen, den Ärzten alle Fragen zu stellen, die ihnen auf der Seele brennen. Denn Wissen verringert meist ein wenig die Angst.
Während der Therapie ist es essenziell, über Emotionen zu sprechen. Auch Kindern gegenüber ist es angebracht, offen zu sein und die Krankheit in kindgerechter Sprache zu diskutieren oder die Kleinen in Form von Büchern aufzuklären. „Kinder sind extrem anpassungsfähig und gehen oft erstaunlich gut mit der Situation um. Wissen sie allerdings zu wenig, entwickeln sich Phantasien und in der Folge Ängste“, sagt die Ärztin.
Einigen Menschen fällt es allerdings oft nicht leicht, ihre Gefühle auszudrücken. „Finden Gespräche überhaupt nicht statt, macht es Sinn, sich neutrale Unterstützung von außen zu suchen“, sagt Sperner-Unterweger. Das betrifft sowohl die Krebspatienten selbst, als auch die Angehörigen, denen in dieser Zeit viel abverlangt wird. „Frauen sind dabei offener, sich professionelle Hilfe zu suchen oder mit ihren Freunden zu sprechen“, erzählt die Expertin. Vor allem ältere Männer, deren Partnerin bis dato die wichtigste Unterstützung war, nützen soziale Netzwerke oder psychologische Angebote hingegen kaum.
Während die einen sich mit Reden schwertun, meinen es andere wieder zu gut und überhäufen die Kranken mit Ratschlägen. „Zu viele Tipps verwirren Betroffene aber oft und machen den Druck und den Stress, der ohnehin sehr groß ist, noch größer. Eine solche Bevormundung sei oft ein Ausdruck der Hilflosigkeit, sagt die Psychotherapeutin. Besser wäre es, den Patienten zu Wort kommen zu lassen und mit ihm all jene Dinge zu unternehmen, die ihm gut tun. Den Angehörigen im Haushalt zu unterstützen, zu kochen oder zu putzen, ist gut gemeint und manchmal auch angebracht, aber man dürfe nicht zu weit gehen und Betroffenen alle Arbeiten abnehmen. Einige Patienten hätten sonst das Gefühl, entmündigt zu sein und ihre Autonomie zu verlieren.
Im Laufe der Therapie sollte nicht nur die Krankheit, sondern auch die Gesundheit im Mittelpunkt stehen. Es ist durchaus notwendig, regelmäßig zu hinterfragen, wie es dem Betroffenen geht, aber auch hinzuhören, wenn das Familienmitglied nicht über die Krankheit sprechen will. Nahestehende Angehörige hätten dafür sehr gute Antennen. Außenstehende, z.B. Nachbarn oder Arbeitskollegen, tun sich da oft schwerer. Mitleid sei laut Sperner-Unterweger wenig hilfreich, Sensationsgier völlig unangebracht. Interesse zu zeigen und sich nach dem Befinden zu erkunden, ist wichtig und richtig – allerdings muss dieses Interesse ernst gemeint sein und nicht im Vorbeigehen bekundet werden.
Sollten sich Patienten entscheiden, weiterhin beruflich tätig zu sein und nicht den Krankenstand in Anspruch nehmen, ist es auch hilfreich – vor allem aufgrund der regelmäßigen Arzttermine – mit dem Vorgesetzten offen zu sprechen. „Das steht aber jedem frei“, ergänzt Sperner-Unterweger.
Genauso wie es jedem freisteht, über Träume zu sprechen und Zukunftspläne zu machen. „In der Akutphase leben die meisten aber im Hier und Jetzt“, sagt die Expertin. Das müsse vor allem auch dem Partner bewusst sein. Nicht nur das Äußere, sondern auch das Wesen und die Sexualität ändern sich in vielen Fällen. „Insgesamt ist die Situation für eine Beziehung natürlich belastend. Aber es gibt sehr viele Paare, die durch eine Krankheit enger zusammengerückt sind“, spricht die Ärztin eine positive Seite an.





