10.02.2012
Innsbruck

Wer überlebt, ist nie wieder derselbe

Der Tiroler Regisseur Ernst Gossner dreht eine epische Geschichte, die zur Zeit des Ersten Weltkrieges spielt.

Von Alexandra Plank

Innsbruck – Sein Spielfilm soll großes Kino werden, so viel steht für den Tiroler Regisseur Ernst Gossner, der in Los Angeles mit mehreren Kurzfilmen für Aufsehen sorgte, fest. Große Gefühle in der unmenschlichen Zeit des Ersten Weltkrieges werfen die Frage auf, was der Krieg aus den Menschen macht.

Zum Inhalt: Der sechzehnjährige Südtiroler Andreas Gruber entdeckt auf der Hochzeit seiner Schwester zum ersten Mal in seinem Leben das andere Geschlecht: die siebzehnjährige Italienerin Francesca Calzolari. Doch die junge Liebe bekommt nicht viel Zeit, denn am nächsten Tag muss Andreas an die Front. Italien hat Österreich-Ungarn den Krieg erklärt. Der Erste Weltkrieg überrollt Tirol und verwandelt die Dolomiten in einen der bizarrsten Kriegsschauplätze der Geschichte. Der Krieg in den Bergen zerreißt Familien, trennt Nachbarn und entzweit Liebende. Er wirft die Menschen auf sich selbst zurück – daheim in den Dörfern und an der Front im Gebirge, wo bald die Natur zum ärgsten Feind wird. Aber auch wer überlebt, wird nie wieder derselbe sein.

„Monte Piano“ lautet der Arbeitstitel für Gossners Großprojekt, das über ein Budget von 3,5 Millionen Euro verfügt. Im Juni ist Drehbeginn, die Finanzierung ist gesichert. Unter anderem sind der ORF und Bilgeri Film mit an Bord. Als großzügig erwies sich die Business Location Südtirol (BLS), die mit 550.000 Euro dabei ist und das Österreichische Filminstitut Wien sowie die Trentino Film Commission. Auch die Cine Tirol hat ihr Scherflein beigetragen. „Es sind 50.000 Euro geworden. Ich habe dafür Verständnis, weil die Mittel dieser Filmkommission sehr beschränkt sind“, erklärt Gossner.

Enttäuscht ist er hingegen vom Land Tirol. „Wir bekommen keinen einzigen Cent. Es ist ein Wahnsinn, dass das Thema die Wiener mehr interessiert als die Tiroler“, erklärt der Regisseur, der bei Kulturlandesrätin Beate Palfrader vorstellig geworden ist. Eigentlich heiße es ja, „Gib das Geld dorthin, wo du gescheit daherredest“, übersetzt Gossner eine amerikanische Weisheit.

Für das Drehbuch zeichnet Clemens Aufderklamm – er verfasst Drehbücher für ZDF, ARD, RTL, SAT1, ORF sowie diverse Produktionsfirmen und hat bereits zwei Mal den Deutschen Fernsehpreis erhalten – verantwortlich. Gedreht wird auf Deutsch und Italienisch, bisher sind Adele Neuhauser, Julia Gschnitzer, Fritz Karl und Harald Windisch Teil der Besetzung. „Wir hoffen, dass wir auch einen amerikanischen Star für eine Rolle verpflichten können“, so Gossner. Wen er da im Auge hat? „Wir greifen nach den Sternen und schauen dann, was herauskommt“, bleibt der Regisseur kryptisch.

Spektakuläre Bilder soll es aber auf jeden Fall geben, gedreht wird teilweise im Hochgebirge, was einen großen logistischen Aufwand bedeutet. „Es wird eine Szene geben, in der Soldaten auf Skiern zu sehen sind, diesen Skiangriff der Italiener hat es tatsächlich gegeben“, erklärt Gossner. Überhaupt lege er Wert darauf, dass die historischen Fakten im Film stimmen.

Der jetzige Spielfilm ist aus der Dokumentation „Global Warning“ entstanden, die erfolgreich an Schulen in Italien und Österreich verkauft wurde und auf Festivals zu sehen ist. Sie setzt sich mit dem Grauen des Krieges, im Speziellen dem Ersten Weltkrieg, auseinander. „Es soll ein unterhaltsamer Film aus einer schweren Zeit werden“, resümiert Gossner.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 10.02.2012
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