10.02.2012
Reise

Schreie sind im Dungeon der beste Applaus

Hamburg – Das Hamburger Dungeon bringt seine Besucher in die düstere Vergangenheit der Hansestadt. Folterkammern und der Schwarze Tod werden wieder lebendig. Ab März ist die Gruselshow um eine Attraktion reicher: Im Zuchthaus herrschen Wahnsinn, Willkür und Wut. Von der Decke baumeln Stromkabel, auf dem Boden liegen Werkzeuge und Baustoffreste, und in einer Ecke lehnen einige Holzbretter an der Wand. Bei jedem Schritt knirscht unter den Schuhen der Baustaub. Die kahlen Wände geben noch keinen Hinweis darauf, dass sich hier bald Hamburger und Touristen kräftig gruseln werden. Das Dungeon baut um und lässt in kurzer Zeit zwei völlig neue Shows entstehen. Eine der beiden wird Ende März 2012 eröffnet, die zweite im Frühjahr 2013.

„Das Zuchthaus – Willkür, Wahnsinn, Wut“, so lautet der Titel der neuen Show. Sie zeigt das Hamburger Zucht- und Werkhaus an der Alster, einen finsteren Ort, der von 1618 bis 1842 genutzt wurde. „Man kam durch Willkür herein, es gab keine Urteile“, erklärt Dungeon-Managerin Ulla Möll. Wegen der Haftbedingungen wurden viele Insassen wahnsinnig und töteten zum Beispiel Mitgefangene, um als Mörder hingerichtet zu werden und damit dem Zuchthaus zu entfliehen. „Die Wut lässt dann noch Spielraum für Interpretationen in der Show“, erklärt Möll.

Die knapp 3000 Quadratmeter großen Räume in der Speicherstadt liegen für das Dungeon zwar optimal, bieten aber kaum Platz für Erweiterungen. „Wir haben nicht mehr Platz zum Expandieren, also müssen wir umbauen­“, sagt Show-Manager Jörg Homeyer

Parallel zur Gestaltung der neuen Räume findet auch die Ton- und Filmproduktion für die neue Show statt. Die akustische Atmosphäre entsteht im Tonstudio, außerdem wird ein Film für eine Pre-Show gedreht, den die Besucher als Einstimmung sehen werden.

Rund ein Viertel der Dungeon-Besucher kommt immer wieder, ihnen wollen die Verantwortlichen neue Anreize bieten. Es muss sich dabei um wahre Ereignisse aus Hamburg handeln, die mindestens 100 Jahre her sind. „Wir haben leider keinen Massenmörder hier gehabt, so wie Jack the Ripper in London“, sagt Möll schmunzelnd. Entstehen keine­ neuen Räume, wird verbessert und weiterentwickelt. Für Homeyer ist das ein wichtiger Teil seiner Arbeit. „Wenn man den letzten Finger vom Regler nimmt, das ist das Beste am ganzen Jahr“, sagt er.

Auch für die rund 45 Schauspieler ist die neue Show eine Herausforderung. „Wenn eine neue Rolle einstudiert werden soll, ist das immer spannend“, sagt der Leiter des Schauspielteams, Alexander Resch. Das Grobkonzept der Show steht, aber trotzdem gibt jeder Schauspieler den Figuren seine ganz persönliche Note. „Wir treten verrückt, unberechenbar und zynisch auf, aber das Wichtige ist dabei, dass man immer authentisch bleibt“, erklärt Resch. Spannend ist für ihn vor allem die Reaktion des Publikums, denn im Dungeon gilt: Wenn die Zuschauer schreien, war die Show erfolgreich. (dpa)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 10.02.2012
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