23.02.2012
Kino-Kritik

Einsam in der Provinz

In Jason Reitmans „Young Adult“ liefert die wunderbare Charlize Theron einmal mehr eine Studie über einen zwiespältigen und unangenehmen Charakter ab.

Von Peter Angerer

Innsbruck – Mit einer noch überschaubaren, aber makellosen Serie von Filmen hat Jason Reitman seinen Platz in der ersten Regiereihe gefunden. „Thank You for Smoking“ war eine Geschichte über Lobbyarbeit für die Tabakindustrie, im oscargekrönten Film „Juno“ erzählt er von frühem Leid und früher Schwangerschaft. In „Up in the Air“ spielte George Clooney einen Spezialisten, der von Konzernen engagiert wird, wenn heikle Entlassungen anstehen und Manager sich den unangenehmen menschlichen Begleiterscheinungen wie Tränen oder stummer Erstarrung nicht aussetzen wollen. Mit „Young Adult“ setzt Jason Reitman dieses ironische Werk fort, denn der Titel meint diese werberelevante Zielgruppe zwischen 12 und 23 Jahren, die an Kummer gewöhnt ist, dafür aber jede Menge Kleingeld zur Verfügung hat, um diesen Kummer zu kompensieren.

Mavis Gary (Charlize Theron) hat die besten Jahre samt Scheidung bereits hinter sich. Sie lebt in einem Luxusappartement, das meistens wie eine Messie-Absteige aussieht, in Minneapolis. Sie trinkt Whiskey ohne, aber wie Wasser. Ein Kater quält sie jeden Morgen, obwohl sie mit ihrem Hündchen eine Runde laufen sollte. Manches Mal fehlt ihr am Morgen einfach die Luft zum Atmen, dabei ist es nur der schwere Arm eines fremden Herrn, der auf ihrer Brust liegt. Als besondere Kränkung empfindet sie eine Geburtsanzeige, die ihr Buddy Slade­ (Patrick Wilson) geschickt hat. Buddy war ihre Highschool-Liebe und tatsächlich findet sie in einer Schublade eine „Mad Love“-Kompilation auf Kassette, für die es kaum noch Abspielmöglichkeiten gibt. Glücklicherweise verfügt ihr neues Kleinauto aus bayerischer Werkstatt über eine Sonderausstattung für Nostalgiker. Mavis packt das Hündchen in eine Reisetasche und macht sich auf den Weg nach Mercury, um den Jugendfreund, der plötzlich so starke Gefühle in ihr auslöst, aus dem Provinzkaff zu befreien. Der erste Mensch, den sie dort trifft, ist aber ihr ehemaliger Mitschüler Matt (Patton Oswalt, heimlicher Star des Films), der als vermeintlicher Schwuler verprügelt wurde und seither auf eine Gehhilfe angewiesen ist, weil die Beine nicht mehr richtig zusammengewachsen sind. Für diese Geschichte revanchiert sich Mavis mit dem Geständnis, sie sei die Autorin der erfolgreichen „Young Adult“-Romanserie. Matt greift mit der Vermutung „Ist das was mit Vampiren?“ etwas hoch, da es sich nur um redundante Beschreibungen von Highschool-Erlebnissen handelt. Auch sonst überträgt Mavis ihr persönliches Elend auf die von ihr gewünschte Befindlichkeit anderer Menschen. Niemand darf glücklich sein und schon gar nicht in Mercury. Sehr spät und auf sehr schmerzhafte Weise lernt Mavis die Gesetze des Universums. Der Lernprozess macht sie zwar auch nicht glücklicher, liefert aber den Stoff für einen neuen „Young Adult“-Roman.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 23.02.2012
Vorteilszone
Partyfotos
Gewinnspiele
Parship
radio.at
Panoramabilder
Panoramabilder
Unterkunftssuche
"HEISZE TASTEN"
Panoramablick
AGB Kontakt Impressum