09.03.2012, 14:10  Aktualisiert: 09.03.2012, 16:32 
Literatur

„Himmelskind der Poesie“ - Staatspreis für Peter Waterhouse

Der Autor Peter Waterhouse (55) erhält den Großen Österreichischen Staatspreis 2012, die auf Vorschlag des Kunstsenats zuerkannte höchste Kunst-Auszeichnung der Republik Österreich.
Die mit 30.000 Euro dotierte Ehrung wird Peter Waterhouse Ende Juli im Rahmen der Salzburger Festspiele überreicht.
Foto: Wikipedia/AxelHH

Wien – Ihn mit den Zuschreibungen Lyriker und Erzähler zu beschreiben, wird dem österreichischen Schriftsteller und Übersetzer Peter Waterhouse nicht gerecht. Denn er schreibt zwar Gedichte, Prosa und Essays und übersetzt u.a. Gerard Manley Hopkins und Andrea Zanzotto. Aber seine eigenen Texte entstehen stets in enger Verbundenheit und durchaus symbiotisch mit den fremden Sprachen und Wortschöpfungen, die er übersetzt. Waterhouse, Sohn eines Engländers und einer Österreicherin, lebt und arbeitet zwischen den Sprachen als ein „von Inspiration und Präzisionskunst“ heimgesuchtes „Himmelskind der Poesie“, wie es Friederike Mayröcker einmal ausdrückte. Am Freitag wurde ihm der Große Österreichische Staatspreis 2012 zugesprochen.

Zwischen den Sprachen ist Waterhouse auch aufgewachsen: 1956 in Berlin geboren, lebte er als Kind an verschiedenen Wohnorten zwischen Berlin und Südostasien. Er studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Wien sowie 1981/82 an der University of Southern California in Los Angeles. 1984 promovierte er an der Universität Wien mit einer Arbeit über die Utopie in der Lyrik Paul Celans zum Doktor der Philosophie. Wer Poesie übersetzen will, muss nicht nur Dichter, sondern auch Denker sein - und so gehörte die Auseinandersetzung mit Poetik für Waterhouse schon immer dazu. „Seine Sprache ist auf eine ungewohnte Weise sinnlich, weil es ihm immer um Wahrnehmung, um Nachbarschaft, um Durchlässigkeit geht“, schrieb eine Kritikerin.

Seit den frühen 1980er Jahren beschäftigt sich Waterhouse in Gedichten, Prosatexten, Theaterstücken und poetologischen Essays mit der Frage, wie Sprache und Welt sich zueinander verhalten. Seine Werke sind „nie behauptend, doch ihre leise, nach Ganzheit strebende Insistenz prägt sich dauerhaft ein“, hieß es bei der Verleihung des Erich-Fried-Preises. Zu seinen wichtigsten literarischen Arbeiten zählen „Menz“ (Droschl, 1984), „Sprache Tod Nacht Außen. Gedicht. Roman“ (Rowohlt, 1989), „Die Geheimnislosigkeit. Ein Spazier- und Lesebuch“ (Residenz, 1996) und „Prosperos Land“ (Jung und Jung, 2001). Sein 2006 bei Jung und Jung erschienener 672-Seiten-Roman „(Krieg und Welt)“ erreichte Platz eins der ORF-Bestenliste.

Mit „(Krieg und Welt)“ legte Waterhouse eine „Ausnahmeerscheinung im schnelllebigen Literaturbetrieb“ vor, hieß es in der damaligen APA-Rezension, „eine reizvolle Herausforderung und ein Lebensbegleiter für längere Zeit“. In dem Roman macht er sich auf die Suche nach dem Vater und der eigenen Vergangenheit im Wechselspiel von Dekonstruktion und Rekonstruktion. Der Kunstsenat, der die höchste Kunst-Auszeichnung der Republik Österreich für Waterhouse vorschlug, würdigte, dass „in seiner Literatur das Kleine wie das Große gleichberechtigt ist“. Die „Neue Zürcher Zeitung“ schrieb einmal: „Wer Literatur als Spaziergang durch ein wohl gepflügtes Terrain der Konnotate sehen will, ist bei Peter Waterhouse am falschen Ort.“

Kulturministerin Claudia Schmied (S) hält Waterhouse für einen „Sprachkünstler, feinsinnig und wortgewaltig zugleich“. Waterhouse wurde bereits u.a. mit dem Heimito-von-Doderer-Preis (2000), dem Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzungen (2002), dem H.-C.-Artmann-Preis (2004) und dem Literaturpreis der Stadt Wien (2008) ausgezeichnet. Der 9. März scheint Waterhouse zudem Glück zu bringen: Exakt vor einem Jahr wurde ihm auch der Ernst-Jandl-Preis für Lyrik zugesprochen. Der 55-Jährige lebt in Wien, sein frühzeitiges Geschenk zum 56. Geburtstag (24. März) erhält Waterhouse aber erst Ende Juli im Rahmen der Salzburger Festspiele. Zuletzt erschienen ist seine Erzählung „Der Honigverkäufer im Palastgarten und das Auditorium Maximum“. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 09.03.2012  14:10
aktualisiert: Fr, 09.03.2012  16:32
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