Kapsel als Alternative zur Darmspiegelung
Von Nicole Unger
Going – Die Vorstellung, dass ein 1,60 Meter langer Schlauch in seinen Darm eingeführt wird, machte August Kassler panische Angst. Der Kitzbühler entschied sich daher für eine sanftere Art der Darmspiegelung und wandte sich an Albrecht Moslehner.
Seit Dezember bietet der Internist aus Going die Möglichkeit, eine Endoskopie mit einer Kamerakapsel durchzuführen. Die Kapsel, die vom Patienten nach einer Darmspülung morgens geschluckt wird, ist nur etwas größer als eine Tablette. Zwei Minikameras ermöglichen einen Liveblick in das Innere des Körpers. Sobald sich die Kapsel im Darm bewegt, werden Bilder gemacht – insgesamt entstehen so an die 60.000 Fotos. Nach etwa acht Stunden wird die Minicam über die Toilette wieder ausgeschieden. „Der Vorteil ist einerseits, dass dem Patienten eine Magen- und eine Darmuntersuchung mit einem Schlauch erspart bleibt. Andererseits können durch diese Methode auch Menschen, bei denen keinen normale Endoskopie möglich ist, untersucht werden, z.B. weil das Narkoserisiko zu hoch ist“, erklärt uns Moslehner und bittet zur Demonstration einen Patienten, die Kapsel zu schlucken.
Der junge Mann wurde zuvor mit Antennen verkabelt und mit einem umgehängten Datenrekorder ausgestattet. Auf dem Gerät kann der Patient das Geschehen im Bauch live miterleben, während Moslehner die Bilder am Monitor verfolgt und am Ende des Tages auswertet.
Die Kapsel-Methode selbst wird bereits seit Jahren bei Dünndarmuntersuchungen eingesetzt. „Nun haben sich die Geräte verbessert und es ist auch eine Untersuchung des Dickdarms möglich. Wir sehen somit Dinge, die wir vorher nicht gesehen haben“, sagt Moslehner. Zum Beispiel Tumore, Entzündungen oder Polypen, die sich in Grauzonen befinden und mit dem normalen Endoskop nicht ersichtlich sind. Moslehner bedauert, dass die, wie er sagt, ungefährliche Methode in Österreich noch wenig etabliert ist. Je breiter der Einsatz, desto niedriger wäre der Preis. Kapsel und Untersuchung kosten ca. 1200 Euro und werden nicht von der Kassa bezahlt.





