Denker machen Stimmung für Europa
Innsbruck – Die Internetgemeinschaft diskutiert seit einigen Tagen das von Ulrich Beck und Daniel Cohn-Bendit initiierte „Manifest zur Neugründung Europas von unten“, kurz „Wir sind Europa!“ Die Pro-Europa-Initiative, zu finden auf der Internetseite der Allianz Kulturstiftung, erregt seit Anfang Mai Aufsehen, weil sich unter den Erstunterzeichnern etwa 90 prominente Namen des europäischen Geisteslebens finden. Dazu zählen Literaturpreisträger wie Herta Müller und Imre Kertész, der Philosoph Jürgen Habermas, Altpolitiker Helmut Schmidt, ehemalige Europapolitiker wie Jacques Delors und Javier Solana. Es geht weiter mit dem griechischen Krimiautor Petros Markaris, Filmemacher Wim Wenders und Regisseur Robert Wilson.
An erster Stelle der Erklärung steht ein „freiwilliges Jahr für alle“ als Antwort auf die Eurokrise. Im Folgenden wird soziale Gerechtigkeit für junge Menschen eingefordert. Junge Menschen seien zwar gut ausgebildet, doch mittlerweile sei jeder vierte Europäer unter 25 arbeitslos. „Es wächst die Wut über eine Politik, die mit riesigen Summen Banken rettet, aber die Zukunft der Jugend verspielt.“ Für eine weitere Forderung steht der ehemalige US-Präsident John F. Kennedy Pate. Nach dem Motto „Frage nicht, was Europa für dich tun kann, frage viel mehr, was du für Europa tun kannst“ soll Europa neu begründet werden. Gleichzeitig wird eine Europapolitik der Eliten kritisiert, die daran scheitere, „das Glück des europäischen Bürgers notfalls auch gegen seinen Willen zu schmieden“.
Unter den österreichischen Erstunterzeichnern finden sich die Schriftsteller Martin Pollack und Robert Menasse. Letzterer ist in den vergangenen Monaten immer wieder als Europa-Experte über die Krise der Union befragt worden und hat viel Zeit in europäischen Einrichtungen verbracht, um für seinen neuen Roman Material zu sammeln. Es wird ein Europa-Roman. (sst)





