09.06.2012
Wohnen

Tiroler entwarfen Sky Lounges

Die Sky Lounges im neuen Skylink Terminal des Vienna International Airport wurden von Ohnmacht Flamm Architekten aus Innsbruck geplant, die Kunst stammt vom Duo Günyol & Kunt.

Von Ursula Philadelphy

Wien – Die Sky Lounges im neuen Terminal Gebäude des Flughafens Wien: Das bedeutet­ 668 Quadratmeter, auf denen sich Architektur und Kunst zu einem wohlproportionierten Raumkonzept verschränken. Zentral im Innenbereich des neuen Terminals gelegen, direkt an der Schnittstelle zum Pier und rund um die Uhr geöffnet, sind die Lounges ab sofort Treffpunkt aller Business­passagiere. Eine­ „raumbildende Kunstinstallation“, wie es Ohnmacht Flamm Architekten formulieren­, „ein eleganter und angenehmer Aufenthaltsraum zum Arbeiten und Entspannen“.

Die Entwicklung dieses archi­tektonischen Kunst­raumes oder dieser künstlerischen Architektur – wie auch immer man es definieren will – hat vier Jahre gedauert. Bereits zu Beginn wurde Hubert Salden­, der den Tirolern als langjähriger Geschäftsführer der Kunsthalle Hall ein Begriff und in Erinnerung ist, als Kurator gewonnen. Salden initiierte in der Folge die Zusammenarbeit mit dem aus Ankara stammenden Künstlerduo Özlem Günyol und Mustafa Kunt, die beide in Ankara und an der Städelschule in Frankfurt am Main Kunst studierten. Sie sehen das zentrale Thema ihrer­ künstlerischen Arbeit „in der Auseinandersetzung mit geo­politischen, interkulturellen und sozialen Aspekten im Leben der Menschen­“ – ein Thema, das dazu angetan ist, an einem Flughafen präsentiert zu werden. Wie wunderbar, wenn es dann nicht nur einfach als zeitlich begrenzte Kunstschau zu sehen, sondern der Architektur inhärent ist.

Das von den Architekten entworfene Raumkonzept der Stoffräume besteht aus 14 textilen Salons und verschmilzt mit der künstlerischen Arbeit „State Paintings“. Es vernetzt sich zugleich aber auch mit anderen Kunstprojekten im Skylink, wie jenem der Ars Electronia Linz oder von Susanna­ Fritscher ebenso wie mit jenem von Atélier Intégral Ruedi Baur, beide Paris. Die Architekten distanzieren sich mit diesem Projekt somit von den üblichen Corporate-Identity-Systemen und setzen auf eine Mischung aus Ungewöhnlichem, Neuem und Ortsbezogenem.

Was die Architektur angeht, so nimmt sie die äußere, geschwungene Form des Skylink auf, der in Check-in 3 umbenannt wurde. Der so in weiche Formen gegossene Großraum liegt zwischen Ankunfts- und Abflughalle, die natürlich nicht ganz so banal benannt sind, sondern als „Landside“ und „Airside“ durchgehen.

Die Gliederung in 14 Salons­ – wobei das Raumgefüge mit mäanderförmigen Stoffwänden gestaltet wurde – teilt sich in eine Schengen- und eine Non-Schengen-Lounge. Vom Formalen her haben sich Wolfgang Ohnmacht und Volker Flamm an die Raumgliederungen der Wiener Gründerzeit­häuser und Stadtpalais gehalten und „langgestreckte Raumachsen, an denen wohnliche Räume in angenehmen Größen und Proportionen aufgefädelt sind“, entwickelt.

Für die das Erscheinungsbild der halbtransparenten textilen Raumteiler, die eine ganz eigenwillige räumliche Atmosphäre erzeugen, haben sich Özlem Günyol und Mustafa Kunt für unterschiedliche Liniengrafiken entschieden. Wer sie sieht, gräbt unweigerlich sofort in seinem Gedächtnis­, denn sie scheinen entfernt bekannt zu sein. Und tatsächlich handelt es sich dabei um Makroaufnahmen der Sicherheitslinien aus Reisepässen. Die Mustervariationen resultieren daraus, dass sie aus den Pässen von 14 verschiedenen Staaten stammen. Somit repräsentiert jeder Salon einen bestimmten Staat, daher auch der Name „State Paintings“. Die Künstler sehen das als „Mitteilung unterschiedlicher menschlicher Mobilitätsradien und Grenzen, Herkunft und Destination der Reisenden“. Es ist ein Zeichen der Umtriebigkeit­ der Menschen, ein Zeichen der Globalität. Zugleich erzeugen diese textilen Wände aber auch eine gedämpfte Raumakustik und eine räumliche Kleinteiligkeit und sorgen­ so für cocooning-artige Entspannung und Diskretion. Scheinbar ein Widerspruch.

Was das Interieur betrifft, geht es auch munter international und zugleich traditionsverhaftet weiter. Innen vergoldete­ Hängeleuchten stammen aus Murano und haben Kreisbahnen als Lichtaustritte, die an die erdumspannenden Routen der Flugzeuge erinnern. Die Oberflächen wiederum erscheinen kraterartig, für die Architekten­ erinnern sie an kleine Erdtrabanten und sollen „auf mögliche zukünftige Entwicklungen im Luftverkehr“ verweisen. Die Anordnung der Fauteuils wurde dem Teesalon der Wiener­ Staatsoper entlehnt und im Restaurantbereich paaren sich Amberbaumholz und Tischreihen, die als Hommage an das Wiener­ Kaffee­haus verstanden werden sollen­.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 09.06.2012
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