Ein Tick, der Freude macht
Von Miriam Hotter
Kufstein, Innsbruck – „Das Sammelvirus hat mich voll erwischt“, meint Notburga Hauer aus Kufstein. Ihre Symptome sind eindeutig: Sie verspürt ein Kribbeln im Bauch und bekommt leuchtende Augen, wenn sie ihr nächstes Sammelstück gefunden hat. Der Wunsch nach mehr wird immer größer. Der Erreger: die heilige Notburga.
Schon als kleines Kind begann die heute 72-Jährige, sich für die Schutzpatronin der Dienstmägde und der Bauern zu interessieren. „Meine Mutter hat mir immer wieder Geschichten der heiligen Notburga erzählt“, sagt sie. Voller Bewunderung für diese Frau, die um 1200 in Rattenberg lebte, suchte Hauer in Büchern nach weiteren Informationen. „Und dann habe ich angefangen, verschiedene Abbildungen von ihr zu sammeln“, erzählt die gebürtige Niederösterreicherin. Mittlerweile besitzt sie mehr als 4100 Darstellungen ihrer Namenspatronin: Bilder, Porzellanfiguren, Gläser, Fahnen und Marterln der Schutzpatronen zieren die Wohnung der Sammlerin. Ständig auf der Suche nach neuen Sammelstücken reist Hauer quer durch das Land. „Ich setze mich einfach in mein Auto und klappere alle Orte ab, in denen die Heilige Notbruga einmal gewesen sein soll“, sagt die pensionierte Lehrerin. Nur so konnte sie Abbildungen aus ganz Tirol, Südtirol, Bayern und Slowenien zusammentragen. „Ich bin da etwas verrückt, aber mir macht es so viel Freude“, sagt sie lachend.
Notburga Hauer ist nur eine von vielen Sammlern, die sich nach dem Aufruf der TT zur Rekordjagd gemeldet haben. Ein weiterer ist Harald Tschabrun, der 248 verschiedene Nussknacker besitzt. Das Spektrum reicht von den klassischen Figuren des Königs und seiner Gardeoffiziere bis zu einem mit Fernglas und Flinte ausgerüsteten Jäger und einem Koch.
Vor zweieinhalb Jahren hat der 56-Jährige seine erste Figur gekauft. Der etwa 30 Zentimeter große Nussknacker ist aus Holz und – nicht wie die restlichen seiner Art – bunt bemalt. „Ganz simpel“, meint der Innsbrucker. Außergewöhnlichere seien erst mit der Zeit dazugekommen. Dazu zählen etwa jene, die verschiedene Berufe darstellen: Einen Arzt, einen Verkäufer und sogar einen Abraham-Lincoln-Nussknacker besitzt der Angestellte beim Stadtgartenamt. Und der Koch knackt die Nüsse ebenso gut wie der Schiffskapitän. Einer seiner „Jungs“, wie Tschabrun seine Nussknacker liebevoll nennt, spielt sogar Musik, wenn man ihn vorher aufzieht.
„Den habe ich selbst gebaut“, sagt er stolz und zeigt auf den größten seiner hölzernen Mitbewohner. Dieser ist 1,30 Meter groß und funktioniert laut Tschabrun einwandfrei. Die kleinsten Figuren in seiner Sammlung sind hingegen nur vier Zentimeter groß und können höchstens Körner knacken. Aber es geht noch winziger: Der kleinste Nussknacker der Welt ist 4,9 Millimeter groß.
„Das Schönste an meiner Sammlung ist, dass ich sie jeden Tag bewundern kann“, meint Tschabrun. In den meisten Familien kommt der Nussknacker allerdings fast ausschließlich in der Adventzeit aus dem Schrank. „Der Nussknacker ist das Symbol für Weihnachten schlechthin“, sagt der Sammler .
Für ihn haben die Nussknacker aber noch eine ganz andere Bedeutung: „Sie leisten mir Gesellschaft. Ich würde sogar sagen, dass jede Figur einen anderen Charakter besitzt“, schmunzelt der 56-jährige Innsbrucker.






