Das dicke Ende der Verzweiflung
![]()
Ein letztes Pokerspiel im Dienste des Vorstadtidylls: Die „Desperate Housewives“ nehmen Abschied von den Fernsehbildschirmen. Foto:
ORF/Disney/Ron Tom
Foto: REUTERS
|
||
Was wurde aus ...?
Felicity Huffman (49) war die Supermutter Lynette Scavo. Privat hat sie nur zwei Töchter – von Schauspieler-kollegen William H. Macy („ER“, „Fargo“). Beide bekamen im März einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. Huffman verkauft Fitnessvideos und hat die Website whattheflicka.com kreiert – eine Internetseite für Mütter.
New York – Am Anfang von „Desperate Housewives“ war ein Paukenschlag. Das heißt, eigentlich war es ein Schuss. Die Erzählerin führt mit ruhiger Stimme in die Sendung ein – und ballert sich dann eine Kugel in den Kopf. Es konnte gleich jeder wissen: nichts mit Vorstadtidylle. Hinter den ordentlichen Gartenzäunen und gepflegten Rasenflächen schlummern jede Menge Geheimnisse. 180-mal ließ sich die Fernsehgemeinde davon prächtig unterhalten. Doch nun ist Schluss. Das Finale läuft morgen Montag im ORF.
In acht Staffeln „Desperate Housewives“ gab es Liebe, Hass, Gewalt, Intrige, Betrug, Berechnung und immer wieder Mord. Und natürlich jede Menge Geheimnisse. ProSieben versuchte die Serie anfangs als Nachfolger von „Sex and the City“ zu verkaufen, aber die verzweifelten Hausfrauen waren viel mehr. Nicht nur ein paar, sondern jede Menge Laster und Charaktereigenschaften wurden dargestellt und die Vorstadtstraße Wisteria Lane konnte überall sein – auch hierzulande.
Dabei ging es eigentlich nur um die nette, aber tollpatschige Susan, die schöne, aber berechnende Gabrielle, die perfekte, aber eitle Bree und die starke, aber unbeherrschte Lynette. Dann waren da noch Edie (Susan: „die Nachbarschaftsschlampe“), die freundliche Katherine und nicht zuletzt die jeweiligen Männer. Die allerdings spielten eher Nebenrollen, waren oft austauschbar – und wurden zuweilen unter den Frauen auch tatsächlich ausgetauscht.
Aber in irgendeiner der Figuren konnte sich jeder wiedererkennen. Oder, wichtiger, man konnte andere wiedererkennen. Die Serie wurde nicht einfach ein Erfolg, sie rettete zusammen mit „Lost“ den schlingernden Sender ABC vor dem Abgrund. Mehr als 21 Millionen sahen 2004 die erste Folge und das Finale der ersten Staffel sogar mehr als 30 Millionen.
Mit den Frauen von „Sex and the City“ wollte sich jede Frau identifizieren, mit den Frauen von „Desperate Housewives“ konnte sie es wirklich. „Neun Uhr abends, Mr. Aufregend hier liegt im Tiefschlaf, und ich muss mir ‚Desperate Housewives‘ im Fernsehen ansehen“, sagte 2005 eine Zuschauerin. „Ich BIN eine verzweifelte Hausfrau.“ Und eine First Lady. Das Zitat stammt von Laura Bush, Ehefrau des damaligen US-Präsidenten George Bush junior.
Nach acht Jahren war es mit den Bushs vorbei, nach acht Jahren auch mit den Vorstadtfrauen, hinter deren biederer Fassade sich so viel Dunkles verbarg. Nach Jahren starker Quoten brach die Zuschauergunst mit der siebten Staffel ein und lag im einstelligen Millionenbereich. So war nach 180 Folgen im Mai Schluss in den USA.
Die letzte Staffel bietet noch einmal alles auf: Mord, Komplott, Armut und Reichtum, Tod, Schwangerschaft, Sucht und natürlich Liebe und Sex. Und allein in der letzten Folge gibt es noch einmal ein Gerichtsdrama, eine Hochzeit und einen Todesfall.
Und viel Wehmut. Die Frauen trennen sich, weil fast alle wegziehen. „Und dabei dachte ich immer“, sagt Gabrielle (Eva Longoria) bei einem letzten Pokerspiel, „dass wir hier zusammen alt werden – ich immer noch bezaubernd, ihr furchtbar.“ Manche kennen ihre Nachbarn nie, heißt es da. „Sie teilen einen Zaun, mehr nicht. Wir aber hatten uns.“
Auch Susan (Teri Hatcher) zieht weg und verkauft das Haus einer jungen Frau. „Wir haben ein bisschen Angst, dass es hier in der Vorstadt langweilig ist“, sagt die Käuferin. „Ach“, antwortet Susan, „da machen Sie sich mal keine Sorgen.“ (dpa)
aktualisiert: Do, 27.09.2012 10:00





