Von Carmen bis Anatevka
Von Ursula Strohal
Innsbruck – Standing Ovations nach dem abendlichen Konzert als Höhepunkt eines neunstündigen Festes – das war mehr, als sich Intendant Johannes Reitmeier erhoffen konnte. Er war am Samstag im Dauereinsatz, ebenso wie viele Theatermitglieder vor, unter und hinter der Bühne. Und die Menschen strömten zu den verschiedenen Schauplätzen, hielten die Teams auf Trab.
Im Großen Haus gab es im Schnelldurchlauf Informationen zur kommenden Saison, die TLT-Dancing-Stars-Show der Ensemblemitglieder in Eintracht oder im Clinch mit Mutigen aus dem Publikum. Zu Enrique Gasa Valgas Charmeoffensive und seiner Vorschau auf die „Carmen“-Tanztheaterproduktion standen die Menschen noch in Trauben. Mit heiklen Fragen stellte Neo-Schauspielchef Thomas Krauß die neuen Mitglieder des Schauspielensembles vor. Bewegungsfreudige nützten das Angebot der Tanzcompany zu einem Workout mit Salsa oder widmeten sich dem Swing-Tanzen. Musisch Angehauchte konnten in der Chorwerkstatt Emotion zeigen, wo der neue Chordirektor Michel Roberge Giuseppe Verdis Gefangenenchor in italienscher Sprache einforderte.
Gleichzeitig eröffneten Reitmeier, Operndirektor Roger E. Boggasch und Dale Albright in den Kammerspielen höchst vergnüglich ihre Plaudereien aus dem Plattenkoffer und eroberten das Publikum im Sturm. Von den Filmmusiken zu Schneewittchen und Star Wars über die Opernchorplatte, zu der der achtjährige Johannes Reitmeier nimmermüde Kasperltheater spielte, bis zu Mario Lanza, Barbara Streisand klassisch, Shorley Bassey, Prokoffief, dem Kleinen grünen Kaktus und Whitney Houston war vieles dabei und damit auch mancher Einblick ins Private. Wird fortgesetzt, wurde versprochen.
Es gab noch sehr viel anderes, die Kinder wurden reich bedacht und auch die Musikerinnen und Musiker des Tiroler Symphonieorchester Innsbruck waren in verschiedensten Gruppierungen von Salonmusik bis Jazz unterwegs. Als Höhepunkt dann das abendliche Konzert mit Ausschnitten aus dem kommenden Theater- und Konzertprogramm: Arien und Duette aus Rossinis „Der Barbier von Sevilla“, Korngolds „Die tote Stadt“, „Anatevka“, „Die Perlenfischer“, Symphonisches von Schumann und Britten. Herrlich disponierte Künstler, ein souverän moderierender Intendant, ein begeistertes Publikum. Als der Saal sich geleert hatte, schwebte unerreichbar hoch oben am Plafond ein rosa Luftballon.





