Archiv

Letztes Update am TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

Musik aus Tirol

Minimaler Jazz mit maximaler Wirkung - „HI5“ will durchstarten

Mit einem frischen Album und dem Joe-Zawinul-Preis im Gepäck, will die junge Tiroler Jazzband „HI5“ in neue musikalische Sphären vordringen. Vor Beginn seiner Österreich-Tour, traf TT-Online das Quartett zum Gespräch.

�

© HI5

drucken

Von Simon Hackspiel

Innsbruck – Einer echten Jazzband gegenüberzusitzen ist an sich schon erstaunlich. Üblicherweise sind Jazzer jene scheuen musikalischen Wesen, die sich in losen Verbänden zusammenschließen, um ihre individuelle musikalische Genialität zur Schau zu stellen. Ziel ist es, möglichst häufig mit den Stars der Szene auf der Bühne zu stehen, um so das eigene Portfolio aufzubessern.

Nicht so bei den Jungs von „HI5“. Die vier Tiroler sind ein eingeschweißtes Team. Und das obwohl sie derzeit eine Fernbeziehung führen, wie sie im TT-Interview erklären. Zwei studieren in Linz, einer in Basel – in Tirol wohnt momentan nur ein Bandmitglied. Trotzdem ist ihnen ihr, im Jahr 2010 ins Leben gerufenes, Projekt zu wichtig, um es nicht ständig zu pflegen. „Zu Proben treffen wir uns so oft wie möglich“, meint Schlagzeuger Chris Norz.

Und die Beharrlichkeit macht sich bezahlt. Erst vor zwei Wochen gewann „HI5“ beim bundesweiten Jugendmusikwettbewerb „podium.jazz.pop.rock“ in Ried im Innkreis den mit 1500 Euro dotierten Joe-Zawinul-Preis. Eine internationale Jury wählte sie unter 20 Finalisten aus. Mit dieser Auszeichnung im Gepäck will die Band jetzt „richtig durchstarten“. Entscheidend dazu beitragen soll ihr zweites Studioalbum „Tangled Simplicity“, welches diesen Oktober veröffentlicht wurde.

Kaum in Worte zu fassen

Darauf zu hören ist die ganze Bandbreite des vielfältigen „HI5“-Klanguniversums. Den Vieren fällt es sichtlich schwer, ihre Musik in Worte zu kleiden, auch wenn sie sich immerhin auf das Genre „Minimal Jazz Chamber Music“ geeinigt haben. „Unser Sound hat sehr viel von Klangmalerei“, erklärt Gitarrist Philipp Ossanna. „Wir erzeugen eine Atmosphäre, in der die Instrumente ihre volle Wirkung entfalten können“. Dies lasse auch Raum für überraschende Wendungen. „Immer wieder passieren Dinge, auf die die Zuhörer nicht gefasst sind“, meint Ossanna. „Wir bedienen uns sehr vieler stilistischer Ausdrucksformen“.

Sich immer wiederholende, minimalistische Motive spielen meist eine tragende Rolle im Klangkonstrukt von „HI5“. Darauf aufbauend entstehen komplexere Melodien und Rhythmuswechsel, die aber selten überheblich wirken. „Bei uns steht kein Bandmitglied im Vordergrund, wie bei vielen anderen Jazzensembles“, erklärt Bassist Clemens Rofner. „Wir spielen auch keine Standards, sondern nur unsere Eigenkompositionen“.

Internationale Auftritte als großes Ziel

Großes Ziel der Band ist es, künftig auch auf internationalen Jazzfestivals die Zuhörer zu begeistern. „Wir wollen in jedem Land die Joe-Zawinul-Preise abräumen“, witzelt Vibrafonist Matthias Legner. „Nein, im Ernst: Das wichtigste ist, dass wir in coolen Locations auftreten können.“

Im Rahmen ihrer Album-Release-Tour spielen „HI5“ immerhin in renommierten Konzertstätten wie dem Porgy&Bess in Wien, der Miles Jazzbar Graz oder dem Innsbrucker Treibhaus. Doch auch abseits ihrer derzeitigen Österreich-Tour geizt das Quartett nicht mit Auftritten. 18 Mal standen die Musikstudenten heuer bereits gemeinsam auf der Bühne, für ein finanzielles Auslangen reicht dies freilich nicht. „Jeder von uns hat andere musikalische Projekte, mit denen er Geld verdient. Zudem sind wir alle auch Musiklehrer“, betonen die vier. „Die ganz große Leidenschaft gilt aber HI5“.

Termine der aktuellen „HI5“-Tour

27.Oktober :: Kulturverein Turnverein Mödling 21:00

28.Oktober :: Porgy & Bess Wien / Strenge Kammer 19:00 Uhr

30. Oktober :: JazzIt Salzburg 21:00

31. Oktober :: Treibhaus Innsbruck 21:00

1. November :: Miles Jazzbar Graz 21:00

2. November :: Altes Kino Landeck 20:30 (& Funky Weibs)

Das Album „Tangled Simplicity“ ist erhältlich unter www.hi5music.at oder beim Label Sessionworkrecords

drucken