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TV-Tipp

Suter-Bestseller auf dem Bildschirm: Die ihre Seele verkaufen

Erstmals wurden zwei Krimis des Schweizer Bestsellerautors Martin Suter verfilmt - weitere sollen folgen. Das ZDF bietet mit „Der Teufel von Mailand“ und „Der letzte Weynfeldt“ hochkarätig besetzte Unterhaltung auf gepflegtem Niveau.

Von Ulrike Cordes

Berlin – Vom Teufel bekommt man nichts umsonst. „Was ist dein Preis?“, fragt das Mädchen Ursina, das Reichtum und Schönheit von ihm erbeten hat. Und hört als Antwort einen Abzählvers, der es das Fürchten lehren wird. Diese angeblich uralte Engadiner Sage hat sich der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter (64) selbst ausgedacht und raffiniert in seinen in der Gegenwart spielenden Krimi „Der Teufel von Mailand“ (2006) verwoben. Wie seinen ebenfalls in hoher Auflage erschienenen Roman „Der letzte Weynfeldt“ (2008) bringen ihn ZDF und Schweizer Fernsehen SFR in Koproduktion mit C-Films, Zürich, und Network Movie GmbH, Köln, nun auf den Bildschirm.

Es sind die ersten Adaptionen von Suter-Romanen überhaupt - weitere sollen folgen. Beide Filme bieten hochkarätig besetzte Fernsehunterhaltung auf gepflegtem Niveau. Die gruseligen Engadin-Geschichte (22. Dezember, 21.45 Uhr) inszenierte Markus Welter nach dem Drehbuch von Thomas Berger mit Regula Grauwiller, Ina Weisse und Max Simonischek in den Hauptrollen. Beim eher tragikomischen Zürcher Kunstszene-Krimi (5. Jänner, 21.45 Uhr) agieren Stefan Kurt und Marie Bäumer unter der Regie von Alain Gsponer nach dem Script von Alexander Buresch. Trotz aller Unterschiedlichkeit spielt in beiden Werken eine unterschwellig-wesentliche Rolle das Suter-Thema einer Gesellschaft, die für Gold, Geld und Ansehen ihre Seele verkauft.

Mit dem „Teufel von Mailand“ durch die Psychohölle

„Der Teufel von Mailand“ erzählt von der Identitätskrise der jungen Physiotherapeutin Sonia, die nach unglücklicher Ehe in einem Berghotel namens „Castell“ arbeitet, um Abstand und Ruhe zu gewinnen. Stattdessen wird sie nachts von Alpträumen geplagt, in denen ihr Ex-Mann sie mit einer Pistole bedroht. Außerdem versetzen ein Baum, der seine Blätter verliert, glühende Leuchtstäbe im Swimmingpool, der Tod ihres Wellensittichs und ein Teufelszeichen auf dem Auto von Gästen aus Mailand sie in Panik. Sind es Botschaften ihres reichen einstigen Banker-Gatten, der mittlerweile in einer geschlossenen Anstalt sitzt und den seine Mutter unbedingt frei kaufen möchte? Und wem im Hotel darf sie überhaupt trauen?

Vor allem dank der sensibel-ausdrucksstarken Hauptdarstellerin Grauwiller, die man auf ihrem Weg durch die Psychohölle fasziniert begleitet, und der atmosphärischen Dichte im wie versteinert wirkenden alpinen Val Grisch gerät Welters Film zum ziemlich aparten Fernsehvergnügen. Nicht thematisiert - möglicherweise weil zu kompliziert - wird hier allerdings ein Hauptaspekt des 2007 mit dem wichtigen Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichneten Buchs: die Synästhesie der hochempfindlichen Heldin, die also physisch von einander getrennte Bereiche, etwa Farbe und Temperatur, gekoppelt wahrnimmt.

„Der letzte Weynfeldt“ lädt zum Schmunzeln ein

Eher schon mal zum Schmunzeln lädt Anfang Januar „Der letzte Weynfeldt“ ein. Den Titelhelden zeichnet Theaterstar Stefan Kurt fein und präzise wie ein Schweizer Urwerk als überkultivierten, über einer Bank wohnenden Sohn einer wohlhabenden Familie, Kunstsachverständigen und Kunstsammler. Dass auch in der wohl geordneten Welt dieses alleinstehenden Erben von Mitte 50 nicht alles Gold ist, was glänzt, erweist sich auf makabre Weise, als die junge, schöne, mit krimineller Energie ausgestattete Lorena (Bäumer) in sein Leben platzt. Ein Wiedersehen mit der 87-jährigen Burgtheater-Größe Annemarie Düringer und dem im Januar gestorbenen Charaktermimen Vadim Glowna verleiht hier den Kunstgenuss echten Glanz.

Ulrike Cordes ist Korrespondentin der dpa.