Archiv

Letztes Update am In House / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

TT-Wunschkonzert

Frühlingsluft im Raucherzimmer

Die Tiroler Band TOI will mit Pitztaler Mundart Österreich erobern. Bei ihrem TT-Wunschkonzert im Treibhaus-Fumoir machte sie das Regenwetter mit dem Gute-Laune-Song „Langezluft“ vergessen.

drucken

Text: Simon Hackspiel, Video: Silvana Resch

Innsbruck - Zuerst Föhn, dann auch noch Regen. Spätestens am Treffpunkt Franziskanerplatz wird klar: Der Plan der Tiroler Mundartband TOI, ihr TT-Wunschkonzert im Stile von Straßenmusikern in der Innsbrucker Innenstadt abzuhalten, fällt an diesem Maitag ins Wasser.

Dabei sind Bandleader Stephan Mathoi und seine Mannen ausgerückt, um mit einer Unplugged-Version ihrer aktuellen Single „Langezluft“ (Pitztalerisch für Frühlingsluft) die Leichtigkeit des Seins in der Blütezeit zu besingen. Statt unter freiem Himmel stehen die vier wenig später aber dicht aneinandergedrängt in einer Ecke des Treibhaus-Fumoirs, das spontan als Zufluchtsstätte vor Wind und Wetter dient. Und kaum stimmen Alexander Goidinger (Akkordeon), Philipp Hager (Cajon), Wolfgang Henn (Kontrabass) und eben Stephan Mathoi (Gesang, Gitarre) die ersten Töne von „Langezluft“ an, ist die Enttäuschung wie weggeblasen. Der Gute-Laune-Song sorgt zumindest im Raucherzimmer für ein kleines Frühlingserwachen.

„Mundart die ehrlichste Art zu texten“

„Mundart ist für mich die ehrlichste Art zu texten“, meint der aus Wenns im Pitztal stammende Mathoi im Anschluss an den Videodreh. Im Mittelpunkt steht für den 32-Jährigen die kritische Auseinandersetzung mit dem Alltag im Tiroler Oberland, gepaart mit jeder Menge Humor und Wortwitz. Zwischen den Zeilen blitzt aber auch Stolz auf die Heimat hervor. „Ich teile nicht nur aus, sondern identifiziere mich auch mit meiner Herkunft“, betont Mathoi. „Man wächst eben mit gewissen Stereotypen auf und die nimmt man ins Leben mit, ob man will oder nicht.“

Dass TOI durch den Dialekt engere Grenzen als anderen Bands gesetzt sind, glaubt der mittlerweile in Innsbruck lebende Liedermacher nicht. „Der Holstuoanermusigbigbandclub war trotz des extremen Vorarlberger Dialekts ganz vorne in den Charts“, meint Mathoi. „Mundart steht in Österreich zum Glück wieder höher im Kurs.“ Nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums „Warum it“ im Vorjahr, ist ein großes Ziel der Band nun auch Konzerte außerhalb Tirols zu spielen.

Ein Hauch von Kabarett

Dabei steht der kommerzielle Erfolg nicht unbedingt im Mittelpunkt. Es ist der Spaß am gemeinsamen Schaffen, der die Bandmitglieder antreibt. Geblödelt wird ständig bei TOI, was sich auch bei den kabarettistisch angehauchten Live-Gigs bemerkbar macht. „Wir improvisieren sehr viel und überraschen uns dadurch auf der Bühne immer wieder gegenseitig“, erklärt Schlagzeuger Philipp Hager. „Live moderiert und singt zudem jeder von uns und bringt seinen Dialekt ein.“ So wird ein breites sprachliches Abbild Tirols geboten – schließlich ist die Herkunft der Bandmitglieder mit Reutte (Henn), Zams (Goidinger) und Buch bei Jenbach (Hager) weit gestreut. Dominant bleibt jedoch Mathois Pitztaler Sprachgewalt.

Auf die Mundart allein wollen sich TOI – deren Musikstil sich zwischen Pop, Rock, Soul und Blues bewegt - nicht reduzieren lassen. Weitere Charakteristika seien „der mehrstimmige Gesang und die ungewöhnliche Besetzung“, wie Alexander Goidinger, der für gewöhnlich Fender Rhodes Piano spielt, unterstreicht. Und mit den Beatles, David Bowie und der Dave Matthews Band nennen die Bandmitglieder, die allesamt klassische Musik bzw. Jazz studiert haben, vor allem internationale Vorbilder.

Die nächste Gelegenheit, TOI live zu erleben, bietet sich diesen Freitag (7. Juni) im Alten Kino Landeck. Gemeinsam mit der Hopfgartner Reggae-Band Rebel Musig Crew bestreiten sie dort ein „Oberland-Unterland-Gipfeltreffen“. Und weil es am Freitagabend schon wieder regnen soll, muss TOI wohl erneut für die nötige „Langezluft“ sorgen.

Weitere Konzerttermine und Infos unter www.toi-music.at

---------------------------------------

Fünf Fragen an: Stephan Mathoi, TOI

Wie habt ihr euch als Band zusammengefunden?

Stephan Mathoi: Ich hatte schon länger die Idee zu einem Mundartprojekt im Pitztaler Dialekt, Ende 2010 war es dann soweit. Mit Philipp Hager habe ich schon in anderen Bands zusammengespielt, von daher war er mein Schlagzeuger erster Wahl. Dann wollte ich einen unkonventionellen Bandsound mit Akustikgitarre, Fender Rhodes Keyboards und Kontrabass. Da habe ich mit Alexander Goidinger und Wolfgang Henn die größten Kapazunder der Tiroler Szene an Bord geholt. Dass alle singen können, drückt dem Bandsound nochmal den Stempel auf.

Bestimmte Songs von mir, wie zum Beispiel Langezluft sind schon während meiner Gymnasialzeit entstanden, also schon vor über zehn Jahren. Aber einige Songs sind natürlich auch während der Bandzeit entstanden und wir sind weiter fleißig beim Entwickeln.

Was waren die wichtigsten Schritte in der Bandentwicklung?

Mathoi: Sicher unser Album und der Videodreh zu Langezluft. Zudem haben wir in Tirol bereits an sehr interessanten Locations gespielt. Auch hier im Treibhaus hatten wir schon drei Auftritte.

Was hat dich zum Dialekt-Texten inspiriert?

Mathoi: Einerseits sicher die Fasnacht in meinem Heimatort Wenns, mein Vater ist dort Leiter der Labera. Ich selbst bin mittlerweile musikalischer Leiter dieser Fasnachtsgruppe. Aber auch die Kölner Musikszene hat mich angeregt. Weil meine Mutter aus Köln ist spreche und verstehe ich auch den dortigen Dialekt. Die Kölner haben einen riesigen Fundus an Mundartbands.

Wie siehst du die Tiroler Musikszene?

Mathoi: Ich finde, dass Tirol sehr gut aufgestellt ist für die Größe und Einwohnerzahl. Speziell Innsbruck hat einen guten Kulturkalender auch abseits der großen Veranstaltungen. Auch am Land gibt es viele Kulturvereine die wirklich mit Herzblut dabei sind. Wenn man was zu bieten hat, wird man auch gebucht, das passt gut. Und auch die Tiroler Musikszene ist voll im Aufwind, die Qualität steigt mit jedem Jahr.

Wie sieht es mit der Zukunftsplanung aus?

Mathoi: Langfristige Planungen gibt es nicht wirklich, aber 2014 wollen wir auf ein neues Album losgehen. Jetzt freuen wir uns erst einmal auf den Gig am 7. Juni in Landeck gemeinsam mit der Unterländer Rebel Musig Crew. Im Oktober spielen wir beim Tiroler Tag in Silz mit Mother`s Cake und Kawumm.

drucken