Wenn mehr brennt als die Kerzen
Löschtipps
Pulver- und Schaumlöscher Pulverlöscher frieren im Vergleich zu Schaumlöschern nicht ein und sind bei Fettbränden anwendbar. Allerdings liegt der Staub wie Nebel im Raum, wird eingeatmet und reizt Schleimhäute und Atemwege. Löschschaum hingegen ist ungefährlich, da der Schaum stark verdünnt ist und nur drei Prozent der Füllung des Feuerlöschers beträgt. Die Wirkung besteht darin, dass der Schaum dem Wasser die Oberflächenspannung nimmt, was für mehr Tiefenwirkung sorgt und das Feuer erstickt.
Wenn es wirklich brennt, rät Schöpf zu löschen, wenn man sich dazu im Stande sieht. Allerdings sterben 70 Prozent der Brandopfer an den Gasen. Beginnt man zu husten und die Augen brennen, sollte man den Raum verlassen und die Feuerwehr (112) verständigen. Das Fenster solle man erst öffnen, wenn das Feuer bezwungen ist, da sonst Sauerstoff und Luftzug eindringen, was das Feuer fördert.
Von Judith Sam
Telfs – Nur 20 Sekunden dauert es, bis ein ausgetrockneter Christbaum gänzlich in Flammen steht. Eine Sache ist es, theoretisch zu wissen, wie man im Ernstfall dann vorgehen soll. Eine andere, wirklich Feuer vor sich lodern zu sehen, den brennenden Rauch zu riechen und dabei rasch und sicher bei der Brandbekämpfung vorzugehen.
Denn ich will näher ergründen, wie man als Laie in so einem Fall am besten vorgeht. Drei in Brand geratene Adventkränze gilt es auf verschiedene Art und Weise zu löschen – allerdings unter der fachmännischen Aufsicht von Gerhard Schöpf, Ausbildner an der Landesfeuerwehrschule Tirol. Dafür haben wir uns im Brandhaus bei der Landesfeuerwehrschule in Telfs getroffen, das für Löschschulungen errichtet worden ist.
„Das Löschen mit Wasser ist effektiv und hinterlässt keinen großen Schaden“, gibt Oberlöschmeister Schöpf gleich einen guten Tipp, während er nicht nur die Kerzen, sondern den gesamten Kranz in Flammen aufgehen lässt. Während ich skeptisch die Rauchentwicklung betrachte und mit dem Kübel schon in löschbereiter Haltung lauere, plaudert der Feuerwehrmann sehr entspannt. „Wie schnell ein Kranz oder Baum in Flammen aufgeht, hängt von den Ölen in dessen Nadeln ab“, berichtet er. Ich hadere schon, ob wir wegen der beachtlichen Rauchentwicklung langsam in Gefahr sein könnten, als mir der Ausbildner das Zeichen zu löschen gibt. Schon schwappen mehrere Liter Wasser über den Kranz.
Deprimierend sieht es aus, das Gesteck. Wasser perlt von den verkohlten Nadeln, die Kerzen hängen verkrümmt herab. Aber nicht das geringste Zeichen von Glut ist noch zu entdecken. „Wasser löscht ausgezeichnet“, sagt Schöpf. „Allerdings ist das eigentliche Problem im Normalfall nicht nur der Kranz, sondern Tischdecken darunter, Servietten oder Dekoration daneben.“
Um auf Nummer sicher zu gehen, ist der Einsatz von Feuerlöschern ebenso ratsam. Wieder wäre jeder Pyromane neidisch auf Schöpf, als der beginnt, den nächsten Kranz von unten her anzuzünden. „Ich empfehle privaten Haushalten einen 6-Liter-Schaumlöscher, der übrigens wie jeder andere Löscher alle zwei Jahre gewartet werden muss. Ab einer Heizungsgröße von 7,5 Kilowatt ist ein Feuerlöscher gesetzlich vorgeschrieben“, weiß Schöpf.
Ich wuchte einen 13 Kilogramm schweren Feuerlöscher hoch, ächze laut und muss mich orientieren, wie man ihn anwendet. Ich zupfe angestrengt am Sicherungsstift, bis sich die Plombierung löst. Langsam verlässt mich die Kraft, den schweren Löscher hochzustemmen. Doch endlich habe ich die Sicherung überwunden und den Schlauch im Anschlag. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen, triumphiere ich, ziele und drücke ab. Von wegen nichts schiefgehen! Wäre ich zuhause, stünde jetzt meine Wohnung in Brand. Die Wucht des Schaumaufpralls hat nämlich den Kranz vom Tisch gefegt. Kerzen nach unten liegt er am Boden und glimmt noch leicht auf der schaumfreien Seite. Ein Teppich darunter würde reichen und die Flammen würden sich ausbreiten. Mein Feuerlöscherstolz ist versiegt. Die Flammen mittlerweile, nach dem zweiten Löscheinsatz, auch.
Als ich meine nächste Löschvariante offenbare, schaut der Oberlöschmeister nicht begeistert. „Decken sind sehr schlecht zum Löschen“, nennt Schöpf den Grund. Ich beharre allerdings darauf, dass eine Decke im Notfall besser sei als nichts.
Sekunden später brutzelt Kranz drei vor mir und mich beschleicht langsam doch die Sorge, ob ich wirklich versuchen sollte, die Flammen mit der Decke zu ersticken. „Wofür steht ein Löschprofi neben mir?“, denke ich und decke den Kranz mit den züngelnden Flammen ab. Allerdings habe ich das etwa acht Zentimeter große Loch in der Decke unterschätzt. Die Flammen lodern empört auf und machen sich gierig über die Decke her. Es raucht wie nie zuvor. Rasch schütte ich dieselbe Menge Wasser wie beim ersten Versuch darüber. Das Ergebnis ist ernüchternd: Unser Flammenfutter ist nur etwa zu einem Drittel gelöscht. Die löchrige Decke war also extrem kontraproduktiv.
Doch zum Glück steht Schöpf bereit, er löscht auch die beharrlichsten Flammen. Und ist über eines froh: „Wenn man die verheerende Wirkung von Feuer sieht, ist es gut zu wissen, dass immer mehr Menschen zu Weihnachten elektrische Beleuchtung verwenden.“



