21.01.2012, 08:27  Aktualisiert: 21.01.2012, 11:10 
Kino-Kritik

Das stumme Kinowunder in Schwarz-Weiß: „The Artist“

Michel Hazanavicius lässt mit Komödie „The Artist“ die Stummfilm-Ära wieder auferstehen.
Der Stummfilm „The Artist“ des französischen Regisseurs Michel Hazanavicius konnte drei Golden Globes einheimsen und ist einer der Oscar-Favoriten.
Foto: Filmladen
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Von Axel Schock/dapd

Berlin - Es überrascht nicht wirklich, dass Michel Hazanavicius mit seiner Idee für „The Artist“ lange Zeit nur Kopfschütteln erntete. In Zeiten von 3D-Technik, Dolby-Stereo-Sound und digitalen Bildeffekten einen altmodischen Stummfilm in Schwarz-Weiß drehen zu wollen, hielten die Produzenten reihenweise für ein reines Liebhaberprojekt und damit für eine wenig einträgliche Investition.

Doch sie haben sich getäuscht: Seit der Uraufführung von „The Artist“ bei den Filmfestspielen von Cannes reist der Film um die Welt, entzückt Publikum und Presse und sammelt Preise im Dutzend. Hauptdarsteller Jean Dujardin konnte im Mai bereits die Goldene Palme in Empfang nehmen, danach folgten Auszeichnungen auf zahlreichen anderen Festivals. Bei der Golden-Globe-Verleihung gingen gleich drei Preise an das kleine Kinowunder. Längst gilt „The Artist“ als Oscar-Anwärter in gleich mehreren Kategorien.

Seine Produktionskosten von geschätzt neun Millionen Euro hat der Film alleine in Frankreich bereits locker eingespielt. Mit leichter Hand wischte Regisseur Hazanavicius das Vorurteil beiseite, Stummfilme seien grundsätzlich langweilige und allenfalls für filmhistorisch interessierte Cineasten ein Vergnügen.

Die Magie des Kinos in ihrer Urform

Zeitlich ist „The Artist“ in jener Umbruchphase angesiedelt, in der die Stummfilme von den zunächst verlachten „Talkies“ abgelöst werden. Noch ist George Valentin (Jean Dujardin) ein Star der Branche und lässt sich vom Publikum als Darsteller draufgängerischer Abenteurer und galanter Frauenschwarm feiern. Sein Produzent (John Goodman) allerdings sieht bereits die neue Ära heraufziehen, mit neuen Gesichtern, neuen Stars - und Schauspielern die auf der Leinwand auch zu hören sind.

Und während Valentins Karriere wie auch seine Ehe zerbrechen und er zuletzt bettelarm auf der Straße steht, klettert parallel das Starlett Peppy Miller (Hazanavicius‘ Lebensgefährtin Bérénice Bejo) die Karriereleiter hinauf zum neuen Lieblings Hollywoods.

„The Artist“ ist nicht nur eine tiefe Verbeugung vor einer längst vergangenen Epoche des Films, sondern zugleich auch deren Wiederauferstehung. Die Techniken und besonderen Eigenschaften des Stummfilm-Kinos, etwa das expressive Spiel, der Einsatz der Zwischentitel oder die ausdrucksvolle Filmmusik, imitierte Hazanavicius stilsicher und perfekt.

Der Zauber, den der Film durch seine prägnant erzählte Handlung und die liebevoll ausgestattete Inszenierung ausstrahlt, ist allerdings nicht allein auf schlichte Nachahmung zurückzuführen. Seinen Charme bezieht „The Artist“ auch daraus, dass er den Zuschauer auf nostalgische Weise vor Augen führt, über welche Magie der Film in seiner Urform verfügt, und wie man mit vermeintlich einfachen Mitteln den Kinosaal in einen Ort reinen, unbeschwerten Glücks verwandeln kann. (dapd)

(„The Artist“, Komödie, Frankreich 2011, 100 Minuten, FSK: ohne Einschränkung, Regie: Michel Hazanavicius, Darsteller: John Goodman, James Cromwell, Penelope Ann Miller, Jean Dujardin, Bérénice Bejo u. a., Verleih: Delphi Filmverleih)

Kinostart: 26. Januar 2012

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Sa, 21.01.2012  08:27
aktualisiert: Sa, 21.01.2012  11:10
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