Die neue Angst der Kirche vor den Laien
Wir erinnern uns an das Kirchenvolksbegehren von 1995, an die jüngste Pfarrerinitiative „Aufruf zum Ungehorsam“ mit mehr als 300 Pfarrern, und nun das: Laien – u. a. Mitinitiatoren und -initiatorinnen der Plattform „Wir sind Kirche“ – proben in Tirol den Aufstand des Ungehorsams und feiern privat Eucharistie. Allen voran viele Frauen. Sie tun das seit Jahren. Eine verbotene Sache. Im Prinzip aber eine menschliche Reaktion. Diese Gläubigen schützen etwas, das ihnen wichtig ist: die Zukunft der Kirche. Sie verstoßen im klaren Bewusstsein gegen die Regeln. Sie wollen bewegen. Und sehen ihr Bemühen gefangen in einem Dilemma.
Denn bis dato hat die Kirchenleitung in den letzten 15 Jahren jegliche Form von Reform- und Widerstandsgeist mit stoischer Haltung abprallen lassen. Dieser kirchliche Starrsinn rächt sich nun. Man kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass breite Teile der Gesellschaft wegen Eucharistiefeiern von Laien nicht aus der Kirche austreten werden. Genauso wenig wie Menschen nicht austreten, weil bei Messen Geschiedenen und Wiederverheirateten die Eucharistie gegeben wird. Oder weil Pfarrer Frauen und Kinder haben, zu denen sie stehen.
Nein, das stört die Menschen alles nicht. Auch Hunderte von der Kirche geweihte Männer (Pfarrerinitiative) nicht. Trotz allem ist die Hoffnung gering, dass sich die Kirche ob der heimlichen Eucharistiefeiern in Bewegung setzt. Eher wird sie das tun, worin sie geübt ist: mit Drohgebärden reagieren.
Liane.Pircher@tt.com
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Publiziert am:
So, 11.09.2011
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