Ein ewiges Tauziehen um Skigebiete
Wenn die Tiroler Seilbahngrundsätze auf dem Prüfstand stehen, dann geht es um etwas Grundsätzliches. In den nächsten Wochen sollen sie evaluiert werden und damit beginnt wohl wieder das ewig junge Spiel. Forderungen nach neuen Skigebieten werden erhoben, bekannte Projekte wie Sillian-Sexten, die weitere Erschließung der Weißseespitze bzw. des Piz Val Gronda oder die Verbindung Axamer-Lizum/Schlick in die Waagschale geworfen.
Vielfach werden die Seilbahngrundsätze lediglich über Einzelinteressen definiert: Sollte ein gewünschtes Vorhaben nicht realisierbar sein, zieht man automatisch die Grundsätze in Zweifel. Das ist beim Golfplatzkonzept nicht anders. Dass bei Skigebietserweiterungen Lifte und Pisten in Schutzgebieten und tabu sind, dürfte einmal mehr für Debatten sorgen.
Insgesamt benötigt es eine ehrliche Diskussion und verbindliche Leitlinien. Ansonsten sind Seilbahngrundsätze das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen. Mit den 95 Skigebieten hat Tirol den Plafond erreicht und ist nach Ansicht vieler Experten damit nach wie vor international konkurrenzfähig. Neuerschließungen machen deshalb wenig Sinn. Viel entscheidender sind Investitionen in Qualität und Modernisierung der Aufstiegshilfen. Tirols Seilbahnunternehmer können hier mit Stolz auf ihre Vorreiterrolle verweisen. Im Vorjahr wurden wieder 245 Millionen Euro investiert.
Letztlich muss auch die Frage beantwortet werden, ob beispielsweise der Zusammenschluss von Lizum und Schlick den Eingriff in das Ruhegebiet Kalkkögel rechtfertigt oder ob es nicht gerade Tabuzonen benötigt. Und macht es tatsächlich Sinn, unrentable Skigebiete mit Millionenförderungen über Wasser zu halten? Familienfreundlichere Tarife würden weniger kosten und mehr bringen als Förderungen in ein Fass ohne Boden, die Land und Gemeinden überfordern.
Publiziert am:
Di, 06.04.2010



