Werte vermitteln, losgelöst von jeder Religion
Fast jeder dritte moslemische Volksschüler besucht keinen Religionsunterricht. Unter den Römisch-Katholischen ist der Anteil viel niedriger, nur in den Oberstufen der Gymnasien meldet sich jeder fünfte Schüler ab.
Unabhängig vom eigenen Glauben liegt die Ursache in den höheren Klassen auf der Hand. Eine Freistunde ist für viele verlockender als ein Religionsunterricht. Beim Islam wird meist vergessen, wie uneinheitlich die Vermittlung der Religion sein kann. Weiters wird dieser Unterricht oft außerhalb des Stundenplans angeboten.
Insgesamt steigt so die Zahl jener, die niemals einen Religionsunterricht besucht haben. Und das, obwohl die Gesellschaft multikultureller und -religiöser wird – mit all ihren Problemen. Ob dies das gegenseitige Verständnis im alltäglichen Umgang miteinander oder in speziellen Situationen betrifft. Letztendlich geht es dabei um Werte und Wertvorstellungen. Und mit diesen setzt man sich während eines Religionsunterrichts auseinander. Denn es geht nicht darum, die heiligen Schriften Gottes – unabhängig von der Konfession – Vers für Vers zu interpretieren.
Wenn die Grundlagen der eigenen Religion gelegt sind, steht die Betrachtung und der Vergleich mit anderen Religionen an. Und nicht zu vergessen die Entwicklung der Persönlichkeit in allen Facetten.
Und genau der Schule obliegt die Aufgabe, an der Entwicklung der Kinder nach sittlichen, religiösen und sozialen Werten mitzuwirken. Damit ist der Weg, den Landesschulratspräsident Hans Lintner beschreiten will, logisch: Ein verpflichtender Ethikunterricht für all jene, die sich vom Religionsunterricht abmelden.
Die Absegnung von Bundesseite dürfte sich schwierig gestalten. Schon vor zwei Jahren gab es diesen Vorstoß nämlich seitens der ÖVP. Die SPÖ will aber einen verpflichtenden Ethikunterricht bei Einschränkung des Religionsunterrichts. Die Diskussion wiederholte sich zum Jahresanfang. Und soll wohl nun über die Länder neu aufgerollt werden.
miriam.sulaiman@tt.com
Lesen Sie dazu mehr auf Seite 4
Verwandte Artikel:
Publiziert am:
Mo, 28.06.2010



