Tirol will an Kanadas Millionen
Von Max Strozzi
Innsbruck – Nach den jüngsten Diskussionen über das Budget für die Olympischen Jugendspiele 2012 in Innsbruck hat sich Tirols Landeshauptmann Günther Platter gestern klar zu den Spielen bekannt. „Ich halte nichts davon, wenn wir Erbsen zählen beginnen“, erklärte Platter. Das Controlling müsse freilich perfekt funktionieren. Zuletzt war bekannt geworden, dass das Budget von den ursprünglich anberaumten 15 Millionen Euro auf mittlerweile rund 20 Millionen klettern wird. Innsbrucks OK-Chef Peter Beyer kündigte dabei an, das IOC um eine höhere finanzielle Beteiligung an den Innsbrucker Jugendspielen zu bitten. Das soll nun bei einem Gespräch im kanadischen Vancouver im Rahmen der kommenden Olympischen Winterspiele passieren.
Dort, in Vancouver, will sich Tirol sowieso von seiner Schokoladenseite präsentieren. An drei Abenden will Tirol im Österreich-Haus in Whistler Mountain als Tourismusland und Wirtschaftsstandort Flagge zeigen, unmittelbar vor der Eröffnungsfeier dient ein bestehender Windpark der Firma Leitner als Bühne für eine groß angelegte PR-Aktion.
Für dieses Vancouver-Projekt hat die Tirol Werbung insgesamt 50.000 Euro veranschlagt, weitere knapp 7000 Euro fließen über den Cluster erneuerbare Energien, rund 20.000 Euro kommen als Förderung von der EU. Zudem hat man sich im Vorfeld mit einer sechsstelligen Summe an den Baukosten des Österreich-Hauses beteiligt, dieses Passivhaus wird nach Olympia von der Gemeinde Whistler für 300.000 Euro übernommen. „Das Haus muss ein Vorzeigeprojekt sein und alle sollen wissen, dass die Technik auch aus Tirol kommt“, so Platter.
Denn vor allem für die grüne Energiebranche mit Solar, Windkraft oder energieeffizientem Bauen sieht Platter in Kanada ein „große Chance für die Tiroler Wirtschaft“. Schließlich stünden in ganz Nordamerika erst 50 Passivhäuser. Das soll sich ändern, vor allem mit Know-how aus Tirol.
Der Kuchen scheint jedenfalls riesig. Umgerechnet 14 Milliarden Euro will Kanada in energiesparendes Bauen und grüner Infrastruktur investieren, rechnet Platter vor. Ein Potenzial, das Tiroler Firmen demnächst mit ihren Auftritten in Vancouver anzapfen sollen. Jährlich exportiert Österreichs Umwelttechnikbranche im Umfang von rund vier Mrd. Euro, davon insgesamt 200 Mio. Euro in die USA und nach Kanada. „Eine Erhöhung auf 300 bis 400 Mio. Euro in den nächsten Jahren ist realistisch und wir möchten einen möglichst großen Anteil davon nach Tirol holen“, schildert Harald Gohm, Chef der Tiroler Zukunftsstiftung.
Für den heimischen Tourismus gilt Ähnliches, wenngleich in anderen Größenordnungen. Der nordamerikanische Gast macht einen niedrigen einstelligen Prozentbereich der Nächtigungen aus. „Mit dem Auftritt in Vancouver soll Tirol als Wiege des Skisports verankert werden“, sagt Tirols Chefwerber Joe Margreiter.


