25.03.2011
Innsbruck

„Grüß Gott“ verboten? Schulbehörde ermittelt

Ein Innsbrucker Gymnasiallehrer sorgt für Aufregung: Er soll seinen Schülern untersagt haben, die Grußformel „Grüß Gott“ zu verwenden. Die Schulaufsicht untersucht.

Von Peter Nindler

Innsbruck – Aus seiner Einstellung macht der langjährige Lehrer an einem Gymnasium in Innsbruck keinen Hehl. In einer säkularisierten Gesellschaft habe seiner Ansicht nach Religion Privatsache zu sein, religiöse Symbole und Riten gleich welcher Richtung hätten deshalb in öffentlichen Institutionen nichts zu suchen. Das teilte er in den vergangenen Tagen in einem Leserbrief mit. Doch seine Weltanschauung sorgt jetzt für heftige Debatten, der Landesschulrat hat sich ebenfalls eingeschaltet. Denn ein Ehepaar, das seinen Sohn trotz bester Schulleistungen vor zwei Jahren aus dem Innsbrucker Gymnasium genommen hat, erhebt massive Vorwürfe gegenüber dem Pädagogen. „Es darf nicht sein, dass ein Lehrer ungebremst seine persönliche Weltanschauung zur Norm erhebt.“ Schließlich soll der Professor aufgrund seiner Einstellung seinen Schülern im Unterricht einfach die Begrüßung „Grüß Gott“ untersagt haben.

Für diese Vorgehensweise des Professors hat das Paar aus Völs kein Verständnis. „Er fordert von allen Toleranz ein, ist aber selbst gegenüber anderen Wertvorstellungen unglaublich intolerant“, erzählt der Völser. Die fundamentalen, degradierenden und antichristlichen Agitationen, die der Lehrer auch regelmäßig den Schülerinnen und Schülern im Unterricht nahebringe, seien ein wesentlicher Grund dafür gewesen, „dass wir unser Kind aus dem Gymnasium herausgenommen haben“.

Auf die Frage, welche Begründung der Lehrer gegen „Grüß Gott“ ins Treffen führt, betont der Vater des ehemaligen Schülers: „Er hat den Kindern erklärt, dass Fabelwesen nichts in einer Grußformel zu suchen haben.“ Für ihn, so der Völser, sei es höchst an der Zeit, dass Schulleitung und Landesschulrat als pädagogische Aufsichtsbehörde diese Art der Einflussnahme auf die Kinder hinterfragen.

Das geschieht bereits heute. Denn wie der Direktor des Landesschulrats für Tirol, Reinhold Raffler, auf Anfrage erklärt, wird sich die Schulaufsicht mit den erhobenen Vorwürfen auseinandersetzen und den betroffenen Lehrer dazu befragen. Gegenüber der TT wollte dieser keine Stellungnahme abgeben. Mit „Kein Kommentar“ antwortete der Gymnasialprofessor empört und unwirsch auf die gegen ihn erhobene Kritik.

„Mit dem Lehrer wird ein Gespräch geführt, das ist auch die Aufgabe der Schulaufsicht“, betont Reinhold Raffler. Der Landesschulratsdirektor stellte jedoch für die Tiroler Schulen allgemein klar, „dass es einfach lächerlich wäre, Schülern die Grußformel ‚Grüß Gott‘ zu verbieten“. Mehr wollte Raffler zum jetzigen Zeitpunkt dazu nicht sagen, „schließlich steht die Aussprache erst bevor“.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 25.03.2011
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