06.08.2011
Wissen

Damit Tirol drin ist, wo Tirol draufsteht

Mit einem an der Uni Innsbruck entwickelten Test können Qualitätsprodukte von der billigen Konkurrenz schnell und effizient abgegrenzt werden.

Von Simon Zangerle

Innsbruck – Heimische Produzenten wollen immer stärker mit regionalen Produkten und Qualität punkten, die Konsumenten erwarten gleichzeitig, dass auch drinnen ist, was draufsteht. „Gewachsen und veredelt in Tirol“ – mit diesem Slogan wirbt etwa die Agrarmarketing Tirol. Bisher konnten aber nur aufwändige Analysen die Zusammensetzung der Lebensmittel nachweisen. Christian Huck vom Institut für Chemie der Uni Innsbruck hat dieses Problem mit seiner Forschergruppe nun behoben: „Mit Hilfe der Nah-Infrarot-Spektroskopie kann die Herkunft und Qualität heimischer Produkte schneller und kostengünstiger als bisher überprüft werden“, sagt Huck.

Ob Wein und Äpfel aus Südtirol oder Fleisch und Milchprodukte von Nordtiroler Bauern: Mit der neuen Methode können in nur wenigen Sekunden die physikalischen und chemischen Bestandteile von Lebensmitteln bestimmt werden. Damit wird etwa klar, ob ein Tiroler Jahrling tatsächlich von einem Bergbauern stammt. An einem Apfel hingegen interessiert die Wissenschafter vor allem der Wassergehalt, die Festigkeit und Stärke. Mit einem 20.000 Euro teuren Gerät, das im Aussehen einem Haarföhn ähnelt, sind diese Messungen möglich.

Doch wie funktioniert das neue Analyseverfahren? Die Inhaltsstoffe werden mit einem so genannten Spektrometer bestimmt, der Infrarotlicht aussendet. „Das Licht trifft direkt auf die Probe und regt bestimmte vorhandene Moleküle zum Schwingen an. Jener Anteil des Infrarotlichts, der zurückreflektiert wird, gelangt in einen Detektor. Am Computer erhalten wir dann ein Spektrum“, erklärt Huck die Funktionsweise dieser neuen Methode. Auf diese Weise wird quasi ein Fingerabdruck der Lebensmittel angelegt. Damit steht ein modernes Messverfahren zur Verfügung, mit dem Tiroler Produkte gegenüber billiger produzierten Konkurrenten schnell abgegrenzt werden können, sagt der Wissenschafter. Die neue Methode ist nicht nur wesentlich effizienter, sondern hat noch einen weiteren Vorteil: „Die Proben können nach dem Test problemlos konsumiert werden“, sagt Huck.

Die Bedeutung der neuen Analysemethoden für die heimische Wirtschaft kennt auch Wendelin Juen, Geschäftsführer der Agrarmarketing Tirol: „Mit dem neuen Verfahren kann der besondere Wert regionaler Produkte im alpinen Raum mit wissenschaftlichen Kriterien nachgewiesen werden.“ Bereits im Jahr 2006 hat die Agrarmarketing in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Forschungszentrum Laimburg erste Schritte zur Bestimmung der Herkunft von Lebensmitteln gestartet. Aus dieser Zusammenarbeit ist das mit 800.000 Euro dotierte Projekt „OriginAlp“ im Rahmen des Interreg IV Programms der EU entstanden. Die Forschungsarbeiten werden u. a. daraus finanziert.

Die Wissenschafter tüfteln inzwischen an einer Vision: Die Analyse von Lebensmitteln soll in Zukunft über das iPhone mit einer passenden App allen Interessierten zugänglich sein.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 06.08.2011
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