14.09.2011
International

Jugend hakt ihre Ausbildung zu früh ab

Österreichs Schüler und Lehrer haben es im internationalen Vergleich gut, das Bildungsniveau jedoch hinkt hinterher.
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Bildungsbeteiligung

Wien – Es läuft nicht alles schlecht im österreichischen Bildungssystem, doch das Ergebnis ist nach wie vor alles andere als zufriedenstellend. Das ergibt die Studie „Bildung auf einen Blick 2011“, die gestern von der OECD veröffentlicht wurde. Die Daten beziehen sich auf 2008 bzw. 2009.

1Schüler: Österreichs Kinder sitzen in kleineren Klassen und zudem kürzer in der Schule als viele Gleichaltrige in anderen Industriestaaten. So müssen 7- und 8-Jährige 59 Stunden weniger die Schulbank drücken als Gleichaltrige im OECD-Schnitt. Bei den Neun- bis Elfjährigen sind es immerhin noch 27 Stunden weniger Schule. Länger ist dafür die Pflichtunterrichtszeit für die Zwölf- bis 14-Jährigen, und zwar um 40 Stunden.

Die durchschnittliche Klassengröße liegt in österreichischen Volksschulen bei 18,9 Kindern (OECD: 21,4). Im Sekundarbereich I – das sind die Hauptschulen und die AHS-Unterstufen – saßen durchschnittlich 22,5 Kinder in einer Klasse (OECD: 23,7). Auch über ein recht gutes Betreuungsverhältnis dürfen sich Österreichs Schüler freuen: In der Volksschule teilen sich 12,6 Kinder einen Lehrer (OECD: 16), in der Sekundarstufe 9,9 (13,5).

2Lehrer: Auch Österreichs Hauptschul- und AHS-Lehrer haben es im internationalen Vergleich gut. Zwar ist ihre vertragliche Gesamtarbeitszeit mit 1776 Stunden im Jahr höher als die vieler Kollegen in anderen Ländern, doch die reine Unterrichtszeit ist kürzer. Sie stehen bis zu 94 Stunden weniger vor den Kindern in der Klasse als im Durchschnitt.

Die Einstiegsgehälter der österreichischen Lehrer liegen zwar nur knapp über dem OECD-Schnitt, dafür sind die Höchstgehälter deutlich höher als in anderen Industriestaaten: Volksschule: 48.154 Dollar und Sekundarstufe I: 63.781 Dollar (kaufkraftbereinigt).

3Bildungsbeteiligung: Weniger erfreulich schneidet Österreich bei der Bildungsbeteiligung ab. Österreich liegt da im hinteren Viertel: Jeder Fünfte der 15- bis 19-Jährigen hat seinen Bildungsweg schon beendet (20,6 Prozent). Zu viele, wie Andreas Schleicher von der OECD meint. Ein höherer Anteil wäre für ihn erstrebenswert, „denn heute ist es besonders wichtig, Grundlagen zu lernen“, sagt er. In Belgien, Irland, Polen und Slowenien sind noch über 90 Prozent der 15- bis 19-Jährigen in irgendeiner Form in Ausbildung.

Positives vermeldet die OECD dafür bei der Gruppe der Drei- bis Vierjährigen. Hier war 2008 noch kritisiert worden, dass Österreich bei der vorschulischen Bildung, (Kindergarten) noch hinterherhinke. Jetzt liegt der Anteil mit 72,3 Prozent sogar über dem Schnitt von 70,1 %.

5Bildungsausgaben: Österreichs Ausgaben für die Bildung sinken, statt zu steigen. Gemessen an der Wirtschaftsleistung liegen sie mit 5,4 Prozent unter dem OECD-Schnitt von 5,9 Prozent und sind zudem klar hinter dem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts zurückgeblieben, und das zudem stark. Österreich räume der Bildung keine Priorität ein, zieht die OECD daraus einen bitteren Schluss. Die Rückgänge sind vor allem auf Einsparungen im Schulbereich bis 2008 zurückzuführen. Etwas freundlicher sieht das Bild aus, wenn man die Ausgaben für Bildungseinrichtungen pro Schüler betrachtet. Sie liegen deutlich über dem Schnitt.

6Akademikerrate: Österreich wird trotz steigender Hochschulabschlüsse im internationalen Vergleich weiter zurückfallen. Denn während in anderen Ländern die höhere Bildung dynamisch ausgebaut worden sei, herrsche in Österreich weiter Nachholbedarf, betont Schleicher. Während in Österreich 54 Prozent eines Jahrgangs ein Studium aufnehmen, sind es im OECD-Schnitt 59 Prozent.

7Bildung und Lohn: Wer erst einmal den Hochschulabschluss in der Tasche hat, der darf sich freuen. Denn Akademikern geht es in Österreich im internationalen Vergleich finanziell sehr gut. Sie können einen der weltweit höchsten Lebensstandards genießen, denn Österreich zählt zu den drei Ländern mit den höchsten Akademikereinkommen (kaufkraftbereinigt). Auch bei Absolventen einer Matura oder Lehre liegen Österreichs Gehälter im Spitzenfeld (4. Stelle). Die Nutznießer der guten Gehälter sind aber einmal mehr die Männer: Akademikerinnen verdienen im Schnitt 36.073 Dollar im Jahr, männliche Hochschulabsolventen 48.047 Dollar. (sta, APA)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 14.09.2011
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