10.11.2011
Innsbruck

Tiroler Kulturschatz wird zerschlagen

Innsbruck – „Wir sind gescheitert“, musste ein enttäuschter Pfarrer Jakob Patsch gestern Mittwoch berichten. Vergeblich hatte nicht nur der Haller Pfarrer als Verwalter der Waldauf-Stiftung bis zuletzt versucht, Werke der denkmalgeschützten Haller Waldauf-Bibliothek aus einer dieser Tage in München stattfindenden Auktion herauszulösen, um den Kulturschatz für Tirol zu erhalten – die TT berichtete. Auch an der Universitäts- und Landesbibliothek, die die Stiftungsbibliothek 2003 als Dauerleihgabe übernommen hat, zeigt man sich mehr als enttäuscht: „Trotz intensivster Bemühungen bis unmittelbar vor Auktionsbeginn am Mittwoch“ sei es nicht möglich gewesen, „dieses einmalige kulturelle Erbe für das Land Tirol zu retten“, heißt es in einer Aussendung.

Wie die in München angebotenen Bestände nach Deutschland gelangt sind, ist nicht restlos geklärt. „Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Werke, die während des Zweiten Weltkrieges an Haller Familien ausgelagert und nicht mehr zurückgegeben worden sind“, sagt Patsch. Die ULB weist darauf hin, dass die Waldauf-Bibliothek gerade in ihrer „wechselvollen jüngeren Geschichte“ erhebliche Verluste erlitten hat, man gehe von insgesamt 700 Bänden aus. In München standen nun zwei Handschriften, 19 Inkunabeln, also Druckerzeugnisse vor 1500, sowie über 200 Drucke des 16.-18. Jahrhunderts zum Verkauf.

Mit finanzieller Unterstützung des Landes sowie weiterer Sponsoren wurde nun versucht, diese Bestände im Paket zurückzukaufen. „Darauf ist man aber nicht eingestiegen“, bedauert Patsch. Der unbekannte Einbringer habe die wertvollsten Stücke einzeln versteigern wollen. „Für die restlichen, weniger wertvollen Werke wurden unmittelbar vor Auktionsbeginn über den Schätzpreis hinausgehende sowie dem Wert und konservatorischen Zustand der Objekte keineswegs angemessene Forderungen gestellt“, kritisiert die ULB.

Enttäuscht über die gescheiterten Verhandlungen zeigte sich am Mittwoch auch Kulturlandesrätin Beate Palfrader, auf deren Initiative hin das Land sich in der Sache engagiert hatte, denn: „Leider war der angestrebte Ankauf der Waldauf-Bibliothek letztlich trotz intensiver Bemühungen des Landes nicht durchführbar, weil die Forderungen des Auktionshauses in München und des Einbringers der Buchbestände immer unvertretbarer wurden. Seitens des Landes stellt es sich so dar, dass das Auktionshaus in München nie wirklich ernsthaft an einem Verkauf interessiert war“, so Palfrader.

Das sei, erklärte die Landesrätin, „sehr bedauerlich“, weil sich das Land, die Pfarre Hall und die Universitäts- und Landesbibliothek sehr engagiert hätten und auch bereit waren, „einen hohen finanziellen Einsatz zu leisten“. Zudem habe man eine private Stiftung dafür gewinnen können, „sich ebenfalls mit einem namhaften Betrag am Ankauf zu beteiligen“. Die konkreten Beträge, die zur Rettung der Waldauf-Bestände hätten bereitgestellt werden sollen, blieben am Mittwoch freilich ebenso ungenannt wie die Höhe der Forderungen, die in München gestellt wurden.

Da es noch weitere Fehlbestände in der Waldauf-Sammlung gibt, soll jetzt bei einem runden Tisch geklärt werden, wie künftig vorgegangen wird. Palfrader wünschte sich gestern auch mehr Transparenz: „Für die Zukunft wäre es wünschenswert, dass das Bundesdenkmalamt eine offensivere Informationspolitik gegenüber dem Land betreibt.“ (jel, cm)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 10.11.2011
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