Protest gegen schlimme Zustände in italienischen Tierheimen
Rom – Eine Plattform aus 60 Tierschutz-Organisationen aus der Schweiz und aus Deutschland übt scharfe Kritik am Zustand von Tierheimen in Italien, vor allem im Süden des Landes.
Seit den 90er Jahren zahlt der Staat per Gesetz privaten Betreibern Subventionen von einem bis vier Euro pro Tag pro Tier.
Mit den rund 60.000 Hunden, die allein in der süditalienischen Region Apulien in sogenannten „Tierheimen“ eingekerkert seien, verdienten Besitzer solcher Einrichtungen, Bürgermeister, Amtstierärzte und andere korrupten Insider täglich mehr als 150.000 Euro, erklärte der Verband CICTO.ORG, dem Schweizer und deutsche Tierschutz-Organisationen angehören.
„In engen, stinkenden und verwahrlosten Boxen aus Beton oder Käfigen, meist nur winzig klein, werden mehrere Hunde in qualvoller Enge zusammengepfercht. Sie sehen nur Zement und Gitter. Ihre Boxen verlassen diese Hunde nie. 24 Stunden täglich Gebell, Gestank, Enge, Feuchtigkeit, Hitze im Sommer, Kälte im Winter.
Je nach Herkunft und Charakter werden die Hunde unter diesen Bedingungen entweder wahnsinnig, depressiv oder aggressiv. Weil Sie den Tierheimbesitzern pro Tag bis zu vier Euro bringen, werden diese Tiere sogar am Sterben gehindert, ein Leben kann man dieses Schicksal nicht mehr nennen“, sagt Stefan Weber, Sprecher der Schweizer Organisation „Tierärzte im Einsatz“, im Gespräch mit der APA.
Besonders schwierig ist die Situation in Apulien. „Dort sind Hundeheime wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden geschossen, massenweise vermehren sich die Hunde dort und jeden Winter werden wieder tausende von ihnen ausgesetzt - denn so bleiben die Straßenhunde gut sichtbar und damit ist die Existenzberechtigung der ‚Heime‘ gegeben“, sagte Weber.
In den vergangenen Jahren haben schweizerische und deutsche Tierschutzvereine begonnen, Hunde aus Süditalien zu adoptieren, um sie von ihren schlimmen Lebensumständen zu bewahren. Ungefähr 400 Tiere pro Jahr werden auch von Österreichern aufgenommen.
„Die Adoption von Hunden ist keine Lösung für die Probleme, sondern eine verzweifelte Reaktion auf die unglaublichen Zustände in den italienischen Tierheimen. Wer das Leiden sieht, will helfen“, sagte Yvonne Risch, Präsidentin von CICTO.ORG.
Die Tierschützer bemühen sich, der italienischen Öffentlichkeit das florierende Geschäft mit den Hunden in den Tierheimen klar zu machen. Tierheim-Besitzer und große italienische Organisationen, die selbst solche Heime betreiben, reagieren jedoch allergisch auf die Adoption von Hunden in das Ausland.
„Sie verbreiten seit Jahren böse Gerüchte über einen angeblichen lukrativen Handel mit Hunden aus italienischen Tierheimen zur Vivisektion in schweizerischen Versuchslaboren. Das stimmt aber überhaupt nicht. Vereine, die zu CICTO gehören, können Hunderte wirklich durchgeführte erfolgreiche Adoptionen in der Schweiz und in Deutschland dokumentieren, die armen Hunden aus italienischen Tierheimen eine Chance auf ein neues Leben in Familien gegeben haben. Wir arbeiten eng mit den Polizeibehörden zusammen, die aufgrund dieser Gerüchte gegen Tierfreunde ermitteln“, sagte Weber. CICTO hat deshalb eine Belohnung von 10.000 Euro auf gerichtlich verwertbare Beweise für diese Unterstellungen ausgesetzt.
Der Druck aus dem Ausland auf Italien wächst: 20.000 Menschen haben in den vergangenen Monaten gegen das System der organisierten Tierquälerei protestiert, Petitionen und einen Tourismus-Boykott gegen Ferien in der „Hundehölle“ von Apulien unterzeichnet.
Roland Eichler vom deutschen Tierschutzverband „Pfotenhilfe Europa“: „Immer mehr Menschen wollen keinen Urlaub mehr in Italien verbringen, da sie den Anblick dieses ganzen Leids nicht ertragen können, viele Touristen haben selbst einen Hund zu Hause. In Deutschland gibt es über fünf Millionen Hundebesitzer und noch mehr Tierfreunde, was deren Empörung über diese Eindrücke erklärt.“
CICTO führt eine internationale Kampagne. Mit Aktionen, Recherchen und praktischer Hilfe wehren sich die Mitgliedsorganisationen gegen die Tierquälerei. In einem offenen Brief an die Behörden, Politiker und Bürger Italiens stellt CICTO Schlüsselfragen: „Wie viele Millionen kostet das Geschäft mit den Tierheimen? Wer verdient daran? Warum schützt das Gesetz Tiere nicht?“ (APA)
aktualisiert: Mo, 23.08.2010 11:08


