Oppitz-Plörer baut Vorsprung weiter aus
Bürgermeister- und Gemeinderatswahl Innsbruck – Kräfteverhältnisse im Wandel
Von Manfred Mitterwachauer
Innsbruck – Auch wenn es allseits wild dementiert wird: Innsbrucks Politiker befinden sich schon seit Wochen im Vorwahlkampf. Da mag die Gemeinderats- und erstmalig auch die Bürgermeisterdirektwahl 2012, voraussichtlich im April, noch so weit weg sein: Die Fieberkurve steigt. Auch bei den Wählern. Dies bestätigt die zweite von der Tiroler Tageszeitung beim Meinungsforschungsinstitut Karmasin in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage (siehe Grafiken rechts).
Im Vergleich zur ersten Befragung im November scheint der Wählermarkt nämlich in Bewegung zu kommen. Und es gibt zwei klare Gewinner der aktuellen TT-Umfrage: die regierende Bürgermeisterfraktion „Für Innsbruck“ mit ihrer Spitzenkandidatin BM Christine Oppitz-Plörer sowie Bürgermeisterkandidat Rudi Federspiel.
Oppitz-Plörer kann ihren Bürgermeisterbonus voll ausspielen und weiter ausbauen. Sie legt in der Bürgermeister-Direktwahl-Frage um zwei Prozent auf nunmehr 57 Prozent zu. Für Meinungsforscherin Sophie Karmasin ein „Top-Wert“. Neuer erster Verfolger der FI-Chefin ist Rudi Federspiel (Liste Federspiel). 16 Prozent wollen ihn am Bürgermeistersessel sitzen sehen – ein Zuwachs um sechs Prozent. Marie-Luise Pokorny-Reitter schafft es nicht, nach ihrer Nominierung zur SP-Spitzenkandidatin jene Prozentpunkte aufzusaugen, die noch bei der letzten Umfrage an SP-Kollegen Ernst Pechlaner (5 %) gegangen waren. Im Gegenteil: Pokorny-Reitter verliert einen Prozentpunkt auf nunmehr neun Prozent. Weit höhere Verluste muss aber Vize-BM Franz Gruber (VP) in der Bürgermeister-Direktwahl-Frage einstecken: Er verliert vier Prozent und liegt nun mit acht Prozent nur noch an vierter Stelle. Auf den abgeschlagenen Plätzen folgen Sonja Pitscheider (Grüne) mit sechs Prozent (+/- 0) und Richard Heis (FP) mit drei Prozent (+1). Neu im Ranking ist KPÖ-Spitzenkandidat Josef Stingl. Für mehr als ein Prozent und somit den letzten Platz reicht es für ihn derzeit aber nicht.
Wer künftig am Bürgermeistersessel thront, ist die eine, welche Fraktion(skoalition) jedoch im Innsbrucker Gemeinderat nach der Wahl 2012 den Ton angeben wird, eine andere Frage. Auch hier hat sich seit November einiges getan.
„Für Innsbruck“ hat es geschafft, die Grünen von der Umfragenspitze zu verdrängen. Mit 24 Prozent (+4) legt die FI-Fraktion am deutlichsten zu. „Es wird sich zeigen, ob dieser Vorsprung der Liste Für Innsbruck noch ausbaubar ist oder ob es sich nur um einen vorweihnachtlichen Effekt handelt“, meint Karmasin auch mit Blick auf die Nächstgereihten.
Jedoch liefern sich die Grünen weiterhin ein Kopf-an-Kopf-Duell mit der FI-Liste, da auch sie ein Prozent dazugewinnen und so auf 22 Prozent kommen. Sorgenfalten dürften den Sozialdemokraten ihre Umfragewerte bereiten. Sie verlieren drei Prozent und fallen mit nunmehr 17 Prozent sogar hinter die VP zurück. Eine mögliche Erklärung liegt für Karmasin darin, dass „die geringe Zustimmung für die SPÖ auch mit der jetzt fixierten Spitzenkandidatin Marie-Luise Pokorny-Reitter zusammenhängen könnte“.
Im Gegensatz zu seinen persönlichen Werten bleibt die VP von Franz Gruber in der Sonntagsfrage stabil bei 18 Prozent. Umgekehrt die Situation bei der Liste Federspiel. Den Umfrageschub in der Bürgermeisterfrage kann Rudi Federspiel offensichtlich noch nicht auf seine Liste übertragen. Sie verliert um einen Prozentpunkt auf neun Prozent. Auch die FPÖ muss den Verlust von einem Prozent auf sieben hinnehmen. Weiterhin bei drei Prozent verharrt die Liste des Tiroler Seniorenbundes. Nach ihrer Entscheidung Mitte November, auch bei der kommenden Gemeinderatswahl zu kandidieren, wurde die KPÖ in die Sonntagsfrage miteinbezogen. Mit null Prozent belegt sie den letzten Platz der acht Listen.
Leichte Verschiebungen sind in der Zufriedenheit der Befragten mit der jeweiligen Leistung der einzelnen Stadtsenatsmitglieder festzustellen. Oppitz-Plörer verdrängt hier ihren FI-Kollegen, Vize-BM Christoph Kaufmann, von der Spitze. Letzterer fällt sogar – hinter Pokorny-Reitter – auf den dritten Platz zurück. Das Schlusslicht bildet weiter die nicht amtsführende Stadträtin Sonja Pitscheider.
Nicht nur aus Sicht Karmasins „erfreulich hoch“ bleibt die Anzahl jener Gruppe, die noch bei der Innsbrucker Gemeinderatswahl 2006 weiß/ungültig bzw. gar nicht wählte, jedoch für 2012 ankündigt, wieder zu den Wahlurnen schreiten zu wollen. Immerhin noch 49 Prozent (November: 53 %) aus dieser Gruppe haben vor, ihr Stimmrecht auszuüben.


