„Österreich muss der Rauch ausgehen!“
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Noch immer geht in Lokalen der Rauch auf: Ärzte und Nichtraucherschützer fordern ein generelles Rauchverbot in Österreich.Foto: APA
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Rauchverbot in Lokalen
Von Michaela Spirk-Paulmichl
Innsbruck, Wien – Drei Jahre nach Inkrafttreten des Tabakgesetzes sind 54 Prozent von 500 Befragten in Tirol zufrieden mit der geltenden Regelung (siehe Grafik). Nur 42 Prozent sprechen sich laut Untersuchung der Karmasin Motivforschung im Auftrag der Tiroler Tageszeitung für ein absolutes Rauchverbot aus. Das Ergebnis stößt bei Manfred Neuberger, Umweltmediziner an der Universität Wien und Vizepräsident der Initiative Ärzte gegen Raucherschäden, auf Verwunderung. Seiner Meinung nach wissen viele Menschen noch zu wenig über die Folgen des Passivrauchens Bescheid.
„Manche sind nach wie vor der Meinung, beim Rauchen handle es sich nur um eine Geruchsbelästigung.“ Tatsächlich würden in Österreich aber pro Jahr 1000 Passivraucher sterben, die Zahl der Raucher, die an den Folgen ihrer Sucht sterben, beträgt etwas das Zehnfache. Außerdem hätten Nichtraucher das Bedürfnis, nicht als intolerant zu gelten. Selbst jene, die sich belästigt fühlten, so der Mediziner.
In Österreich ist im Jänner 2009 ein Rauchverbot in Lokalen in Kraft getreten, allerdings gibt es Ausnahmen für abgetrennte Raucherzimmer, kleine Betriebe unter 50 Quadratmeter müssen sich als Raucher- oder Nichtraucherlokale deklarieren. Nichtraucherschützer liefen von Anfang an Sturm gegen diese Regelung, sie fordern ein generelles Verbot. Auch der Verband der Europäischen Krebs-Ligen stellte ein schlechtes Zeugnis aus. Im vierten Europäischen Tabak-Kontroll-Index lag Österreich auf dem letzten Rang, unter 31 Staaten gemeinsam mit Griechenland an 30. Stelle.
Für Arthur Wechselberger, Präsident der Tiroler Ärztekammer, stellt besonders die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen ein Problem dar. Dabei sei die Überprüfung des Gesetzes ein Schritt in Richtung rauchfreies Österreich. „Denn eines ist völlig klar: Das Ziel ist ein generelles Rauchverbot. Den Österreichern muss der Rauch ausgehen!“ Doch dafür brauche es noch viel Bewusstseinsbildung: „Rauchen muss unter den Menschen verfemt werden.“
Herzinfarkt, Schlaganfall, chronische Bronchitis, Lungen-, Kehlkopf- oder Blasenkrebs – für Wechselberger gibt es kaum einen Bereich, in dem die Ursache von Erkrankungen so genau dokumentiert sei wie beim Rauchen. „Doch das ist die Zwiespältigkeit unserer Gesellschaft: Der Staat nimmt Steuern für den Verbrauch von Tabak ein, andererseits muss er für die Schäden aufkommen.“ Das sei absurd.
„Die Gesundheit hat in Österreich leider keine Lobby“, sagt Robert Rockenbauer. Der Tiroler gründete 1975 die Österreichische Schutzgemeinschaft für Nichtraucher und versteht sich als Anwalt, der für die Rechte der Nichtraucher eintritt. „Drei Jahre untaugliches Tabakgesetz sind genug. Die Regelung bringt durch fehlende Kontrollen zu wenig Schutz, und sie ist verantwortungslos“, so Rockenbauer. Sie verhindere, dass hohe Folgekosten durch das Rauchen eingedämmt werden. So würden in Österreich pro Jahr vier Milliarden Euro an Schäden durch Krankenbehandlungen oder etwa Brände anfallen.
Nur ein absolutes Rauchverbot könne die Menschen schützen. Allerdings würden nicht einmal die geltenden Bestimmungen eingehalten, so Rockenbauer: „Wir werden täglich mit Beschwerden bombardiert.“ Er schätzt, dass sich 80 Prozent der Wirte nicht ans Gesetz halten. Die Kontrollen seien nicht ausreichend. „Die Behörden kennen das Problem, aber sie haben nicht den direkten Auftrag, sich darum zu kümmern.“
Umweltmediziner Neuberger berichtet von Schadstoffkonzentrationen in Nichtraucherbereichen, die doppelt so hoch sind wie in reinen Nichtraucherlokalen. „Sie übertreffen die Feinstaubbelastung durch den Verkehr bei Weitem!“ Der Arzt sorgt sich um die Kinder: „In Österreich ist erlaubt, was sogar in Entwicklungsländern undenkbar wäre, nämlich dass Eltern ihre Kinder in Raucherbereiche mitnehmen. Doch bei uns ist es egal, dass Kinder beraucht und Jugendliche zum Rauchen verführt werden.“


