09.01.2012
International

Demokratische Bank soll 2013 starten

Die Demokratische Bank, die Globalisierungskritiker Christian Felber mit Attac-Kollegen gründen will, geht ins finale Vorbereitungsjahr. Felber rechnet mit 20 Mio. Euro Gründungskapital. Der Geschäftsplan steht.
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Steckbrief

Wie weit ist der Aufbau der Demokratischen Bank DemBa gediehen?

Christian Felber: Der Geschäftsplan ist fertig und wir werden das Gründungskapitalkonto eröffnen. Dann brauchen wir noch ein paar Dinge.

Zum Beispiel?

Felber: Zum Beispiel einen Einlagensicherungsverband, etwa Raiffeisen, einen Genossenschafts- oder den Sparkassenverband. Zudem zwei erfahrene Banker mit Geschäftsführerkompetenz, deren Job wir noch ausschreiben.

Banken sind seit Krisenbeginn stark im Kreuzfeuer der Kritik. Was soll die Demokratische Bank anders machen?

Felber: Wir verzichten in erster Linie auf spekulative Geschäfte. Spekulation ist eine unverantwortliche Gewinnmaximierung für wenige und ein Schaden für viele. Wir wollen zum Grundelement des Bankgeschäfts zurück. Nämlich mit den Spareinlagen Kredite vergeben sowie den Zahlungsverkehr der Menschen gewährleisten. Die vergebenen Kredite werden nach Kriterien des Gemeinwohls geprüft. Was nicht den Mindeststandards entspricht, wird nicht finanziert. Und jeder wird im Rahmen dessen, was die Gesetze erlauben, sehen können, was die Demokratische Bank mit dem Geld macht.

Wann ist der Start geplant?

Felber: Für 2013 wird sich der Start der Demokratischen Bank ausgehen. Die Bank ist eine normale Genossenschaftsbank mit allen Gremien, die das Genossenschaftsgesetz vorsieht. Wir werden jetzt noch ein halbes Jahr bis zur Einreichung bei der Finanzmarktaufsicht benötigen. Danach hängt es davon ab, wie lange die Genehmigung braucht. Aber 2013 soll sich der Start ausgehen.

Für einen Start benötigen Sie mindestens 5 Millionen Euro Gründungskapital. Haben Sie das Geld beisammen?

Felber: Wir haben derzeit bereits Zusagen über 1,5 Millionen Euro. Fast 1500 Menschen haben zugesagt, als Genossenschafter Miteigentümer zu werden. Alles deutet darauf hin, dass das Interesse groß ist. Der Boom sollte einsetzen, sobald es das Gründungskapitalkonto gibt. Wir rechnen mit 20.000 Genossenschaftern, die jeweils 1000 Euro bereitstellen. Ich denke, dass wir die 20-Millionen-Euro-Marke schaffen. Mittelfristig streben wir zwischen 50 und 100 Millionen Euro Eigenkapital an.

Wird es Ausschüttungen für Genossenschafter geben?

Felber: Ausschüttungen für Genossenschafter wird es nicht geben. Aus heutiger Sicht sind sie Idealisten, längerfristig sind es Realisten. Wichtig ist, dass wir uns nicht als Unternehmen verstehen. Die Bank ist Teil der Gemeinwohl-Ökonomie. Das Pech beispielsweise von Raiffeisen oder den Volksbanken, die einst auch mit hohen Idealen begonnen haben, war, dass sich das Umfeld vollkommen gewandelt hat. Und sie haben diesen Wandel mitvollzogen, besonders in den letzten 30 Jahren.

In einem früheren Positionspapier hieß es, es sei noch nicht entschieden, ob es Sparzinsen geben wird. Ist die Frage nun geklärt?

Felber: Den Sparenden wird es freigestellt, ob sie marktnahe Sparzinsen in Anspruch nehmen wollen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, auf Zinsen zu verzichten und dafür Projekte mit hohem sozialen Wert finanzieren. Dadurch verringern sich deren Kreditkosten.

Wie wollen Sie Spareinlagen für die Kreditvergabe gewinnen, wenn die Sparer freiwillig auf Zinsen verzichten sollen?

Felber: Der finanzielle Ertrag ist für viele Menschen nicht das einzige Ziel im Leben. Viele wollen ihr Geld für sinnvolle Zwecke zur Verfügung stellen. Ich selbst zum Beispiel will überhaupt keine Sparzinsen. Es ist ausreichend, wenn ich meinen Zahlungsverkehr tätigen kann und wenn ich nicht bei Zockerbanken mitmache, sondern sinnvolle Projekte unterstütze. Banken sagen uns immer noch, dass wir hohe Zinsen bekommen. Was sie aber nicht sagen ist, dass wir die Zinsen über den Konsum wieder selber bezahlen.

Ist bei der Demokratischen Bank auch ein Filialnetz angedacht?

Felber: Die Filialen sind das Teuerste. Wir werden mit einer Filiale in Wien beginnen und zwei Repräsentanzen in den Bundesländern aufbauen, wahrscheinlich in Vorarlberg und Oberösterreich. Der Geschäftsplan sieht vor, nach acht Jahren vier Filialen zu betreiben.

Auch in Tirol?

Felber: In Tirol vorerst noch nicht, weil sich dort von der Aktivität her noch nicht so viel tut, es arbeiten noch nicht so viele mit. Ziel ist aber eine Filiale in jedem Bundesland.

Das Gespräch führte Max Strozzi

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 09.01.2012
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