E-Zigarette: Alles nur Dampf und Rauch?
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Die E-Zigarette wird als Alternative zur herkömmlichen Zigarette angepriesen. Doch die gesundheitlichen Risiken sind zum Großteil unerforscht.
Foto: dpa/Marcus Brandt
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Von Renate Kofler
Wien – „Rauchen Sie gesund!“: Viele Anbieter der so genannten E-Zigarette werben mit irreführenden Slogans. Denn die Produkte erhalten zum Teil so hohe Mengen an Nikotin, dass sie in Österreich unters Arzneimittelgesetz fallen. „Deshalb dürfen sie auch nur in Apotheken abgegeben werden“, erklärt Franz Pietsch, Behördenleiter für Drogenkoordination im Gesundheitsministerium. Es gibt aber auch noch jene Art elektronischer Zigaretten, die anstatt des Nikotins aus Aromastoffen bestehen. In Österreich fallen aber auch diese unters Arzneimittelgesetz, sofern sie für die Raucherentwöhnung gedacht sind. Die Inhalatoren selbst sind als Medizinprodukt deklariert. Dazwischen liegt ein Graubereich an Produkten, die weder genau erforscht noch für den österreichischen Markt zugelassen sind. Übers Internet finden diese Waren trotzdem ihren Weg zum Konsumenten – und den Behörden sind die Hände gebunden.
„Eine Kontrolle im Internet ist faktisch nicht möglich. Aufgrund des Wildwuchses ist auch eine lückenlose Erfassung der Produkte ausgeschlossen“, betont Pietsch. Der Vertrieb von E-Zigaretten ist in Österreich übers Internet strafbar, ein Konsument kann für den Online-Kauf allerdings nicht haftbar gemacht werden. Und auch die Vertreiber sind findig – sie wechseln einfach den Provider, damit ihre Spur nicht so einfach zurückzuverfolgen ist. Zurück bleiben unsichere Konsumenten, die nicht genau wissen können, was sie da eigentlich konsumieren. „Wir merken schon, dass es vermehrt Anfragen von Konsumenten gibt, die sich über die gesundheitlichen Risiken der E-Zigarette erkundigen“, bestätigt auch Pietsch.
So lange die Zigaretten aber in einer rechtlichen Schwebe hängen – sie fallen nicht unters Tabakgesetz, weil sie weder Rauch erzeugen noch Dritte gefährden (sollen) – bleibt ein Nichtraucherschutz ausgeschlossen. Änderung soll die überarbeitete Tabakproduktrichtlinie auf EU-Ebene bringen, die noch 2012 beschlossen werden könnte. Die Neuregulierung müssten dann auch in nationales Recht eingebunden werden, so Pietsch. In der neuen Richtlinie sollen auch die E-Zigaretten strenger kontrolliert werden. Eventuell könnte das sogar ihr Ende bedeuten.
In Deutschland gehen schon jetzt immer mehr Bundesländer dazu über, die E-Zigarette überhaupt zu verbieten. So warnte etwa die Gesundheitsministerin Nordrhein-Westfalens, Barbara Steffens, kürzlich: „Was derzeit auf dem Markt ist, ist alles nicht zugelassen und nicht geprüft.“ Tatsächlich weist auch Pietsch auf zum Teil unbekannte Inhaltsstoffen hin. Er schränkt aber ein: „Eine Bedenklichkeit ist nur in Maßen auszusprechen. Man weiß, dass es schädlich ist, kann das aber nicht an einzelnen Inhaltsstoffen festmachen.“
Die Zusammensetzung der verschiedenen Produkte am Markt sind unüberschaubar. Einige enthalten unterschiedliche Mengen des Nervengifts Nikotin, andere nur Aromen wie Schokolade, Lakritze, Apfel oder Vanille. Anstatt des Rauchs erzeugt die E-Zigarette Dampf. Die genaue Zusammensetzung der einzelnen Produkte kennen oft nur die Hersteller – die Auswirkung von möglichen Schadstoffen ist nicht erforscht, auch wenn die Werbung der Vertreiber gegenteiliges suggeriert.
Dennoch sind sich die Gesundheitsbehörden einig: So hat etwa die amerikanische Kontrollbehörde FDA in einigen Kartuschen giftige Substanzen nachgewiesen, die krebserregende Nitrosamine beinhalten. In manchen Produkten, die als nikotinfrei ausgewiesen waren, wurden trotzdem Spuren des Gifts entdeckt. Das deutsche Bundesgesundheitsministerium rät aufgrund der Substanzen in der E-Zigarette ebenfalls vom Konsum ab. In einer Studie mit 30 Nichtrauchern haben Lungenfachärzte schädliche Auswirkungen auf die Atemwege nachgewiesen. Schon fünf Minuten inhalieren würde die Atemwege einengen, erklärte die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie. Schuld daran sei der Stoff Propylenglykol, aus dem der Dampf der E-Zigarette zu 90 Prozent bestehe. Die Wissenschafter kommen zu dem Schluss, dass es dringend weiterer Untersuchungen bedarf. Andere Studien streichen unterdessen hervor, dass die E-Zigaretten im Gegensatz zu herkömmlichen Zigaretten weit weniger gesundheitliche Risiken berge. So macht sich etwa Michael Siegel von der Boston University School of Public Health für die Rauch-Alternative stark.
Der österreichische Drogenkoordinator Pietsch rät Konsumenten, die auf die elektronische Tschick umsteigen wollen, sich genau über die Inhaltsstoffe zu erkundigen und diese auch kritisch zu hinterfragen. „Vor allem wenn es um Entwöhnung geht, sollte man immer das Gespräch mit dem Apotheker suchen.“
aktualisiert: Di, 17.01.2012 14:41


