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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 25.01.2012

Kneissl gerettet, Sanierung des Scheichs angenommen

Scheich Al Jaber ist bei Kneissl ein Jahr nach der Pleite wieder zurück, doch zur Zukunft der Kufsteiner Skifirma sind noch viele Fragen offen.

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Von Beate Troger

Kufstein, Innsbruck – Der schwer angeschlagene Skibauer Kneissl ist wieder in den Händen von Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber. Am Mittwochabend haben die Gläubiger die Sanierungspläne angenommen. Kurz vor Weihnachten, zehn Monate nach der Pleite, hatte der saudi-österreichische Investor für die insolventen Kneissl-Gesellschaften Kneissl Tirol GmbH, Kneissl Star Lounge GmbH und Kneissl Holding GmbH völlig überraschend Sanierungspläne eingebracht.

Nachdem Al Jaber als Kneissl-Mehrheitseigentümer im Vorjahr zahlreiche Zahlungsfristen verstreichen hatte lassen, wurden die zugesagten 1,98 Mio. Euro für die Sanierung nun fristgerecht auf ein Treuhandkonto eingezahlt. Zudem wurden die Bankschulden der Kneissl Gruppe von der UniCredit Bank Austria auf die Hypo Niederösterreich umgeschuldet. Die Bank hat außerdem eine Rückstehungserklärung abgegeben, das bedeutet, dass sie zugunsten der anderen Gläubiger vorerst auf ihre Ansprüche verzichtet.

Wie es mit der Skifirma nun weitergeht, ist noch unklar. „Kneissl wurde nicht gerettet, um das Unternehmen abzuwickeln“, lässt Scheich Al Jaber über seinen Sprecher Alfred Autischer ausrichten. „Zum ersten Mal seit Langem in seiner Geschichte ist Kneissl schuldenfrei“, heißt es von Seiten des Scheichs. Mit der Sanierung soll Al Jabers JJA Beteiligungsverwaltungs GmbH zum 100-Prozent-Eigentümer werden. Bislang hatte noch der Kufsteiner Unternehmer und BZÖ-Politiker Simon Hermann Huber 39,97 Prozent an der Kneissl Holding gehalten.

„Als alleiniger Eigentümer von Kneissl hat Al Jaber künftig die Möglichkeit und die Beweglichkeit, Kneissl nach seinen Wünschen zu gestalten“, sagt Sprecher Autischer.Al Jaber sei von der traditionsreichen Marke „fasziniert“.

In den kommenden Tagen und Wochen werde eine Bestandsaufnahme stattfinden. In der Kneissl-Gruppe sind nach wie vor rund 30 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Skiproduktion in Kufstein liegt derzeit brach, die Lager sind jedoch noch gut gefüllt. Im April wurde die Kneissl Star Lounge in Innsbruck im Zuge des Insol- venzverfahrens geschlossen. Ob nun auch die vom Scheich angekündigten Kneissl- Hotelprojekte nach jahrelanger Hängepartie realisiert werden, ist noch offen. Die Kneissl Star Resort GmbH war von der Pleite nicht betroffen.

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