Hellas-Bonds belasten Uniqa-Ergebnis: 330 Millionen Euro Minus
![]()
Uniqa-General Andreas Brandstetter
Foto: APA (Techt)/HANS KLAUS TECHT
|
||
Wien - Der Kursverfall griechischer Staatsanleihen hat den österreichischen UNIQA-Versicherungskonzern im Vorjahr massiver getroffen als erwartet. Nach weiteren Abwertungen auf Marktwerte im 4. Quartal belasteten allein die Hellas-Bonds im Gesamtjahr mit 346 Mio. Euro. Samt den 190 Mio. Euro an einmaligen Sonderkosten für die Neuausrichtung des Konzerns wurde das EGT nach vorläufigen Angaben auf rund 330 Mio. Euro ins Minus gedrückt, im Herbst ging die UNIQA noch von 250 bis 300 Mio. Euro EGT-Verlust aus. Künftig werde die UNIQA durch die Einmaleffekte aber entlastet, das operative Kerngeschäft sei robust, betonte CEO Andreas Brandstetter am Freitag.
„Für die Zukunft fit gemacht“
Mit Jahresende wurden die Hellas-Bonds auf rund 22 Prozent ihres Nominale abgewertet, erläuterte CFO Hannes Bogner der APA. Brutto betrug die Belastung 366 Mio., wovon 346 Mio. ins Ergebnis gingen. Bis Ende September waren erst Impairments bis auf 35 Prozent vorgenommen worden, bis dahin hatte die Nettobelastung durch die griechischen Anleihen 300 Mio. Euro ausgemacht. Bei anderen Bonds aus PIIGS-Staaten wurde den Marktwerten über die dafür vorgesehene Neubewertungsrücklage Rechnung getragen, ohne Ergebnisauswirkung, so Bogner. Zahlen zu den Kapitalanlagen und -erträgen 2011 stehen noch aus. Der komplette Geschäftsbericht soll Ende April vorliegen.
Außerdem zu verdauen hatte die UNIQA 2011 die 190 Mio. Euro Einmal-Sonderaufwand für den Konzernumbau - wovon allein 80 Mio. Euro auf den angekündigten Personalabbau in der Verwaltung in Wien und quer durch Europa entfallen. Mit dem Ziel, bis Ende Juni d. J. 200 Jobs in der Zentrale abzubauen - das ist jeder vierte im Headquarter in Wien -, liege man im Plan, sagte Brandstetter zur APA. Das wolle man mit einvernehmlichen Lösungen erzielen, so seien auch im vergangenen Jahrzehnt bereits insgesamt 700 Stellen abgebaut worden. In der übrigen Gruppe sollen wie bekannt weitere 400 Verwaltungs-Jobs bis zum Jahr 2014 gestrichen werden. Der Abbau von insgesamt 600 Stellen entspricht 7 Prozent der Innendienst-Jobs in Europa.
Mit dem Hineinpacken aller Sonderbelastungen in die Bilanz 2011 „haben wir uns für die Zukunft fit gemacht“, sagt CEO Brandstetter. Im Vorjahr habe die UNIQA trotz „hoher Wellen das Schiff operativ auf Kurs gehalten“. Dank des Ausbleibens von Großschäden habe man die Schadenquote in Schaden/Unfall auf 65,3 (68,4) Prozent verbessern können; die Kostenquote stieg aber wegen der einmaligen Belastungen überproportional auf 26,7 (21,9) Prozent an.
Die laufenden verrechneten Prämieneinnahmen (samt Sparanteilen aus Fonds- und Indexpolizzen) stiegen 2011 konzernweit um 4,4 Prozent auf 5,367 Mrd. Euro, die gesamten verrechneten Prämien sanken wegen eines Rückgangs der Einmalerläge in Leben (vor allem in Österreich, Italien und Polen) um 4,1 Prozent auf 5,970 Mrd. Euro.
„Wir bereiten uns intern vor“
Die Pläne für einen weiteren Börsegang der UNIQA im kommenden Jahr sind intakt, „wir bereiten uns intern vor“, sagte Konzernchef Andreas Brandstetter zur APA. Den Zeitplan dazu wolle man heuer im zweiten Quartal kommunizieren. Das Secondary Public Offering (SPO) werde man jedoch nur bei einem entsprechenden Börseumfeld vornehmen.
Nach früheren Angaben soll der Streubesitz durch die Ausgabe neuer Aktien von derzeit unter 10 Prozent auf über 30 Prozent wachsen, und die Raiffeisen-Kernaktionäre könnten sich auf bis zu 51 Prozent zurückziehen. Am Markt war im vergangenen Sommer über ein Emissionsvolumen von bis zu 600 Mio. Euro spekuliert worden.
Wenn klar sei, dass das SPO für 2013 auf Schiene sei, reiche das auch der Ratingagentur Standard & Poors, so Brandstetter und CFO Hannes Bogner. Beim Beibehalten des Ausblicks „stabil“ hatte S&P im Dezember bei der Herabstufung von A auf A- erklärt, man erwarte 2012 eine Verbesserung der Kapitalausstattung. „Ihr müsst schauen, dass ihr das bis Ende 2012 auf Schiene bringt“, sieht UNIQA als Botschaft.
Der Verkauf der deutschen Mannheimer-Versicherung werde der UNIQA für ihre 91,7 Prozent einen Buchgewinn bringen, das Closing erfolge aber erst im 1. Quartal 2012, deshalb sei Mannheimer noch in der Bilanz 2011 enthalten. Zum Preis sei mit dem Käufer „Die Continentale“ Stillschweigen vereinbart worden. 2010 hatte die Mannheimer AG Holding mit ihren drei operativen Versicherungen 412 Mio. Euro Prämie eingenommen. Die Mannheimer-Gruppe zählt 840 Mitarbeiter, die UNIQA-Gruppe 15.000, davon 9.000 in der Verwaltung.
Deutliche Zuwächse bei Lebensversicherungen
In Österreich steigerte die UNIQA-Gruppe 2011 die verrechneten laufenden Prämien (inkl. Sparanteile aus Fonds- und Indexpolizzen) um 2,8 Prozent auf 3,546 Mrd. Euro. Im internationalen Geschäft wuchsen die laufenden Prämien um 7,6 Prozent auf 1,821 Mrd. Euro, darunter in Osteuropa um 6,5 Prozent auf 1,085 Mrd. Euro. Teils deutlich über Markt expandierten in Osteuropa vor allem die Gesellschaften in Montenegro, Albanien, Bosnien, Bulgarien, Serbien, der Ukraine, Tschechien, Russland und Ungarn. In der Ukraine, dem zweitgrößten Markt nach Russland, sei die UNIQA 2011 vermutlich die Nummer 1 geworden, so Brandstetter. Die Gesellschaften in Westeuropa (samt Mannheimer) nahmen mit 675 Mio. Euro um 9,1 Prozent mehr ein.
In der Lebensversicherung zeigte das Geschäft gegen laufende Prämie deutliche Zuwächse: konzernweit um 4,8 Prozent auf 1,657 Mrd. Euro, in Österreich um 2,7 Prozent auf 1,329 Mrd. Euro, im internationalen Geschäft um 14,0 Prozent auf 328 Mio. Euro. Jeweils um mehr als 20 Prozent zulegen konnte man dabei in Rumänien, Russland, der Ukraine und Polen. Insgesamt (laufend und Einmalerläge) sanken die Einnehmen in Leben dagegen um 15,2 Prozent auf 2,260 Mrd. Euro, da die Einmalerläge in mehreren Ländern um zusammen 44,3 Prozent auf 603 Mio. Euro zurückgingen, etwa in Österreich, Italien und Polen.
In Schaden/Unfall erzielte die UNIQA-Gruppe verrechnete Prämien von 2,706 Mrd. Euro, ein Plus von 4,6 Prozent. In Österreich betrug der Zuwachs 3,0 Prozent auf 1,403 Mrd. Euro, international 6,3 Prozent auf 1,302 Mrd. Euro. Jeweils über 13 Prozent legte man in Montenegro, Kroatien, Italien, Ukraine und Polen zu.
In der privaten Krankenversicherung stiegen die verrechneten Prämien konzernweit um 3,4 Prozent auf 1,005 Mrd. Euro, davon 814 Mio. Euro (+2,8 Prozent) aus Österreich und 191 Mio. Euro (+6,0 Prozent) international. Jeweils über 25 Prozent Plus erreichte man in Serbien, Albanien, Polen, der Ukraine und dem Kosovo.
Niedriger als erwartet sind 2011 für die UNIQA-Gruppe die Abwertungen im Beteiligungsbereich ausgefallen. Dafür war man im Herbst von bis zu 80 Mio. Euro bilanziellen Vorsorgen ausgegangen, letztlich wurden es nur rund 55 Mio. Euro, wie Bogner der APA auf Anfrage sagte. Impairments habe es etwa auf die Rumänien-Beteiligung gegeben, aber auch im Immobilien-Sektor. Wegen zusätzlicher Kosten in anderen Bereichen bleibe die Gesamtsumme der Sonderaufwendungen von 190 Mio. Euro aber gleich. Die restlichen 30 Mio. Euro sind ja für eine zusätzliche Dotierung der UNIQA-Mitarbeiter-Pensionskassenlösung gedacht, in die rund 3.500 Leute neu einbezogen werden. (APA)
aktualisiert: Fr, 03.02.2012 11:20


