05.02.2012
Österreich

Keine „Generation Praktikum“

Jung, gebildet, arbeitslos – dass die Zukunft für Akademiker nicht so düster aussieht, zeigt jetzt eine Studie der Uni Innsbruck.
Achtung! Das ist nur ein Mustertext. Achtung! Das ist nur ein Mustertext.Foto: Fotohinweis

Von Christina Stieber

Innsbruck – Nicht für die Uni, sondern für das Leben sollen Studenten lernen. Dass das Leben als junger Akademiker kein leichtes ist, wird den Studienanfängern allerdings schon bald klargemacht. Vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften herrscht in den Einführungsvorlesungen der Tenor: Ausgebildet werdet ihr gut– aber einen Job bekommt ihr wahrscheinlich trotzdem nicht.

Mit dem Mythos, dass Studenten nach ihrem Abschluss – wenn überhaupt – eine Praktikumsstelle angeboten wird, räumt eine neue Studie der Universität Innsbruck auf. Eine Befragung unter 520 Absolventen zeigt, dass über 80 Prozent nach dem Abschluss einen Job bekommen haben. 62 Prozent sind derzeit unbefristet angestellt, ein Viertel hat einen befristeten Arbeitsvertrag. Fast zehn Prozent haben sich selbstständig gemacht. Den Berufseinstieg beurteilen 44 Prozent der jungen Arbeitskräfte dabei als eher leicht: Ein Drittel fand innerhalb eines Monats nach dem Studienabschluss einen Job, fast 40 Prozent hatten nach einem halben Jahr eine Anstellung. Nur 7,5 Prozent waren bis zu einem Jahr auf Arbeitssuche. „Eine universitäre Ausbildung ist immer noch eine Garantie für eine gute Beschäftigung“ betonte AMS-Geschäftsführer Anton Kern vergangenen Dienstag bei der Präsentation der Studienergebnisse im AMS Tirol. 2010 wären nur 1,7 Prozent der Uni- oder FH-Absolventen arbeitslos gewesen.

Allerdings stoßen junge Akademiker bei ihrem Einstieg in die Berufswelt auch auf Schwierigkeiten. Fast ein Drittel gibt an, dass ihnen bei der Arbeitssuche Berufspraxis­erfahrung gefehlt hat, 20 Prozent halten fehlende oder nicht ausgeschriebene Stellenangebote für eine große Hürde. Auch die Mobilitätsbereitschaft spielt beim Berufseinstieg eine Rolle: Würde ein knappes Fünftel für eine adäquate Arbeitsstelle überall hinziehen, zeigen zwei Fünftel keine Mobilitätsbereitschaft oder sind regional stark gebunden.

Egal an welchem Ort der Welt – um sich erfolgreich zu bewerben, sei vor allem die Fähigkeit zur Selbstvermarktung zentral, finden 88 Prozent der Befragten. „Hier kann das AMS Tirol mit dem Akademikerinnentraining helfen“, ist sich Anton Kern sicher. Knapp 80 Prozent halten Zusatzausbildungen und soziale Kompetenzen für besonders wichtig. Auch Auslandsaufenthalte während des Studiums (70 Prozent), das Erlernen von Fremdsprachen (66 Prozent) und „Vitamin B“, also ein Beziehungsnetzwerk (65 Prozent), halten die Absolventen für vorteilhaft. Katharina Schuhmacher vom Berufsconsulting des Wifi ist sicher, dass Zusatzqualifikationen und Praxiskenntnisse beim Berufseinstieg helfen: „Viele Stundeten ergreifen meiner Erfahrung nach aber wenig Eigeninitiative, dadurch fehlt ihnen die Arbeitspraxis.“ Dabei sei es gerade am Ende eines Studiums wichtig, aus der Masse herauszustechen.

AK-Experte Erwin Niederwieser sieht neben einer umfassenden Ausbildung der Studenten auch das Land in der Verantwortung: „Tirol muss sich generell überlegen, ob es noch dienstleistungslastiger werden will.“ Absolventen technischer Studienrichtungen würden vor Ort oft keinen Job finden. Man müsse junge Menschen bei der Berufswahl außerdem mehr unterstützen, glaubt Niederwieser: „Die Instrumente zur Berufsorientierung können nicht gut genug sein. Wir müssen Messen und Kompetenzwerkstätten weiter forcieren.“ Durch eine genaue Karriereplanung lässt sich auch leichter erreichen, was Career-Experte Ernst Hanholter für unverzichtbar hält: „Beim Berufseinstieg ist es am wichtigsten, dass sich ein roter Faden durch den Werdegang zieht.“ Netzwerkveranstaltungen würden helfen, einen Ansprechpartner in der gewünschten Branche kennen zu lernen. Fast 40 Prozent informieren sich laut Studie über diesen Weg zu Jobchancen. Noch wichtiger für die Studierenden sind Job-Portale im Internet. Über die Hälfte informiert sich hier zum Berufseinstieg.

Ein Bereich, den die Beratungsstellen für Absolventen in Zukunft stärker ins Auge fassen sollten, ist für Hanholter die Beratung für Selbstständige: „Das wird in Zukunft sicher immer mehr zum Thema. Hier sind Unternehmensgründungsprogramme gefragt.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 05.02.2012
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