Heftiger Schneefall legt Rom lahm, mehr als 100 Kältetote in der Ukraine
Minus 22,9 Grad in Seefeld: Tirol zittert und bibbert in der Kälte 03.02.2012, 11:28
Zwei Kältetote in Österreich: Mehr als 120 erfroren bislang in Europa 02.02.2012, 15:40
Heftige Schneefälle in Italien und Istanbul, Schnee auf Akropolis 01.02.2012, 14:58
Sibirische Kälte lässt ganz Europa bibbern: Gerlos minus 16,9 Grad 31.01.2012, 15:54
Berlin/Bern/Rom/Moskau – In ganz Europa sinken die Temperaturen immer weiter unter den Gefrierpunkt. In der Schweiz wurden in der Nacht auf Freitag auf der Alp Buffalora am Ofenpass im Kanton Graubünden minus 27 Grad gemessen. Im Osten Deutschlands rutschten die Temperaturen auf minus 22 Grad. In Polen wurden vielerorts minus 30 Grad und noch weniger gemessen. Italien versinkt im Schnee, sogar in Rom rieselten die Flocken. Die Zahl der Kältetoten steigt immer weiter.
Eiseskälte in der Schweiz und Deutschland
Die Nacht auf Freitag war in der Schweiz die bisher kälteste Nacht dieses Winters. Auf der Alp Buffalora am Ofenpass im Kanton Graubünden wurden minus 27 Grad gemessen. In La Brevine im Neuenburger Jura sank die Temperatur auf minus 25,5 Grad.
Auch im Flachland war es bitterkalt. In Binningen sanken die Temperaturen auf minus 15,8 Grad kalt, in Breitenbach auf minus 17,5 Grad, wie die SF Meteo mitteilte.
Auch in Deutschland sank das Thermometer so tief wie noch nie in diesem Winter: In Teilen Thüringens und Sachsens wurden von Donnerstag auf Freitag Temperaturen von minus 22 Grad gemessen. In Bad Elster im sächsischen Vogtlandkreis rutschte das Thermometer sogar auf minus 23,6 Grad, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach berichtete.
Schnee in Rom
Ein seltener Anblick bot sich Einwohnern und Touristen in der Ewigen Stadt: Es schneite. Dichte Schneeflocken fielen über dem gesamten Stadtzentrum. Begeisterte Touristen fotografierten eifrig den Schnee, der über dem Kolosseum, dem Petersdom und dem Trevi-Brunnen fiel.
Der von den Wetterexperten angekündigte Schneefall sorgte für chaotische Zustände. Der Verkehr wurde vor allem in der Innenstadt teilweise lahmgelegt. Bei der Bahnverbindung zwischen dem römischen Flughafen Fiumicino und dem Stadtzentrum kam es zu Verspätungen. Wegen des von Wetterexperten angekündigten Schneefalls blieben die Schulen in Rom am Freitag geschlossen.
Wegen des Unwetters musste der Papst seinen Terminkalender ändern. Eine am Samstagvormittag geplante Audienz mit 7.000 Jugendlichen, die sich an dem Welttreffen „Jugend für den Frieden“ beteiligten, wurde abgesagt. Auch am Samstag ist mit Schneefällen in Rom zu rechnen.
Winterchaos in Italien
Kälte und Schnee haben Mittel- und Norditalien weiterhin fest im Griff. Starke Schneefälle in mehreren norditalienischen Regionen sorgten für erhebliche Behinderungen im Straßen-, Bahn- und Flugverkehr. In Triest erreichte der Wind eine Geschwindigkeit von bis zu 130 km/h. Die Temperaturen erreichten minus fünf Grad. In Udine waren es Minus vier Grad.
Rekordkälte wurde in der norditalienischen Alpenregion Piemont gemeldet. Auf dem Monte Rosa wurden Temperaturen von minus 29,8 Grad gemeldet. In Turin lagen die Temperaturen bei Minus fünf Grad.
Die Kältewelle forderte auch Menschenleben. Ein Obdachloser wurde in Mailand tot aufgefunden, berichteten italienische Medien. Ein 76-Jähriger erlag beim Schneeschaufeln in Parma einem Herzinfarkt. Ein 46-Jähriger wurde in seinem schneebedeckten Auto in einer Bergortschaft der süditalienischen Provinz Isernia gefunden.
In Isernia kam es wegen des heftigen Schnees zu Stromausfällen. Blackouts wurden auch in der toskanischen Provinz von Seina gemeldet. 1.200 Familien mussten ohne Strom ausharren.
Verkehrschaos in Norditalien
Im Straßenverkehr kam es zu erheblichen Problemen. Weil ein Strommast einstürzte, musste die Autobahnstrecke zwischen Ortona und Francavilla in der Region Abruzzen gesperrt werden. Die Autobahngesellschaft Autostrade berichtete, dass der Lkw-Verkehr auf der Apenninstrecke zwischen Bologna und der Region Marke unterbrochen wurde. In der Emilia-Romagna und der Toskana waren mehrere Straßen geschlossen, nachdem sich Lastwagen quergestellt hatten. An der Adria lag Schnee, eine Seltenheit für Ortschaften wie Rimini und Cesenatico.
Auch im Bahnverkehr läuft nicht alles wie gewohnt. Die Staatsbahn teilte mit, alle Zuglinien seien offen, gefahren werde jedoch nach einem „Schnee-Plan“ mit weniger Zügen. Die Region Ligurien reichte wegen der Engpässe im regionalen Bahnverkehr infolge der Kältewelle in den letzten Tagen eine Klage gegen die Bahngesellschaft Trenitalia und den Bahnnetzbetreiber RFI ein.
38 Kältetote in der Ukraine in nur einer Nacht
In der Ukraine sind erneut mindestens 38 Menschen der Eiseskälte mit Temperaturen bis minus 32 Grad zum Opfer gefallen. Damit stieg die Zahl der Kältetoten in der ehemaligen Sowjetrepublik seit dem Wochenende nach offiziellen Angaben auf 101, wie das Zivilschutzministerium am Freitag in Kiew mitteilte. Mehr als 1.200 Menschen werden wegen Erfrierungen in Krankenhäusern behandelt. Beobachter vermuten, dass es tatsächlich noch weit mehr Opfer gibt.
Die Regierung des zweitgrößten Flächenstaats Europas erhöhte die Zahl der Wärmestuben, in denen Frierende mit heißen Getränken und Essen versorgt werden, deutlich auf fast 3.000. Die meisten Opfer sind Obdachlose. 64 Leichen seien in den Straßen gefunden worden, hieß es.
64 Menschen erfroren diesen Winter in Russland
Erstmals gab auch Russland offizielle Zahlen zu den Kälteopfern bekannt: Demnach erfroren im Jänner insgesamt 64 Menschen. Das teilte das Zivilschutzministerium in Moskau nach Angaben der Agentur Itar-Tass mit. In der russischen Hauptstadt mussten in der Nacht auf Freitag erneut etwa 20 Menschen mit Erfrierungen in Krankenhäuser gebracht werden. Die Fährverbindung zur Insel Putjatina unweit der Großstadt Wladiwostok am Pazifik war erstmals seit Jahren wegen dicker Eismassen unterbrochen.
Die Kaukasus-Republik Georgien meldete mit bis zu minus 20 Grad die tiefsten Temperaturen seit 1998. Wegen der schweren Schneefälle und Glatteis gebe es deutlich mehr Unfälle und verletzte Fußgänger, teilten die Behörden mit. In Weißrussland mussten rund 900 Schulen wegen der Eiseskälte schließen.
Acht Menschen in Polen erfroren
In der bisher kältesten Nacht des Winters in Polen sind nach Angaben des Innenministeriums erneut acht Menschen erfroren. Allein in den ersten Februartagen fielen 17 Menschen der Kälte zum Opfer, teilte eine Ministeriumssprecherin am Freitag in Warschau mit. Innenminister Jacek Cichocki rief die regionalen Verwaltungsbehörden auf, sich verstärkt um alte und kranke Einwohner zu kümmern, die angesichts der eisigen Temperaturen leicht in eine lebensbedrohliche Lage geraten könnten.
Ein greises Ehepaar aus Südostpolen ist in der Nacht zum Freitag Opfer der Kälte geworden. Nach Angaben einer Polizeisprecherin hatte ein Nachbar bei den alten Leuten nach dem Rechten sehen wollen und die 80-jährige Frau bewusstlos im Bett gefunden. In der Wohnung bei Tarnow war es minus 20 Grad kalt, der Holzofen erloschen. Die schwer unterkühlte Frau starb im Krankenhaus. Die Leiche des 84 Jahre alten Ehemannes wurde im Schuppen des Hofgrundstücks gefunden. Er wollte den Ermittlungen zufolge Feuerholz holen und erlitt dabei wahrscheinlich einen Herzanfall.
In vielen polnischen Städten betrugen die Temperaturen am Freitag bis minus 30 Grad. Auch tagsüber war nur wenig Erwärmung zu spüren. Besonders bedrohlich war die Lage für etwa 3500 Einwohner der masurischen Kleinstadt Dobre Miasto, die nach einem Zusammenbruch im örtlichen Energieversorgung weder Heizstrom noch warmes Wasser hatten.
Im ermländischen Allenstein (Olsztyn) waren den Berichten lokaler Medien zufolge die Obdachlosenunterkünfte überfüllt. Auch im südpolnischen Krakau gab es Berichte, dass die Zahl der Notunterkünfte nicht ausreicht, um Schutzsuchenden ein warmes Dach über dem Kopf zu ermöglichen.
Angesichts der Eiseskälte häufen sich Klagen frierender Arbeiter und Angestellter über zu niedrige Temperaturen am Arbeitsplatz, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP am Freitag. Nach polnischem Arbeitsrecht müssen Büroräume mindestens 18 Grad warm sein und in Fabrikhallen Temperaturen von mindestens 14 Grad herrschen. Andernfalls drohen dem Arbeitgeber Bußgelder in Höhe von bis zu 30.000 Zloty (7.000 Euro).
Drei weitere Todesopfer im Baltikum
In Lettland ist es während der Eiseskälte zu zahlreichen Bränden gekommen. Insgesamt musste die Feuerwehr am Donnerstag mehr als 50 Mal ausrücken, meldete die Nachrichtenagentur BNS am Freitag. Grund für die Brände waren nach Angaben der Feuerwehr häufig defekte Heizanlagen oder verunreinigte Rauchfänge. Wegen der großen Kälte laufen Heizungen und Öfen derzeit in vielen Wohnungen und Häusern auf Hochtouren.
Im gesamten Baltikum hat die Kältewelle weiteren drei Menschen das Leben gekostet. In der Nacht auf Freitag sei in der Hauptstadt Tallinn bei Temperaturen um minus 30 Grad ein Mensch erfroren, teilte der estnische Rundfunk am Freitag mit. Zwei weitere Menschen seien mit Erfrierungen in Krankenhäuser gebracht worden. In Lettland gab es zwei Tote und mehrere Verletzte zu beklagen.
Eisdecke behindert Schifffahrt am Unterlauf der Donau
Dicke Eisschollen haben die Schifffahrt auf dem bulgarischen und rumänischen Abschnitt der Donau am Freitag stark behindert. Der Fluss sei bei den Städten Russe und Silistra bis zu 60 Prozent zugefroren, teilte die bulgarische Donaubehörde mit. Im rumänischen Donaudelta war die Eisdecke stellenweise sogar vier Meter dick. Auf dem Sulina-Arm, der Hauptverkehrsader durch das Delta, wurden Eisbrecher eingesetzt.
In Rumänien sind seit dem Kälteeinbruch insgesamt 24 Menschen erfroren, in Bulgarien gab es elf Todesopfer. 373 Schulen mussten in Rumänien geschlossen werden, weil die Heizsysteme gegen den Extremfrost nicht ankamen. Zwar ließ der Frost in Rumänien am Freitag leicht nach, die Temperaturen stiegen auf etwa minus 10 Grad. Jedoch setzten im Südosten des Landes erneut Schneestürme ein, so dass viele Fernstraßen unpassierbar wurden. In Bulgarien stiegen die Temperaturen mancherorts wieder auf null Grad.
Bis zu minus 42 Grad in Schweden
Auch die an Frost und Schnee gewöhnten Nordeuropäer bekommen die Extremkälte über Europa immer heftiger zu spüren. Vor allem im nördlichen Teil Schwedens wurde am Freitag bei Temperaturen unter 30 Grad minus der Zugverkehr auf mehreren Hauptstrecken eingestellt. Mit eingefrorenen Weichen und zugeschneiten Strecken lief einfach nichts mehr.
In der Ortschaft Kvikkjokk-Arrenjarka in Lappland wurden am selben Tag erstmals unter 40 Grad Frost gemessen. Minus 42 Grad seien schwedischer Kälterekord für diesen Winter, berichtete der Rundfunksender SR.
Schneechaos in Kroatien und Bosnien-Herzegowina
Die Eiseskälte in Europa hat am Freitag auch am Westbalkan für chaotische Zustände gesorgt. Starker Schneefall sorgte in Kroatien laut Medienberichten für erhebliche Verkehrsbehinderungen. Laut dem Autofahrerclub HAK waren die Straßenverbindungen vom Landesinneren an die Küste für Lastwagen generell gesperrt. In Bosnien-Herzegowina waren zahlreiche Ortschaften in gebirgigen Landesteilen von der Umwelt abgeschnitten. Im landesweiten Busverkehr kam es zu zahlreichen Ausfällen.
Die kroatische Hafenstadt Split an der dalmatischen Adria-Küste präsentierte sich tief verschneit, die Fährverbindungen zu den Inseln vor der dalmatischen Küste kamen großteils zum Erliegen. Die Autobahnen von Zagreb nach Rijeka und Split sowie an der Küsten waren abschnittsweise gesperrt. In beiden Ländern stoppte die Polizei reihenweise Verkehrsteilnehmer, die ohne Winterreifen unterwegs waren. Die Temperaturen sanken an manchen Orten auf beinahe minus 20 Grad, wie die Tageszeitung „Jutarnji list“ berichtete.
(tt.com, APA/sda/dpa)
aktualisiert: Fr, 03.02.2012 16:19


