08.02.2012, 12:38  Aktualisiert: 08.02.2012, 14:50 
Kampf um Homs

Syrische Aktivisten berichten von Massakern an ganzen Familien

Unfassbare Gräueltaten des Assad-Regimes sollen derzeit in der Rebellenhochburg Homs an der Tagesordnung sein.
In den vergangenen Tagen hat der Widerstand gegen das Assad-Regime vor allem in Homs an Fahrt aufgenommen. Das Militär reagiert mit erbarmungsloser Brutalität.
Foto: AP

Moskau/Damaskus/Istanbul - Mit militärischer Macht und Milizenterror versucht das syrische Regime den Willen der Aufständischen zu brechen. Westliche und arabische Staaten verstärken ihrerseits den diplomatischen Druck auf Präsident Bashar al-Assad. In Moskau hält man dies für keine gute Strategie.

Syrische Aktivisten berichteten am Mittwoch, das Viertel Baba Amro in der Stadt Homs sei von der Armee unter Beschuss genommen worden. Sie sprachen von Dutzenden von Toten. Drei Familien seien von Milizionären in ihren Häusern massakriert worden, hieß es. Die Eindringlinge hätten 19 Menschen mit Messern getötet. Andere Quellen sprachen von insgesamt 47 getöteten Zivilisten.

„Befinden uns unter Dauerbeschuss“

„Wir befinden uns unter Dauerbeschuss“, klagt der Aktivist Omar Shakir gegenüber dem Nachrichtensender CNN. „Die Verletzten müssen in behelfsmäßig errichtete Lazarette gebracht werden, weil Raketen eines der beiden Krankenhäuser der Stadt zerstört haben.“ Die andere Klinik sei von Assads Truppen übernommen worden und für Oppositionelle unzugänglich.

Ein weiterer Bewohner von Homs, Mohammed Salih, sagte zu CNN: „Wir können die Toten nicht mehr zählen. Sie wollen uns auslöschen“. Nicht einmal in den eigenen vier Wänden sei man sicher. Um nicht ins Visier der Kämpfer der „Freien Syrischen Armee“ zu geraten, ziehen Regierungstruppen von Haus zu Haus, indem sie Wände durchbrechen, anstatt auf die Straße zurückzukehren.

Beobachter sollen abziehen

Die Arabische Liga forderte unterdessen ihre Beobachter auf, Syrien zu verlassen. Das bestätigte ein Mitarbeiter der Liga in Kairo. Der Leiter der Beobachtermission, Mohammed al-Dabi, und sein Stab sollen jedoch vorerst noch in Damaskus bleiben.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte bei einem Treffen mit Präsident Assad am Dienstag noch erklärt, die Beobachtermission könne ausgeweitet werden. Lawrow kritisierte den Abzug zahlreicher europäischer und arabischer Botschafter aus Damaskus als „unlogisch“. Damit werde die Krise nicht gelöst, sagte der Außenminister nach Angaben der Agentur Interfax am Mittwoch in Moskau, einen Tag nach seinem Treffen mit dem Assad in Damaskus.

Russischer Außenminister fordert zu Dialog auf

Lawrow erklärte, Assad habe seinen Vizepräsidenten Faruk al-Scharaa beauftragt, Reformen umzusetzen, Kontakt mit allen Oppositionsgruppen zu halten und einen nationalen Dialog zu organisieren. Diesem Dialog dürfe die Weltgemeinschaft nicht vorgreifen, forderte Lawrow. Russland hatte am Samstag zum zweiten Mal mit einem Veto eine Resolution gegen das Assad-Regime verhindert.

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete indes, in der Provinz Daraa seien nahe der jordanischen Grenze ein Offizier und 17 Soldaten desertiert. Der syrische Menschenrechtsanwalt Haitham al-Maleh sagte dem Nachrichtensender Al-Arabiya, regimetreue Einheiten seien für die gewaltsame Unterdrückung der Proteste verantwortlich, nicht die regulären Truppen der Armee. (APA/dpa/AFP/Reuters)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 08.02.2012  12:38
aktualisiert: Mi, 08.02.2012  14:50
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