08.02.2012, 18:28  Aktualisiert: 08.02.2012, 18:51 
International

Unruhen auf den Malediven weiten sich auf weitere Inseln aus

Der zurückgetretener Präsident wurde bei einer Demonstration in Male verletzt. Mittlerweile wurden auch auf anderen Inseln Polizeistationen angegriffen.
Nach dem Rücktritt von Präsident Nasheed (gelbes Hemd) erheben dessen Anhänger schwere Vorwürfe gegen den Nachfolger. Sie sprechen von einem Putsch - und davon, dass Nasheed mit vorgehaltener Waffe gezwungen wurde, abzudanken.
Foto: AP

Male - Die Unruhen auf den Malediven haben sich ausgeweitet. Nach dem Machtwechsel in der Hauptstadt Male gab es am Mittwoch auf mindestens zwei Inseln im Süden des Archipels Angriffe auf Polizeistationen. Der Bürgermeister von Addu, Abdulla Sodig, sagte, eine Polizeistation sei gestürmt worden, zwei andere würden von Demonstranten belagert. Auf der Insel Thinadhoo griff eine Menge von rund eintausend Demonstranten laut der Schilderung eines Regierungsmitarbeiters sowohl eine Polizeistation als auch ein Justiz- und ein weiteres Regierungsgebäude an.

Der am Dienstag zurückgetretene Präsident Mohamed Nasheed, der seinen Stellvertreter und Nachfolger Mohamed Waheed für den Umsturz mitverantwortlich machte, wurde bei einer Demonstration in Male verletzt. Mehrere Mitglieder von Nasheeds Demokratischer Partei (MDP) seien bei den Auseinandersetzungen in der Hauptstadt verletzt worden, sagte Nasheeds Cousine Eva Abdulla. Augenzeugen berichteten, dass die Polizei gegen Demonstranten Tränengas und Schlagstöcke einsetzte.

Der bisherige Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, ist nach Angaben seiner Partei von Sicherheitskräften mit Waffengewalt zur Aufgabe seines Amtes gezwungen worden. „Der Präsident wurde mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen, seinen Rücktritt zu unterzeichnen“, sagte der bisherige Außenminister Ahmed Naseem am Mittwoch per Telefon der Nachrichtenagentur dpa in Colombo. Die Soldaten und Polizisten hätten auf Anordnung von Vizepräsident Mohammed Waheed Hassan gehandelt, der am Dienstag in Male die Amtsgeschäfte von Nasheed übernommen hatte. „Das ist ein Putsch.“

Das christliche Hilfswerk „Open Doors“ wies indes in einer Aussendung darauf hin, dass der zurückgetretene Präsident Nasheed als Reformer galt. Er sei einer teils islamistischen Opposition gewichen. Die Malediven zählten schon seit Jahren zu jenen Ländern, in denen die Christen am stärksten verfolgt werden. Auf dem vom Schweizer Hilfswerk alljährlich erstellten „Weltverfolgungsindex“ liegen die Malediven heuer auf Platz 6, hinter Nordkorea, Afghanistan, Saudi-Arabia, Somalia und dem Iran.

So verbietet die Verfassung der Malediven vom Islam abweichende religiöse Ansichten, nicht-muslimische Ausländer dürfen die Staatsbürgerschaft nicht erhalten. Die Einfuhr von Bibeln sei verboten, nur Ausländer dürfen ein Exemplar für den Eigenbedarf besitzen. Die wenigen einheimischen Christen „leben in einem Klima der Angst“, heißt es in der Aussendung. Sie dürfen sich nicht zu Gottesdiensten versammeln und auch keine Kirche gründen. (APA/AFP)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 08.02.2012  18:28
aktualisiert: Mi, 08.02.2012  18:51
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