Scharfe Zungen, stumpfe Schwerter - Falkland-Konflikt neu entflammt
![]()
Demonstranten verbrennen einen Union Jack vor der britischen Botschaft in Buenos Aires.
Foto: EPA
|
||
London/Buenos Aires - Wie aus dem Nichts ist dreißig Jahre nach Maggie Thatchers Krieg im Südatlantik der Konflikt um die Falkland-Inseln wieder aktuell. Argentinien und Großbritannien streiten weiter um die Islas Malvinas, wie die Inseln in Lateinamerika heißen. Jetzt soll sogar der Weltsicherheitsrat die Briten an den Verhandlungstisch zwingen.
Britische Kriegsschiffe, brennende Union Jacks, argentinische Rhetorik und dazwischen ein Prinz: die Emotionen kochen auf beiden Seiten wieder hoch. Jetzt will die argentinische Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner den UN-Sicherheitsrat anrufen. Die Welt fragt sich: Warum bringt Argentinien das Thema wieder aufs Tapet. Warum jetzt? Und warum mit soviel Zorn?
Briten demonstrieren militärische Stärke
Es ist ein Rezept aus Emotionen und innenpolitischem Kalkül, aus kalten wirtschaftlichen Interessen und Nationalstolz, das auf beiden Seiten ein explosives Gemisch ergibt. Denn die Briten reagieren auf die Rhetorik aus Buenos Aires so, wie sie es in ihrer Geschichte in ähnlichen Fällen oft getan haben: Mit der Demonstration militärischer Stärke. Erst legte mit der „HMS Dauntless“ eines der modernsten Kriegsschiffe der britischen Marine mit Ziel Südatlantik ab, dann flog Prinz William, der Enkel von Königin Elizabeth II., zu einem sechswöchigen Einsatz auf die Inselgruppe. Berichte, wonach auch ein Atom-U-Boot unterwegs sein soll, wurden zumindest nicht dementiert.
„Reine Routine“, wiegelt die Downing Street ab. Eine Erklärung dafür, warum Prinz William seinen Falkland-Einsatz ausgerechnet in zeitlich so großer Nähe zum 30. Jahrestag des Kriegsbeginns beenden muss, gibt London nicht ab. Cristina Kirchner hat es deshalb vergleichsweise leicht, Beifall einzuheimsen, wenn sie die Briten der Provokation bezichtigt. William sei „mit der Uniform der Eroberer, und nicht mit der Weisheit der Staatsmänner“ in den Südatlantik gezogen, sagte die Präsidentin süffisant.
Kirchner hat es bisher vermieden, dem Krieg der Worte auch eine faktische Eskalation des Konflikts folgen zu lassen. Die Macht dazu hätte sie - auch ohne Militär. Sie bräuchte nur etwa ihren Luftraum für Flüge der chilenischen Fluglinie LAN auf die Falklands sperren - dann wären die Inselbewohner de facto abgeschnitten. „Wenn sie will, kann sie uns ausquetschen“, meinte der „Guardian“ jüngst. Ohnehin wird die Inselgruppe nur einmal wöchentlich kommerziell angeflogen. Ferner geht noch eine Maschine des britischen Militärs alle zwei Wochen.
Britische Zwickmühle
Selbst wenn die prognostizierten 60 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Rohöl vor den Inseln tatsächlich zu fördern wären: Es gibt bisher keine Infrastruktur. Ohne Hilfe Argentiniens wäre eine wirtschaftliche Nutzung des Öls gar nicht möglich. Der „Guardian“ vermutet, dass Großbritannien das Halten der Inseln irgendwann ohnehin zu teuer werden könnte. „1000 Soldaten sitzen auf einer Insel mit Booten, Flugzeugen und Swimming-Pools - zur Abschreckung vor einer nicht existierenden Invasion“, schrieb Kommentator Peter Preston und kommt zu dem Schluss: „Früher oder später werden die Falklands verkauft.“
Kirchner weiß um diese britische Zwickmühle. Sie versammelte Oppositionspolitiker, Unternehmer und Gewerkschafter in der Casa Rosada, dem Präsidentenpalast in Buenos Aires, um den britischen Premier David Cameron aufzufordern, Diplomatie anstelle von Säbelrasseln walten zu lassen. „Ich möchte den britischen Premierminister bitten, dem Frieden eine Chance zu geben“, sagte sie in Anspielung auf John Lennons Song „Give peace a chance“.
Argentinien stützt sich auf eine UNO-Resolution von 1965, die beide Staaten auffordert, bilaterale Gespräche über den Status der Inseln zu führen. Buenos Aires fordert die Hoheit über den Archipel und betrachtet die rund 3000 Inseleinwohner als britische Bürger, die dort bewusst angesiedelt wurden. Keineswegs seien es die Ureinwohner. Buenos Aires kontert damit das Londoner Argument, es sei der Wunsch der Einwohner, bei Großbritannien zu bleiben.
(Von Juan Garff und Michael Donhauser/dpa)
aktualisiert: Do, 09.02.2012 15:53


